Seevögel kontra Windkraft

Wie gefährlich sind Offshore-Windräder für die Tierwelt? Forscher haben mit Hilfe von Infrarotkameras ermittelt, dass sich unsere gefiederten Freunde bei Windkraftanlagen offenbar schlauer verhalten, als bislang angenommen.

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Von
  • Peter Fairley
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Die Debatte über die Frage, welche Auswirkungen die zunehmende Anzahl von Windkraftanlagen in der Landschaft auf wildlebende Tiere hat, wird seit Längerem kontrovers geführt. Das Bild von Vögelschwärmen, die mit den Turbinenblättern kollidieren und verenden, ist kein schönes – und es kratzt am Öko-Image der Technik. Manches Großprojekt wird durch diese Ängste aufgehalten. So wurde der erste wirklich große Offshore-Windpark der Vereinigten Staaten am Nantucket Sound in Massachusetts, das "Cape Wind"-Projekt, auch deshalb immer wieder verzögert, weil Umweltschützer fürchteten, dass die 130 geplanten Mühlen Tausende von Seevögeln pro Jahr das Leben kosten könnten.

Wissenschaftler am Nationalen Umweltforschungsinstitut im dänischen Roskilde wollen nun den Beweis antreten, dass im Meer betriebene Windkraftanlagen keine Vogelkiller sind. Dazu haben sie ein neuartiges Kollisionserkennungssystem entwickelt. Das so genannte "Thermal Animal Detection System", kurz TADS, arbeitet mit einer wärmeempfindlichen Infrarotkamera, die das Umfeld der Rotoren 24 Stunden am Tag überwacht. Nähert sich ein Lebewesen, wird sie aktiviert – eventuelle Kollisionen werden mitgeschnitten.

Die ersten Ergebnisse der insgesamt 15 Millionen Dollar teuren Studie klingen erstaunlich gut: Es zeigte sich, dass Seevögel durchaus schlau genug sind, die Offshore-Anlagen vor Dänemark zu umfliegen. "Es hieß immer, dass enorme Mengen an Vögel durch die Windkraft sterben müssten", meint Robert Furness von der University of Glasgow, der als Seevögel-Spezialist im wissenschaftlichen Beirat des TADS-Projektes saß. Es habe sich nun aber erwiesen, dass die Offshore-Anlagen "keineswegs ein großes ökologisches Problem" darstellten.

In den USA verfolgt man die dänische Studie mit großer Aufmerksamkeit. Das Worst-Case-Szenario, das die Gegner des "Cape Wind"-Projektes bislang immer vorgetragen hätten, stimme wohl nicht. Taber Allison von der Umweltschutzgruppe Mass Audubon, die die Gefahren des Windparks betont und bislang wenig von den Ungefährlichkeitsbeteuerungen der "Cape Wind"-Projektentwickler hielt, macht die dänische Studie "zurückhaltend optimistisch".