Schlafen als Diät

Abnehmen gehört wohl zu den wichtigsten Therapien der übergewichtigen Industrienationen. Neue Medikamente drängen bereits auf den Markt. Vielleicht aber ist Lösung auch ganz einfach: Neue Studien zeigen, dass mehr Schlaf weniger Kilos bedeuten.

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Lesezeit: 11 Min.
Von
  • Edda Grabar
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Essen ist Genuss. Es ist sinnlich. Es befriedigt. Und es ist vergleichsweise einfach. Meint man. Falsch gedacht. Das allmorgendliche Frühstück, die kleinen Sünden zwischendurch, der Restaurantbesuch am Abend oder die heimlichen Kühlschrankgänge mitten in der Nacht fordern dem Körper eine Hochleistung an Koordination ab. Wann bitte hat man Hunger zu haben? Warum duftet die Bäckerei gerade morgens so verführerisch, dass man kaum ohne Brötchen daran vorbeikommt? Und wieso, herrje, nimmt man nicht ein winziges Grämmchen ab, wo man sich doch gerade in der letzten Woche bäckerei- und chipstechnisch so zurückgehalten hat?

Das fragen sich nicht nur die Autorin und etliche Millionen Menschen – vornehmlich weiblicher Natur. Auch die Wissenschaft versucht vehement dem Rätsel von Hunger und Satt auf die Spur zu kommen. Resultieren doch aus dem Ernährungsverhalten der Bürger westlicher Industrienationen ernsthafte menschliche wie volkswirtschaftliche Probleme: Jeder dritte Erwachsene und jedes fünfte Kind hierzulande bringt erheblich mehr Kilos auf die Wage, als gut für ihn sind. Die Weltgesundheitsorganisation ordnet 58 Prozent der Diabetes-Fälle, 21 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zwischen acht und 42 Prozent bestimmter Krebsformen dem Übergewicht zu. Die Kosten für die lebenslangen Behandlungen, Operationen, Rehas, wiederholten Krankenhausaufenthalten – und nicht zuletzt den Arbeitsausfall – sind kaum zu ermessen.

Schon allein deswegen stecken die Regierungen viel Geld in die Erforschung des überbordenden Hungergefühls. Einer der bekanntesten ist Adipositas-Experte Michael Schwartz. Im Fachmagazin Nature beschrieb er kürzlich die wichtigsten Regulationsmechanismen, die Hunger und Appetit bestimmen. Und spätestens nach dieser Lektüre weiß man, Essen ist eine hoch komplizierte Angelegenheit – und ein ausgewogener Zuckerspiegel ist nur eines von vielen anderen Messsystemen.

Abnehmen fängt im Kopf an

Abnehmen fängt im Kopf an, sagt der Volksmund. Und trifft damit den Kern der Sache. Denn, so stellt Michael Schwarz fest, die Kontrolle über den Appetit liegt beim Zentralen Nervensystem. Das beginnt bereits bei Nase und Augen. Sie leiten die unzählbaren Gerüche dieser Welt zum Gehirn, das zielsicher die ungiftigen, genießbaren, meist leckeren Kalorienspendern herausfiltert. Im Hypothalamus legen sie dann Appetitschalter um und setzen das so genannte Neuropeptid Y (NPY) frei.