Fernsehen ĂĽber Faser
Optische Polymerkabel sollen die Zukunft der Vernetzung sein. Sie punkten mit hohem Datendurchsatz, sind unempfindlich gegen Störungen und lassen sich leicht verlegen.
- Karsten Schäfer
Die Heimvernetzung der nächsten Generation kommt unspektakulär daher – und etwas umständlich: Anstatt eines einzigen langen Kabels liegen in dem Karton zwei sogenannte Medienkonverter, dazu zwei gewöhnliche Stromkabel mit Steckertrafo, zwei Netzwerkkabel und schließlich das eigentliche Verbindungsmedium: 15 Meter lang und aus Plastik. Das ganze Paket heißt "Speedport OptoLAN Pack". Die Deutsche Telekom bietet es seit kurzem Kunden an, die damit ihre Settop- Box fürs Internet-Fernsehen an den DSL-Router anschließen wollen.
Wer die 170 Euro dafür anlegt, kann sich auf der Höhe der Zeit fühlen: Die sogenannten optischen Polymerfasern (polymer optical fibre, kurz POF) transportieren Daten als Lichtwellen. Sie werden zwar schon seit einigen Jahren in hochwertigen Stereoanlagen, Fabriken und Autos verwendet, die neue Einsatzart aber wird erst jetzt so richtig interessant: "Die Vernetzung von Privathäusern und Privatwohnungen, das ist die große Zukunft der optischen Polymerfasern", prophezeit Hans Poisel, Professor an der Fachhochschule Nürnberg und Leiter des POF Application Centers. Denn mit der zunehmenden Digitalisierung der Heim-Medien steigen auch die Anforderungen an die nötigen Verbindungen. Sie müssen schnell große Datenmengen transportieren und sich am besten unauffällig quer durchs ganze Haus legen lassen.
Für beides eignen sich POF hervorragend: Die Datenrate des OptoLAN-Packs liegt bei 100 Megabit pro Sekunde, im Labor haben Poisel und seine Kollegen schon 2,7 Gigabit geschafft. Ebenso sind POF deutlich dünner als die bislang gebräuchlichen Ethernet-Kabel aus Kupfer. Gegenüber den noch deutlich schnelleren, ebenfalls mit Lichtwellen arbeitenden Glasfasern haben sie zudem den Vorteil, dass sie billiger sind – und weder beim Verlegen ums Eck noch beim Drauftreten brechen.
Seinen Aufbau und das Prinzip hat das Polymerkabel aber mit der Glasfaser gemein. Es besteht aus einem Kern aus Poly-Methyl-Metharcrylat (PMMA) und einem zehn Mikrometer dünnen Mantel aus fluoriertem Polymer. Der Mantel hat einen etwas kleineren Brechungsindex als der Kern. Dadurch wird das Licht an der Schichtgrenze reflektiert und tritt erst an der Stirnseite wieder aus. Wegen der wesentlich höheren Dämpfung sind POF nur für relativ kurze Strecken geeignet – deshalb kommen in den Internet-Autobahnen wie auch im neuen VDSL-Netz der Telekom Glasfasern zum Einsatz.