Telekom-Börsengang soll in Österreich Aktienfieber anfachen
Vier Jahre nach dem erfolgreichen Börsengang der Deutschen Telekom will es Österreich dem großen Nachbarn nachmachen und die Telekom Austria an die Börse bringen.
Vier Jahre nach dem erfolgreichen Börsengang der Deutschen Telekom will es Österreich dem großen Nachbarn nachmachen: Die großteils noch in Staatsbesitz befindliche Telekom Austria (TA) wird nach den Plänen der Wiener Regierung im Herbst als "Volksaktie" an die Börse gebracht. Bei den bisher als Aktienmuffel bekannten Österreichern soll damit endlich das Börsenfieber entfacht werden. Nur rund sieben Prozent der Österreicher besitzen Aktien oder Investmentfonds. Die Zahl der Besitzer von Dividendenpapieren soll durch den TA-Börsengang verdoppelt werden.
Die Eckdaten wie Zeitpunkt und genauer Umfang des auf jeden Fall größten Börsenganges der österreichischen Geschichte sind zwar noch nicht bekannt, umso eifriger wird aber schon die Werbetrommel gerührt. Die Österreicher werden aufgefordert, sich ein so genanntes "Telekom-Ticket" zu besorgen, das im Falle einer Überzeichnung eine bevorzugte Aktienzuteilung garantieren soll.
Der Telekom-Börsengang soll an die 40 Milliarden Schilling (rund 5,5 Milliarden Mark) in die Staatskassen spülen und damit den Schuldenabbau der Staatsholding ÖIAG beschleunigen. 25 bis 30 Prozent des Aktienkapitals sollen zu diesem Zweck den Anlegern angeboten werden. Die Republik Österreich hält zur Zeit 74,9 Prozent an der TA. Erst vor zwei Jahren waren 25,1 Prozent des Unternehmens an die Telecom Italia verkauft worden. Bis vor wenigen Jahren hatte die österreichische Telekom nicht gerade den besten Ruf genossen. Für den einfachen Österreicher, der keinen Beamten des staatlichen Monopolbetriebs persönlich kannte, war es ein großes Erfolgserlebnis, einen Telefonanschluss zu erhalten. Beschwerden über monatelange Wartezeiten waren aussichtslos.
Heute ist es wohl kein Privileg mehr, eine Telefonleitung von der TA zu bekommen. Der Kundendienst funktioniert offensichtlich und auch in der Mobiltelefonie ist die Telekom-Tochter Mobilkom Marktführer. Trotzdem ist der Börsengang der TA nicht unumstritten. Das laufende Jahr wird dem Unternehmen Verluste bringen, die auf den allgemeinen Preiskampf im Telekommunikationsbereich sowie auf Sozialpläne zum Abbau von Beschäftigten zurückgeführt werden. TA-Generaldirektor Heinz Sundt glaubt trotzdem an einen erfolgreichen Börsengang, da Telekom-Aktien noch viel Kurspotenzial hätten.
Sundt hatte die Leitung des Unternehmens erst im Frühjahr von Werner Kasztler übernommen, der aus Protest gegen den seiner Ansicht nach übereilten Börsengang gemeinsam mit dem gesamten Vorstand zurückgetreten war. Finanzminister Karl-Heinz Grasser von der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ) hatte unmittelbar nach der Bildung der rechtskonservativen Regierung im Februar eine 100-prozentige Privatisierung der Telekom angekündigt. Die Regierung will auch eine Reihe weiterer staatlicher Beteiligungen an der Börse zu Geld machen. Ein Erfolg des TA- Börsengangs ist dafür von größter Bedeutung. Auch der bisher lustlos dahindümpelnden Wiener Börse soll neues Leben eingehaucht werden. Mit der Bank Austria, die mit der HypoVereinsbank zusammen gehen will, soll ja bereits in wenigen Monaten der bisherige Branchenprimus vom Kurszettel verschwinden. (Giovanni Facchini, dpa) (jk)