Metal Gear Solid 5: Konamis Taktik-Schleicher wird zum Geduldsspiel

"MGS5: The Phantom Pain" ist das letzte Puzzle-Stück der langen Schleichspielserie, in der Entwickler Hideo Kojima mit seiner bislang linearen Erzählweise bricht.

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Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain
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Inhaltsverzeichnis

17 Jahre nach dem ersten Metal Gear Solid (das damals zunächst nur für die erste Playstation erschien) bringt Hideo Kojima seine Schleichspielserie mit Metal Gear Solid V für Windows, PS3/4 und Xbox 360/One zu einem (vorläufigen) Ende. Da sich Kojima von Konami getrennt hat, die Markenrechte aber beim japanischen Publisher verbleiben, wird es nach dem aktuellen Stand kein weiteres Metal Gear Solid mehr von ihm geben.

Bislang wurde die Serie von einem linearen Wechsel von Schleichmissionen und Videosequenzen geprägt, der vor sieben Jahren in "Metal Gear Solid IV" in 90-minütigen Zwischensequenzen kulminierte.

Metal Gear Solid 5 bricht mit diesem Aufbau und bleibt mit seinen Erzählpausen auch deutlich unter Spielfilmlänge: Der Spieler ist hier in großen Arealen in Afghanistan und Afrika unterwegs und kann in diesen frei entscheiden, wie er feindliche Militärstützpunkte infiltriert.

Zudem belohnt Kojima den Spieler, wenn er Feinde nicht umbringt, sondern gefangennimmt. Er kann betäubte Wachen und erbeutetes Militärgerät an Ballons zu seinem eigenen Stützpunkt schweben lassen, und dort zu dessen Befestigung einsetzen. Metal Gear Solid 5 bringt nämlich eine Online-Komponente mit, in der Spieler ihre Bastionen gegenseitig angreifen. Wer im Solospiel mehr Gefangene macht, hat online mehr Truppen zur Verteidigung. Der Online-Modus wird allerdings erst später scharf geschaltet: Am 6. Oktober für Konsolen und erst im Januar auf Windows.

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain (12 Bilder)

Die Hauptfigur Snake hat einen kĂĽnstlichen Arm, der offenbar einen Phantomschmerz verursacht.

(Bild: Konami)

Die Finesse der Schleichmissionen konnte man bereits in dem Teaser-Spiel "Ground Zeroes" ausprobieren. Einige Kritiker, die das Spiel bereits bei Konami einige Tage ausprobieren konnten, loben denn auch die große spielerische und taktische Freiheit, die der fünfte Teil "The Phantom Pain" gewährt.

Im Unterschied zu vielen US-amerikanischen Produktionen, die Kriegsgebiete oft als spannende Abenteuerspielplätze darstellen, soll die Mitte der 80er Jahre spielende Handlung Spielern die drastischen Auswirkungen der damaligen Kriege vor Augen führen. Kojima thematisiert Kindersoldaten, Experimente mit chemischen Waffen an der ahnungslosen Bevölkerung, Zwangssterilisationen, die damals akute atomare Bedrohung und die enge Verknüpfung von Rüstungs-Industrie und Militär.

Doch Kojima nimmt sich die kĂĽnstlerische Freiheit, aktuelle Konflikte in nahezu bizarre Geschichten einzuflechten. So grassiert in dem Spiel ein Parasit, der seine Opfer zu Marionetten macht und durch den Klang ihrer Muttersprache aktiviert wird.

Zu den Infizierten gehört auch die stumme Scharfschützin Quiet, die dem Spieler in Missionen zur Seite steht. Kojima setzt sie mit viel nackter Haut besonders aufreizend in Szene und begründet dies in der Geschichte damit, dass Quiet ihrem Parasiten nur standhalten könne, wenn sie über ihre nackte Haut besonders viel Luft und Feuchtigkeit aufnimmt – da ist der feministische Aufschrei bereits vorprogrammiert.

Bei den vorab von verschiedenen Online-Magazinen veröffentlichten Reviews handelt es sich um wenig detaillierte Besprechungen, da Konami die Berichterstattung aus Angst vor Spoilern mit sehr strengen Auflagen verknüpft hatte. Journalisten bekamen keine Muster, sondern durften nur bei Konami vor Ort spielen.

Der allgemeine Tenor dieser von Konami ausgesuchten Tester war ausgesprochen positiv. Da Metal Gear Solid V ein ĂĽberaus umfangreiches Spiel mit weit ĂĽber 40 Stunden Spielzeit ist, wird man wohl erst zum Wochende erfahren, inwieweit diese Vorschussloorbeeren gerechtfertigt sind.

Bis dahin dürften dann auch PC-Spieler mit langsamer Internet-Verbindung die 28 GByte Programdaten über Steam geladen haben. Selbst die im Handel verkaufte Disc-Version enthält lediglich einen kleinen Steam-Downloader. DIe Konsolen-Discs bringen hingegen bereits die Spieldateien der ersten Release-Version mit. (hag)