Der Wert der Daten

Seine Daten werden, so gut es eben geht, gesammelt und Werbetreibenden verkauft. Neue Dienste treiben dieses Prinzip ins Extrem – und teilen den Erlös erstmals wirklich mit den Surfern.

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Von
  • Steffan Heuer
Inhaltsverzeichnis

In der Zeit des aus allen Rohren unablässig qualmenden Info-Smogs, so die These der Attention-Ökonomen, ist die Aufmerksamkeit des Einzelnen die knappste Ressource. Welcher Person, welcher E-Mail, welchem Produkt oder welcher Webseite ich meine Blicke und Gedanken schenke, besitzt erhebliche Aussagekraft und kommerziellen Wert. Bislang lassen hunderte Millionen von Webnutzern Geld auf dem Tisch liegen, das ihnen eigentlich zusteht. Denn Informationen über ihr Leben im Netz sind den Teilnehmern der Online-Wirtschaft einiges wert.

Bestes Beispiel ist die simple Websuche: Mit jedem Begriff, den man in Google, Yahoo oder Microsofts Suchmaschinen eintippt, baut man eine „Datenbank der Intentionen“ auf, wie es der Technikjournalist John Battelle in seinem Buch „The Search“ formulierte: Absichten und Wünsche, aus denen Aktivitäten, Vorlieben und sogar Krankheitsbilder rekonstruiert werden können. Indem Suchmaschinen diese Daten samt der geografisch bestimmbaren IP-Adressen erfassen und immer genauer analysieren, können sie Anzeigenkunden präzisere Platzierungen anbieten, die zu mehr Klicks und Transaktionen führen. Der viel beschriebene „Long Tail“ – jene scheinbar endlos lange Schleppe immer kleinerer Interessengruppen im Web – kann heute Nische für Nische effizient gemessen und beworben werden. Google erwirtschaftet nach Schätzungen mit jeder Suche 4,5 bis 5 US-Cents, Yahoo 2,5 bis 3 US-Cent. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben für kontextbezogene Suchmaschinen-Werbung im Jahr 2006 allein in den USA auf rund 6,7 Milliarden Dollar – etwas weniger als die Hälfte aller Werbeausgaben im Netz.

Für den ständigen Blick ins Hirn der Surfer wird Otto Normalsurfer mit vermeintlichen Gratis-Dienstleistungen abgespeist: Du gibst mir kontinuierlichen Einblick in dein Verhalten und deinen Clickstream, lautet hier der Deal, im Gegenzug geben wir dir Web-Mail, Speicherplatz für Dokumente, Fotos, Videos oder Musik. „Das ist Beschiss. Gegenwärtig leben wir in dieser Mischwelt aus einigen wenigen Provisionen und schlicht und ergreifend Diebstahl meiner Verhaltensdaten“, ereifert sich der prominente Tech-Blogger Steve Gillmor aus San Francisco. „Selbst wenn bei den Googles dieser Welt kein Missbrauch stattfindet: Die Daten werden in große Serverfarmen abgezogen, und wir alle gucken in die Röhre.“