WHO: Kein Beweis fĂĽr Gesundheitsrisiken durch Handys

Die Diskussion um den so genannten "Elektrosmog", die Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern moderner Hightech-Geräte, erregt immer wieder die Öffentlichkeit.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

Die Diskussion um den so genannten "Elektrosmog", die Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern moderner Hightech-Geräte, erregt immer wieder die Öffentlichkeit. Die Schlagzeilen in den Medien lauten je nach Bedarf "Hitzkopf am Handy" oder "Restrisiko einer Pudelmütze". Grund zur Besorgnis gibt vielen Mitmenschen vor allem die lawinenartige Vermehrung von Strahlungsquellen elektromagnetischer Felder. Vom Mikrowellenherd über Mobil- und Schnurlostelefone bis hin zu Einbruchssicherungen gehören Quellen für elektromagnetische Felder zur Grundausstattung jedes modernen Haushalts. Die "Grundemission" von Haushaltsgeräten liegt aber nach heutigem Erkenntnisstand im grünen Bereich – dies galt aber eigentlich nur für die Betrachtung eines einzelnen Geräts. Stein des Anstoßes ist aber oft der flächendeckende Ausbau des Mobilfunks und die massive Vermehrung von Geräten mit Funkanbindung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber hat nach eigenen Angaben bisher keinen Beweis zumindest für mögliche Gesundheitsrisiken durch Handys oder Basisstationen für Mobiltelefone gefunden. "Man hat bestimmte Krebsarten und Veränderungen in der Hirn-Tätigkeit mit der Benutzung von Mobiltelefonen in Verbindung gebracht", erklärte die UN-Organisation laut dpa am Mittwoch in Genf. "Bisher hat jedoch keine einzige Untersuchung am Menschen derartige Behauptungen untermauert." Es sei unwahrscheinlich, dass durch den Handy-Gebrauch entstehende Hochfrequenzfelder Krebs verursachten. Die Krebs-Experten der WHO haben dazu jedoch eine Langzeit-Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse 2003 vorliegen sollen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist eine leichte Erwärmung des Körpers bisher die einzige Veränderung, die sich bei Handy-Benutzung feststellen lässt. Eine Ausnahme bildeten Patienten, deren Herzschrittmacher durch die Hochfrequenzfelder der Mobiltelefone beeinflusst werden könnten. Als völlig sinnlose Vorsichtsmaßnahme bezeichnete die WHO so genannte Handy-Schutzhüllen, die nach Angaben der Hersteller angeblich schädliche Strahlen abfangen sollen. Wer sich bei der Handy-Benutzung unsicher fühle, solle lieber ein Mobiltelefon mit einer Freisprechvorrichtung kaufen.

Die Hochfrequenzfelder in der Nähe von Mobilfunk-Basisstationen sind nach WHO-Angaben deutlich schwächer als bei der Handy-Benutzung. Die Basisstationen auf Dächern oder Türmen sollten aber trotzdem durch Zäune gesichert sein, damit sich niemand unerlaubt in der direkten Umgebung der Masten aufhalte. Zwölf Wissenschaftler hatten im Mai im Auftrag der britischen Regierung eine Empfehlung zur Einschränkung der Handy-Benutzung durch Kinder herausgegeben. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass eine "vernünftige Nutzung" von Handys zwar für Erwachsene unbedenklich sei. Bei Kindern und Jugendlichen könnten sich jedoch wegen der Entwicklung des Nervensystems und der dünneren Schädeldecke "subtile biologische Veränderungen" ergeben.

Eine Zusammenfassung des aktuellen Stands der wissenschaftlichen Diskussion, der Techniken, die Quellen für Elektrosmog darstellen, und des möglichen "Restrisikos" bei den momentan gültigen Grenzwerten für die elektromagnetische Umweltverträglichkeit bringt c't in Ausgabe 14/2000 (ab dem 3. Juli im Handel). (jk)