Breitband-Glotze

Der alte Traum von der Konvergenz von TV, Computer und Internet wird langsam wahr: Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas, aber auch auf Apples MacWorld zeigte die IT-Branche ihre neuen Vernetzungsgeräte für das Digital Entertainment.

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Von
  • Wade Roush

Bis in die frühen Neunzigerjahre hinein gab es bei Otto-Normal-Nutzern kaum eine schnellere Methode des Datentransports als den Austausch von Magnetbändern oder Disketten per pedes - Informatiker in den USA nannten das dann gerne "Sneakernet", zu Deutsch: "Turnschuhnetz".

Jenes Turnschuhnetz beherrscht noch immer die meisten Haushalte, wenn es um die Multimedia-Vernetzung geht: Viele Menschen tragen beispielsweise DVDs oder Videobänder von Raum zu Raum. Etwas fortschrittlicher geht's, wenn man sich beispielsweise einen Film oder eine TV-Show im Heimbüro auf den Laptop herunter lädt und das Gerät dann zum Fernseher schleppt, um die Internet-Sendung dort dann per Kabel abzuspielen.

Die Hersteller von Unterhaltungselektronik und Netzwerkzubehör wollen derartige Low-Tech-Zustände nun endgültig beenden. Auf der Branchenmesse CES in Las Vegas, die vor kurzem zu Ende ging, gab es eine ganze Reihe von Gadgets zu sehen, die Rechner und Fernseher vernetzen. Die Vision: Mit einer Fernbedienung für das "Entertainment Center" im Wohnzimmer gibt's Zugriff auf Video, Musik und Fotos auf dem Rechner mit Breitband-Zugang. Vernetzt wird das alles per Ethernet-Kabel oder WLAN, neuerdings aber auch per Stromleitung (Powerline Networking) oder Ultra-Wideband-Funk (UWB).

Die Gerätekategorie, die man dazu verwendet, nennt sich "Mediaadapter" - und sie hat bislang nur wenig Aufmerksamkeit bei der Kundschaft in den Elektronikmärkten generiert. Auf der CES war das diesmal anders: Ein großer Ausstellungsbereich war dafür reserviert - gleich neben den neuesten Audioanlagen, HD-Fernsehern und Multimedia-Computern.

Der WLAN- und Router-Spezialist Netgear bewarb dort beispielsweise den "Digital Entertainer". Das in den USA für 280 Dollar angebotene Gerät sieht aus wie eine platt gewalzte Set-Top-Box. Es sitzt neben dem Fernseher und der Stereoanlage und kommuniziert per Kabel oder WLAN (802.11g-Standard) mit dem Rechner.

Das Gerät stellt ein einfaches grafisches Interface auf dem Fernseher bereit - gesteuert per Fernbedienung. Darüber lassen sich dann Filme, Videos, Fotos und Musik (letzteres nur ohne Kopierschutz) abrufen, die entweder auf dem PC oder einer Netzwerkfestplatte liegen. Der Rechner komprimiert das Material und sendet es dann als Streaming-Daten an den Digital Entertainer - genutzt wird dabei die maximale Netzwerkkapazität. Das bedeutet rund 100 Megabit pro Sekunde per Ethernet und 54 Megabit pro Sekunde per WLAN. Beides reicht laut Hersteller aus, um HD-Videos zu übertragen, falls man überhaupt schon welche besitzt.

Netgears Wettbewerber verkaufen ähnliche Kisten in vergleichbaren Preisregionen: D-Link will in den USA beispielsweise 200 Dollar für seine "Media Lounge DSM 320" sehen, während Buffalo Technology sein als "HD Media Player" bezeichnetes "LinkTheatre"-Gerät für Preise zwischen 283 und 490 Dollar anbietet. Wer noch keine WLAN-Vernetzung im Haus hat oder kein Ethernet verlegen möchte, kann außerdem auch neuere Technologien verwenden: Besonders interessant sind hier wie erwähnt UWB und Powerline.

So landen inzwischen UWB-Chipsätze vom US-Anbieter Tzero in ersten Geräten von Audiovox, Siemens, ViewSonic und weiteren Unterhaltungselektronikproduzenten. UWB-Geräte senden ihre Daten über einen großen Frequenzbereich anstatt über einzelne Kanäle, wie dies bei WLAN und anderen Funkstandards der Fall ist. Dadurch wird das Signal weniger störanfällig. Das dadurch mögliche verbesserte Modulationsverfahren erreiht Datenraten von bis zu 480 Megabit pro Sekunde - zumindest auf kurzen Distanzen bis 10 Metern.

Auf der CES zeigten Tzero und Audiovox einen UWB-basierten Mediaadapter, der PCs, Set-Top-Boxen, HD-DVD-Player und digitale Videorekorder mit HD-Fernsehern zusammenbringen soll. Kabelsalat soll damit der Vergangenheit angehören.

Neben UWB wird auch die Vernetzung per Stromkabel immer interessanter: Die entsprechenden Adapter passen direkt in die Steckdose. Während die Powerline-Technik auf große Distanzen nie richtig funktionierte, ist sie für die Heimvernetzung gut geeignet - Interferenzen und Bandbreitenprobleme gelten als ausgestanden. Auf der CES zeigte Arkados zusammen mit GigaFast und anderen Herstellern Chips und Software, mit denen sich PCs leicht per Powerline an einen Fernseher anbinden lassen. Die erreichten Datenraten liegen bei bis zu 100 Megabit pro Sekunde - für HD ausreichend.

Nicht auf der CES vertreten war Apple mit seinem Mediaadapter "AppleTV". Den stellte Steve Jobs zeitgleich zur Messe in Las Vegas auf der hauseigenen Macworld in San Francisco vor. Die Box wird im Februar verfügbar sein und kann Musik, Video und Filme von der populären Jukebox-Software iTunes auf den Fernseher holen - auch Kaufinhalte aus dem Apple-Onlineladen iTunes Store. Der Computerhersteller will versuchen, seine populäre "iPod+iTunes"-Produktlinie auch auf den Fernseher auszudehnen - was die Konkurrenten in Las Vegas durchaus aufhorchen ließ.

Und trotz all der neuartigen Vernetzung - das "Turnschuhnetz" ist noch nicht tot. Wer eine DVD mit 4,7 Gigabyte an Daten einen zehn Meter langen Flur hinunter trägt und dabei eine Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde hinlegt, erreicht immerhin einen Durchsatz von 3700 Megabit pro Sekunde. Und diesen Speed bekommt auch das schnellste Heimnetz noch nicht hin.

Ăśbersetzung: Ben Schwan. (nbo)