Idee sucht Kapital
Um die Aktivität von Nervenzellen genauer beobachten zu können, wollen Forscher hyperpolarisiertes Lithium einsetzen. Für die Entwicklung eines Prototypen suchen sie nach Kapitalgebern.
- Veronika Szentpetery
Mit der neuen Rubrik Idee sucht Kapital will Technology Review Wissenschaft und Wirtschaft ganz direkt zusammenbringen: Wissenschaftler, die zwar das Wirkprinzip einer Idee bewiesen haben, denen aber das Geld für den Übergang zu einem Produkt fehlt, erhalten hier die Chance, sich einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen. Ideen und Vorschläge bitte an: Ideesuchtkapital@technologyreview.de.
Um die Aktivität von Nervenzellen genauer zu beobachten, wollen Forscher die Vorzüge von mehreren Verfahren vereinen. Die Idee: Eine wässrige Lösung von Lithium-6-Isotopen wird in die Blutbahn injiziert. Lithium hat drei Vorzüge: Es ist in niedriger Konzentration gesundheitlich unbedenklich, kann wegen seiner geringen Ionengröße die Blut-Hirn-Schranke überwinden und ins Innere von Nervenzellen schlüpfen. Die eingeschmuggelten Lithium-Ionen lassen sich dann mittels Magnetresonanztomographie (MRT) erfassen. Bislang wurde die Gehirnaktivität zwar ebenfalls über MRT beobachtet, aber nur über die viel ungenauere Durchblutungsrate. Für die neue Methode muss das Lithium für das MRT besser sichtbar gemacht werden. Das erreicht man, indem man es hyperpolarisiert, also die Drehimpulse (Spins) der Atomkerne parallel zueinander ausrichtet – das resultierende Signal wird bis zu 100.000 Mal stärker. Weil die Signale der hyperpolarisierten Atomkerne bereits mit geringeren Magnetfeldern detektierbar sind, wären statt Hochleistungs-MRTs mit mehr als 9 Tesla künftig Geräte mit etwa 0,5 bis 1,5 Tesla ausreichend.
Den Einsatz von hyperpolarisiertem Lithium für MRT haben zwei Wissenschaftler, Stephan Appelt vom Forschungszentrum Jülich und Professor Heinz Jänsch von der Universität Marburg, in unterschiedlichen Varianten entwickelt und jeweils zum Patent angemeldet. Als Erstes würden Hyperpolarisationskammern für Lithium gebraucht, wie es sie schon für Xenon und Helium gibt. Die Kosten für einen Prototypen beziffern sowohl Appelt als auch Jänsch auf rund 800.000 Euro.
Kontakt: Dr. Daniel Gembris (wst)