Ultraportable PCs: Das Kreuz mit den Kleinen
Unternehmen wie OQO, Samsung und Sony hoffen auf große Umsätze mit neuartigen Minirechnern. Bis dahin müssen allerdings noch einige Probleme gelöst werden.
- Wade Roush
Seit dieser Woche ist das neue Microsoft-Betriebssystem Windows Vista verfügbar. Wer sich dafür interessiert und nicht den allerneuesten Rechner besitzt, wird sich wohl oder übel einen frischen PC kaufen müssen: Die Hardware-Anforderungen gelten als nicht gerade gering. Das könnte dann ein ganz normaler Laptop oder ein Desktop sein, zu Preisen um die 1000 Euro. Wer es jedoch etwas trendiger mag, kann neuerdings auch zu so genannten ultraportablen PCs greifen: Minirechner in der Gewichtsklasse um 500 Gramm, deren Display kaum größer ist als eine Scheibe Toast, beherrschen inzwischen ebenfalls das "große" Windows.
Dass sich diese Computer-Kategorie demnächst durchsetzen wird, davon sind zumindest die Hersteller überzeugt. So glaubt man etwa beim Spezialanbieter OQO in San Francisco, dass 2007 zum Jahr der Minirechner werden könnte. Das Unternehmen sieht die ultraportablen Maschinen als praktische Alternative zu "Schlepptops" und großen Schreibtisch-Rechnern.
Das neueste Modell der Firma namens OQO 02 wurde auf der CES-Messe in Las Vegas im Januar vorgestellt. Es ist nur 14 Zentimeter breit, 8 Zentimeter hoch und ganze drei Zentimeter dick – klein genug, um den Rechner in eine Jackentasche zu stopfen. Trotzdem ist der OQO 02 laut Hersteller ein vollwertiger Vista-Rechner – inklusive 1,5 Gigahertz-Prozessor, einem Touchscreen mit 800 × 480 Pixeln Auflösung, einer ausfahrbaren Tastatur und drahtlosem Internet in mehreren Geschmacksrichtungen.
"Als Berufstätiger, der viel unterwegs ist, muss man ständig mit dem Internet in Verbindung stehen und Zugriff auf die Anwendungen haben, die man tagtäglich braucht. Der eigene Rechner sollte deshalb klein und leicht genug sein, um ihn ständig bei sich zu tragen, wenn man nicht im Büro ist", meint Bob Rosin, Marketing-Vizepräsident von OQO. Seiner Meinung nach erreichen dies herkömmliche Laptops nicht: "Wenn der Rechner 2,5 Kilo wiegt und man dafür eine eigene Tasche braucht, ist das doch etwas ganz anderes als ein Gerät, das man sich einfach in die Jacke schiebt."
Der erste OQO-Rechner, Modellnummer 01, hielt zwei Jahre lang den Titel "kleinster Windows-Rechner der Welt". Der Kundenkreis war recht speziell: Personen etwa, die unterwegs und beim Kunden Daten erfassen mussten. Als "normaler" PC wurde der OQO 01 hingegen kaum verkauft – zudem bekam er in der Presse nur durchschnittliche Bewertungen aufgrund einiger Probleme. Deshalb wurde die neue Maschine 02 nun aufgerüstet und bietet einen helleren Bildschirm, eine bessere Tastatur, stärkere Batterien und eine Docking-Station mit optischem Laufwerk.
Doch selbst mit derlei Verbesserungen lässt sich noch keineswegs sagen, ob die Hauptzielgruppe der "Mobile Professionals" künftig stärker zugreifen wird. In dieser Sparte ist nicht nur OQO unterwegs. Auch andere Hersteller wie Samsung und Sony sind aktiv – mit Rechnern, die ebenfalls volle Windows-Unterstützung bieten, aber eben auch auf dem Sofa, im Konferenzraum oder im Flugzeug schnell hervorgeholt werden können. Besonders in Japan kommen solche Geräte bereits gut an: Dort scheint die Kundschaft bereit zu sein, für die kleinen Power-Pakete mehr zu bezahlen. In Amerika sah es bislang eher schlecht aus: Kritikpunkte umfassten unter anderem die Performance, die schlechte oder nicht vorhandene Tastatur und die hohen Preise,
"Die Urversion des OQO hatte ziemlich viele Probleme", meint etwa Branchenanalyst Rob Enderle von der Enderle Group, "die Maschine war zwar unglaublich klein, aber auch extrem langsam. Das neue Modell ist hingegen besser nutzbar. Vista lief auf meinem Testgerät ziemlich schnell und fühlte sich gut an."
Die Behebung der Performance-Probleme war eines von drei Hauptzielen bei dem neuen Modell, erklärt OQO-Mann Rosin: "Die Maschine sollte sich wie ein richtiger Notebook-Rechner anfühlen und eine echte Vista-Maschine sein. Beim Ausführen von Programmen durfte es keine Verzögerungen geben." Ergebnis: Der OQO 02 soll nun Standard-Windows-Programme wie Firefox oder Photoshop problemlos laufen lassen. Schließt man die Maschine an die Docking-Station an, kann man externe Bildschirme mit einer Auflösung von bis zu 1920 × 1200 Pixeln ansprechen.
Viel Kritik bekam OQO auch für die mittelprächtige Internet-Anbindung. Das erste Modell besaß nur WLAN und Bluetooth, ein Handy zum drahtlosen Internet-Zugang außerhalb von Hotspots musste man extra kaufen. Der OQO 02 besitzt nun schnelleres WLAN (802.11g) und kann außerdem das Mobilnetz des US-Carriers Sprint nutzen, dessen "EV-DO"-Standard zwischen 400 und 700 Kilobit pro Sekunde übertragen kann (in Europa ist die Technik allerdings nicht zu gebrauchen).
Den letzten Hauptkritikpunkt, das mittelprächtige Display und die schlechte Tastatur, will OQO ebenfalls in den Griff bekommen haben. So erweist sich das 5-Zoll-Display als bis zu 6-mal heller, bietet eine Zoomfunktion und kann auf Fingerzeig scrollen, ein mechanisches Scrollrad ist nicht mehr notwendig. Die 58 Tasten der neuen Tastatur ragen außerdem weiter heraus – so spürt man als "Daumentipper" einen besseren Druckpunkt. Die Tastatur lässt sich außerdem im Dunkeln beleuchten. Enderle hält das Keyboard des OQO 02 denn auch "für deutlich nutzbarer". Zwar sei das Gerät dadurch leicht größer und schwerer als der Vorgänger geworden, aber immer noch wesentlich kleiner als ein Laptop.
Während OQO nun glaubt, ein tatsächlich interessantes Gerät für "Mobile Professionals" geschaffen zu haben, schläft man bei der Konkurrenz nicht. Sei es Sonys Vaio UX Micro PC, Nokias "Internet-Tablet" N800 oder der Motion Computing LS800 – alle wollen in den Markt. Gleichzeitig existiert inzwischen eine ganze Minirechner-Produktkategorie namens "Ultra Mobile PC", kurz UMPC. Dort tummeln sich unter anderem Samsung, Medion, Asus und weitere Hersteller, die Maschinen von der Größe eines Taschenbuchs bauen, deren Grundbauplan aus dem Microsoft-Projekt "Origami" stammt. Auch diese UMPCs arbeiten mit WLAN und Bluetooth. Sie sind allerdings nur über einen Touchscreen zu steuern – bislang existiert nur ein einziger UMPC, der auch eine ausfahrbare Tastatur besitzt. Fürs Berufliche wird die Gattung allerdings noch kaum vermarktet – eher als Laptop-Alternative fürs Web, für Videos, Fotos oder Musik.
Die ersten UMPCs wurden mit Microsofts Windows Tablet PC-Betriebssystem ausgeliefert. Zur CES stellte die Firma nun aber "Origami Experience" vor, ein neues Nutzerinterface auf Basis von Vista. Statt der traditionellen Desktop-Oberfläche erhält man hier ein einzelnes Menü, das sowohl horizontal als auch vertikal scrollbar ist. So soll es schnell möglich sein, seine Medienbestände ohne Stift und Tastatur zu navigieren. Den ersten Testern gefiel diese Technik – sogar die Worte "sexy" und "intuitiv" waren zu hören, was im Windows-Umfeld als Seltenheit gilt. Microsoft scheint es mit diesen neuen Rechnern auf eine ähnliche Zielgruppe wie Apples iPod abzusehen.
Bei OQO hat man vor den UMPCs aber keine Angst: "Wir halten den OQO 02 für ein Produktivitätswerkzeug. Geschäftsleute werden vielleicht einige persönliche Dinge darauf ablegen, aber der Hauptfokus liegt auf Profinutzern, nicht Teenagern, die das Web mit einem Tablet-artigen Rechner auf dem Sofa durchwandern wollen."
Wenig Sorgen macht sich OQO laut eigenen Angaben auch um Apples kommendes "iPhone", das neben der Musik- und Videoabspieler-Funktionalität des iPod auch viele Features hat, die von einem vollständigen PC abstammen. Die dabei verwendete Touchscreen-Steuerung galt ersten Testern gar als "revolutionär". Rosin sieht das Apple-Gerät, das im Sommer erscheint, aber insgesamt positiv für sein Unternehmen: "Das iPhone ist wahrscheinlich das Beste, was uns je passiert ist. Alle denken nun, dass sie mehr als nur Sprachdienste auf einem Handy brauchen. Das Interesse an der ganzen Kategorie steigt somit. Und wir glauben, dass das eine gute Sache für uns ist."
Dennoch bleiben Probleme. Die OQO-Geräte haben Schwächen, die sie mit anderen ultramobilen Rechnern teilen. Eine davon ist die Batterielaufzeit. Die nimmt zwar inzwischen zu – beim OQO 02 auf vier Stunden, beim Samsung Q1 sinds immerhin drei. Für den geschäftlichen Betrieb reicht das aber nicht: Wer etwa auf einem Flug über den großen Teich arbeiten möchte, hat Pech gehabt. "Damit diese Kategorie ein Erfolg wird, müssten die Maschinen mindestens acht Stunden durchhalten", glaubt beispielsweise Tim Bajarin, bekannter IT-Analyst bei Creative Strategies.
Nervig bleiben auch die kleinen Tastaturen. Diese werden zwar besser, sind aber noch immer für einige Nutzer völlig unpraktisch – besonders ältere Menschen kommen damit kaum zurecht. "Mein 28-jähriger Sohn kann mit dem OQO 02 problemlos umgehen. Bei älteren Herren wie mir selbst sieht das schon ganz anders aus – wir sehen schlechter und haben dicke Finger", so der Experte grinsend.
Hauptproblem der Minirechner dürfte aber ein ganz anderes sein: Ihnen fehlt die "Killerapplikation". "Solange die Maschinen als Allzweckgeräte vermarktet werden, wird sich niemand bemühen, die Anwendung zu schreiben, die die Kategorie definiert", meint Bajarin. Mit Geräten dieser Größe könne man nicht zu den Leuten gehen und ihnen erklären, sie könnten alles. "Das ist eine Plattform für ganz spezielle Lösungen."
Enderle ist da schon optimistischer. Dank schnellerem Prozessor und voller Windows-Kompatibilität könnten Maschinen wie der OQO 02 Menschen ansprechen, denen ein Smartphone nicht genug und ein Laptop zu viel könne. "Das ist zwar noch immer eine Nischenzielgruppe – aber die könnte groß genug sein."
Ăśbersetzung: Ben Schwan. (wst)