Apples Erfolgsgeheimnis

Wie sich der Hersteller von Mac-Rechnern und iPod-Musikspielern ständig neu erfindet – und dabei trotzdem seine Wurzeln bewahrt.

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Von
  • Simson Garfinkel
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Die vergangenen fünf Monate waren eine aufregende Zeit für Apple. Das Unternehmen nahm das Wort "Computer" aus seinem Firmennamen, legte einen langjährigen Streit mit dem Beatles-Musikverlag Apple Corps um Markenrechte bei, brachte die Set-Top-Box "AppleTV" auf den Markt und kündigte schließlich an, mit dem "iPhone" in den Handy-Markt einsteigen zu wollen. Der traditionsreiche Computerhersteller versucht der Welt gleichzeitig klar zu machen, dass er kein IT-Konzern mehr ist, sondern eine Firma, die sich dem "digitalen Lifestyle" widmet. Ein Kern aus innovativen Technologien und Designansätzen soll dabei ständig neue Produkte gebären, die für den Endkunden wärmer, klarer gestaltet und leichter zu benutzen sind als all das, was man in Japan (Sony) und im amerikanischen Seattle (Microsoft) fabriziert.

Schaut man sich die Firma allerdings aus der Nähe an, erkennt man, dass Apple im Grunde genommen noch immer eine Computerfirma geblieben ist. Natürlich betreibt das Unternehmen mit dem iTunes Store inzwischen das größte Online-Musikangebot auf der Welt und betreibt 170 eigene Lifestyle-Läden, die inzwischen wesentlich mehr als nur Laptops verkaufen – beispielsweise den Musikspieler iPod. Aber eine enge Bindung an die Rechentechnik ist noch immer gegeben: Sie hält das Apfel-Reich sozusagen zusammen.

Auch im jüngsten Quartalsbericht an die US-Börsenaufsicht schreibt das Unternehmen dies mehr als deutlich. "Apple ist die einzige Firma in der PC-Industrie", heißt es dort offensichtlich stolz, "die das Design und die Entwicklung der gesamten Rechnerarchitektur kontrolliert – von der Hardware über das Betriebssystem bis hin zu den Anwendungen". Dies positioniere die Firma zusammen mit ihrem anerkannt innovativen Industriedesign, ihren einfach zu bedienenden Benutzeroberflächen sowie der integrierten Grafik-, Multimedia- und Netzwerk-Fähigkeiten ihrer Hardware ideal dazu, neue "Digital Lifestyle"-Gesamtlösungen anzubieten. Auch hier also: Alles fängt mit Computern an.

AppleTV, ein Produkt, das einen eher verwirrenden Namen trägt, ist ein gutes Beispiel: Es handelt sich dabei eigentlich um einen kleinen Computer auf einer einzigen Platine mit einer 40 Gigabyte großen Festplatte, auf der eine Software läuft, die eine Bedienschnittstelle bereitstellt, die auf Apples Multimediaoberfläche "Front Row" basiert, die die Firma bereits seit längerem mit ihren Desktop- und Laptop-Rechnern vertreibt. Mit anderen Worten handelt es sich also um einen leicht veränderten Mac-Computer, der andere Video-Anschlüsse besitzt. Selbst die Fernsteuerung ist die gleiche, die Apple bei MacBook (Pro) und iMac beilegt.

AppleTV wendet sich vor allem an Menschen, die einen modernen Flachbildschirm im Wohnzimmer besitzen. Ältere Fernseher unterstützt AppleTV erst gar nicht – besitzt das Gerät keinen HDMI-, DVI- oder Komponenten-Anschluss, geht nichts. Wie ein Rechner wird auch AppleTV ziemlich heiß – vermutlich, weil das Gerät so flach ist. (Apple hatte schon früher Probleme mit Rechnern gehabt, die recht warm wurden – vermutlich deshalb, weil Firmengründer Steve Jobs nichts von lauten Lüftern hält.)

Noch lässt sich nicht sagen, ob AppleTV wirklich ein Erfolg wird. Nichtsdestotrotz konnte sich der Computerhersteller in den letzten Jahren in der Industrie einer Art Wiedergeburt erfreuen – und zwar nicht nur wegen des guten Designs. In einer Welt voller Server und Maschinenräume, in denen einfache Bedienung und etwas Stil häufig irrelevant zu sein scheinen, konnte sich Apple als Hersteller etablieren, der verlässliche und dennoch kosteneffiziente Hardware baut. So wird auch Apples Xserve-Server-Linie inzwischen von großen Firmen und Universitäten in Supercomputing-Clustern eingesetzt. Das Unternehmen verkauft inzwischen auch ein eigenes Speichersystem namens Xserve RAID – es ist zum Teil so beliebt, dass es auch in Verbindung mit Servern genutzt wird, auf denen Windows oder Unix-Varianten laufen.