Weihnachtsgeschenke für 8-Bit-Freunde

Wer kurz vor Toresschluss noch ein spannendes Präsent für Geeks sucht, wird bei Spezialhändlern fündig. Wie wärs beispielsweise mit einem Gutschein für einen MITS Altair 8800?

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Von
  • Evan Koblentz

Sie suchen noch nach einem Geschenk für einen Computerfreak, der eigentlich schon alles hat? Verzagen Sie nicht: Eine große Anzahl seltener, klassischer Rechner kann man inzwischen auch als kostengünstige Nachbildung kaufen – das ideale Präsent, um digitale Erinnerungen an alte Zeiten beim Beschenkten hervorzurufen.

Originalmodelle von Apple I, MITS Altair oder der Verschlüsselungsmaschine Enigma aus dem 2. Weltkrieg sind kaum noch zu finden – und wenn sie dann mal bei eBay oder auf Auktionen zu bekommen sind, zahlt man problemlos Tausende von Dollar. Moderne Nachbildungen werden hingegen schon für ein paar Hunderter angeboten.

Das Spannende an den Kopien ist außerdem, dass sie voll funktionsfähig sind – im Gegensatz zu vielen Museumsstücken, die man lieber schont. Die Nachbildungen lassen sich so verwenden wie vor Jahrzehnten: Man kann mit ihnen eigene Programme in BASIC schreiben, sich in der Welt der Bulletin Boards herumtreiben (sollte man noch eines finden) und natürlich alte Spiele in geringer Auflösung (oder textbasiert) spielen. Ähnlich wie Autofans ihre Oldtimer mit zu Events und Ausstellungen nehmen, an ihnen basteln und sie reparieren, können Freunde alter Computertechnik inzwischen ihrem Hobby frönen. Mögen heutige Geräte auch viel schneller sein: Die alten Kisten hatten doch wesentlich mehr Persönlichkeit als heutige Rechner vom Kistenschieber.

"1970 gab es den "Homebrew Computer Club". Das war die Baby-Boomer-Generation der Computerwelt. Diese Jungs geben jetzt ihre Leidenschaft für Technik und Basteleien an die nächste Generation weiter", meint Sellam Ismail, Gründer des berühmten "Vintage Computer Festival", das an einem Wochenende im Herbst jedes Jahr im kalifornischen Mountain View abgehalten wird. Das Event im Computer History Museum bietet Ausstellungen, Präsentationen, Verkauf und Workshops für Fans von Rechnern aus den Fünfzigern bis zu den Achtzigern. Die Veranstaltung findet außerdem im Kleinen auch in anderen US-Regionen statt.

Eine der jüngsten Nachbildungen stammt vom Spezialunternehmen VintageTech. Es baut seit Kurzem eine Reproduktion der legendären PDP-1 von DEC. Der Minicomputer wird heute allerdings von Linux angetrieben. Zwar gibt es kostenlose Online-Emulatoren, aber an denen erlebt man eben nicht das echte "Feeling" dieser Rechner – komplett mit Leuchtdioden, die Geeks einst gerne liebevoll "Blinkenlights" nannten. Die VintageTech-PDP-1 enttäuscht hier nicht. Man könnte die Maschine dazu nutzen, seinen Kindern Algebra beizubringen. Es sei aber wesentlich hübscher, einfach ein klassisches Game wie "SpaceWar!" aus dem Jahr 1961 darauf zu spielen, meinen die Fans. Der vom MIT-KI-Forscher Steve "Slug" Russell entwickelte Zeitvertreib gilt als erstes 2-Spieler-Game überhaupt.

Freunde der Marke mit dem Apfel werden hingegen die Apple I-Nachbildung "Replica 1" lieben. Die gelungene Kopie des Rechners aus dem Jahr 1976 kostet nur 160 Dollar – ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass ein Original-Apple-I heute auf Versteigerungen locker 25.000 Dollar bringt. Die Replica 1-Platine ist zwar nicht ganz original, aber die Funktionalität ist identisch. Allein ein optionaler Adapter für eine moderne Tastatur gehört zu den Abweichungen. Die Original-Software, die Apple-Mitbegründer Steve Wozniak schrieb, steckt bereits in der Maschine.

Wer wirklich basteln will, dürfte allerdings eher zu einer Altair-Nachbildung greifen. Der tastatur- und bildschirmlose Rechner, der einst auf dem berühmten Titelblatt von "Popular Electronics" im Januar 1975 auftaucht, gilt vielen Geeks als die Maschine, die die PC-Revolution lostrat. Bill Gates und Paul Allen arbeiteten mit Altair zusammen, bevor sie in Albuquerque ihr Start-up namens Microsoft gründeten. Bei Briel Computers kann man nun den so genannten "AltairPC" vorbestellen – ein PC-Gehäuse, das aus einem modernen Desktop-Rechner einen MITS Altair 8800 macht – zumindest optisch. Der Sammler Rich Cini stellt ebenfalls an den Altair angelehnte PC-Hüllen her. Sein Design sieht allerdings nicht nur optisch wie das Original aus – es lässt sich auch an den PC anbinden. So lassen sich die Schalter und Leuchten mit Hilfe der kostenlosen "Altair32"-Emulationssoftware verwenden. Ein richtiger Altair-Nachbau kommt demnächst: Grant Stockly bastelt an einem Kit in voller Größe. Ganz billig wird das allerdings nicht: Bis zu 1700 Dollar wird man dafür hinblättern müssen.

Wer es noch ein bisschen exotischer mag, kann sich für 235 Dollar einen vollelektronischen Nachbau der Verschlüsselungsmaschine Enigma kaufen – für 10 Dollar gibts auch eine Papierversion. Beide Varianten können Codes erstellen und entschlüsseln – und zwar mit historischer Genauigkeit. Interessant könnte auch das einstmalige Hightech-Spielzeug Digi-Comp I aus den Sechzigerjahren sein, das inzwischen wieder aufgelegt wurde – für schlappe 55 Dollar. Es erklärt Kindern, wie ein Computer im Innersten funktioniert.

Der norwegische Sammler Torre Bekkedal hält den aktuellen Replika-Boom für eine gute Sache für sein Hobby: "Diese Maschinen bilden nicht nur eine faszinierende Technologie nach, sondern inspirieren die Leute auch, selbst kreativ zu werden." Gleichzeitig bewahre man so die Software der alten Rechner und das Wissen, wie mit ihr umzugehen sei.

Übersetzung: Ben Schwan. (wst)