"Ein ganz normaler Girl-und-Boy-Talk"

Franklin Story Musgrave, Dichter und mittlerweile 70-jähriger Weltraumveteran der NASA im TR-Interview über Kommunikation im Weltall.

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Von
  • Manfred Buchner

„Houston, wir haben ein Problem“, lautet der wohl berühmteste Spruch in der Raumfahrt. Mit diesen Worten meldete sich Astronaut John Swigert am 13. März 1970 kurz nach 13 Uhr im NASA-Kontrollzentrum im texanischen Houston, nachdem auf dem Flug zum Mond bei Apollo 13 ein Sauerstofftank explodiert war. Die missglückte Mondfahrt ging glimpflich aus, die drei Raumfahrer kehrten bekanntlich unversehrt zur Erde zurück. Möglich machte es die Improvisationskunst der Astronauten und die intensive Zusammenarbeit mit der Bodenstation.

Wie Kommunikation im Weltraum funktioniert, erklärt Franklin Story Musgrave. Musgrave war Von 1967 bis 1997 Mitglied im Astronautenteam der NASA und flog zuletzt 1996 ins All – mit 61 Jahren. Bei seinem fünften Flug im Dezember 1993 reparierte er mit einem Kollegen das Hubble-Weltraumteleskop. Dazu war er mehr als 20 Stunden außerhalb des Raumschiffs. Neben seiner Austronautentätigkeit hat Musgrave über 300 Gedichte verfasst. Manfred Buchner hat den 70-jährigen Weltraumveteranen auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin getroffen.

TR: Mr. Musgrave, wo waren Sie, als das Drama um Apollo 13 passierte?

Franklin Story Musgrave: Ich war damals bereits zwei Jahre Wissenschaftsastronaut bei der NASA. Während des Apollo-13-Flugs absolvierte ich ein Astronautentraining. Ansonsten habe ich 21 Weltraummissionen als Communicator im Bodenkontrollzentrum Houston begleitet. Bei der NASA heißt der Job Capcom, das ist die Abkürzung von Capsule Communicator.

TR: Was ist die Aufgabe eines Capcom? Wie bekommt man den Job?

Musgrave: Der Capcom hält als Verbindungssprecher Kontakt zu den Astronauten im All. Er oder sie ist Mitglied der Support-Crew und sitzt direkt neben dem Flugdirektor im Mission Control Center im Johnson Space Center in Houston. Diesen Job übernehmen in der Regel Astronauten des Reserveteams der jeweiligen Mission oder Teilnehmer früherer Starts.

TR: Über was wird dabei gesprochen?

Musgrave: Es geht vor allem um den Flugbetrieb, die Messdaten und die wissenschaftlichen Experimente, die im All vorgenommen werden. Der Capcom gibt die Anweisungen des Flugdirektors und der Bodenkontrolle weiter, er vermittelt die Gespräche zwischen der Crew und den Fachleuten am Boden. Aber auch die persönliche Betreuung gehört zur Kommunikation. Etwa die täglichen Wake-Up-Calls.

TR: Ist die Besatzung ständig mit dem Bodenkontrollzentrum in Kontakt?

Musgrave: Ja. An Bord wird rund um die Uhr in Schichten gearbeitet. Eine Unterbrechung der Kommunikationsverbindung gibt es nur nach dem Start und beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, dann tritt eine rund dreiminütiger Funkstille ein. Dieser Blackout im Funkverkehr wird durch Reibungswärme verursacht. Das Raumschiff zieht einen Strahl aus heißer, ionisierter Luft hinter sich her, der die Radiowellen stört und unterbricht.

TR: Wie ist die Kommunikation technisch organisiert?

Musgrave: Sprechfunk und Datenverkehr laufen über Funksatelliten, ähnlich wie beim Mobilfunk, nur auf anderen Wellenlängen. Auch werden die Gespräche verschlüsselt. Auf der Umlaufbahn gibt es eine hunderprozentige Abdeckung, es gibt keine Funklöcher.

TR: Wie muss man sich die Kommunikation zwischen den Besatzungsmitgliedern im Raumschiff vorstellen?

Musgrave : Ganz normal, man spricht meist ohne Mikrofon. Der Luftdruck in der Kabine ist dem der Erde angeglichen. Allerdings ist die Luft dünner, deshalb ist das Sprechen anstrengender als am Boden. In der Folge wird wahrscheinlich weniger gesprochen. Auch stört das ständige Rauschen der Klimaanlage.

TR: Und über was unterhalten sich die Teammitglieder?

Musgrave: Natürlich über die gemeinsame Arbeit, aber auch über private Dinge, etwa über Sport, die Familie et ceterea. Es ist ein ganz normaler Girl-und-Boy-Talk! (wst)