Wii will, Wii will… rock you!
Nintendos neue Konsole stellt die Konkurrenz in den Schatten: In den Controller integrierte Bewegungssensoren verlangen eine recht körperliche Spielweise und sollen ein neues Zielpublikum ansprechen.
- Frank Magdans
Als Nintendo im vergangenen Jahr seine mobile Konsole DS auf den Markt brachte, ahnte hierzulande kaum jemand, was die Hardware so alles an neuem Spielspaß ermöglichen würde. Heute sind wir schlauer. Denn der Grundsatz, dass erst die Software die Hardware zu dem macht, was sie tatsächlich ist, hat sich auch hier wieder einmal bestätigt. Umso gespannter dürfen Spielinteressierte sein, wenn die Japaner im Herbst mit Wii die nächste stationäre Konsole auf den Markt bringen.
Die intuitive Steuerung, wie wir sie nun vom DS her kennen, steht auch bei Wii im Vordergrund. Was beim DS die simple, aber wirkungsvolle Kombination aus Stylus und Touchscreen ist, sind bei Wii die in den Controller integrierten Bewegungssensoren. Man stellt sich einfach vor die Glotze und fuchtelt mit der Fernbedienung herum – so würde das zumindest ein Außenstehender ganz nüchtern auffassen. Für den Spieler bedeutet das jedoch weitaus mehr: Bei einem virtuellen Tennisspiel etwa findet er sich in Gestalt eines niedlichen Sportlers auf dem Bildschirm wieder.
Nun muss er seine Hand, in der er den länglich-schmalen Steuerungsapparat hält, kurz und mit ein wenig Schmackes nach oben bewegen, um im nächsten Moment mit dem Arm auszuholen. Das war der Aufschlag. Wenn dann der Ball vom Gegner zurückgeschlagen wird, reicht eine kleine Handbewegung und das runde Filzding fliegt wieder über das Netz. Außergewöhnlich viel bewegen braucht man sich also nicht dabei. Das ist auch gut so, sonst müssten ja viele User umziehen. Wer hat schon zu Hause so viel Platz wie auf einem realen Tennisplatz?
Das Besondere an diesem Beispiel ist, dass man sofort im Spiel ist und im Nu allerhand Spaß damit hat. Vergleichen wir das einmal mit Segas Tennis-Simulation „Virtua Tennis 3“, die Anfang 2007 für die Xbox 360 und wenig später für die PlayStation3 erhältlich sein wird, so stellt Nintendo die Konkurrenz in den Schatten. Wer früher mal „Virtua Tennis“ auf Segas Dreamcast-Konsole gespielt hat, findet nämlich nichts weltbewegend Neues vor – so schön die Hatz auch ausschauen mag.
Nun ist aber auch Nintendos neues Spielprinzip nichts revolutionär Neues. Sonys „EyeToy“-Reihe hat dem Spieler schließlich auch schon einen leichten Einstieg gewährt, und ihn dabei sogar direkt auf die Mattscheibe projiziert. Nintendo kopiert das aber nicht, sondern die Herren um Mastermind Shigeru Miyamoto legen der Videospielwelt mehr Gefühl in die Hand.
Das wird insbesondere dann deutlich, wenn man in „Tony Hawk’s Downhill Jam“ mit beiden Händen das Skateboard unter den Füßen seines digitalen Stellvertreters steuert. Durch leichtes Kippen wird das flott dahin rollende Brett nach links und rechts manövriert. Dazu braucht es einiges an Übung und Feinmotorik, denn die Übersetzung der Fernbedienung ist ausgesprochen sensibel. Daher ist es vielleicht nicht jedermanns Sache.
Anders dürfte es sich mit der Minigames-Sammlung „Wario Ware: Smooth Moves“ verhalten, bei der man rund 200 Aufgaben im Fünfsekundentakt bewältigen muss. Vor jeder Aufgabe wird kurz erläutert, wie der Spieler die Fernbedienung zu halten und zu führen hat: wie einen Schwertstreich etwa von der linken Hüfte schräg nach oben, oder etwa zum Hantelnstemmen waagerecht vom Bauchnabel über den Kopf, oder wie einen Dirigentenstab zum Einsetzen von Omas Gebiss.
Solche Sachen machen viel Spaß, sind einem im Grunde aber schon vom DS-Spiel „Wario Ware: Touched!“ her geläufig. Bei beiden Varianten sind rasches Auffassungsvermögen und schnelles Reagieren gefragt. Der feine Unterschied liegt allerdings darin, dass man sich beim Wii-Titel noch körperlich einbringen muss. Gesundheitsexperten sehen so etwas gerne, und vielleicht schnappt sich das Marketing auch noch den einen oder anderen Promi, um das Produkt an den Mann zu bringen.
Sicher, mit der neuen Konsole stellt Nintendo die Konkurrenz in den Schatten. Denn Sony und Microsoft geht es weniger um das Gameplay aus dem Bauch, sondern vielmehr um grafische Power und die Anbindung an Online-Dienste. Das spielt für Miyamoto und Kollegen eine untergeordnete Rolle. Nintendo will sich – wie Sony das übrigens mit „SingStar“ geglückt ist – neue Zielgruppen erschließen, gleichermaßen Jung und Alt vor den Bildschirm holen. Ob Wii jedoch genauso erfolgreich wie der Gameboy und der DS wird, steht noch in den Sternen. Bislang ist es Nintendo auf jeden Fall nicht geglückt, sich in den Wohnzimmern breit zu machen. Ob sich das jetzt ändert? Unsere Prognose: Wii will, Wii will… rock you! (nbo)