Bewegung im Push-Mail-Markt

Ein neuer Dienst will seine Nutzer künftig mit kostenlosen E-Mail-Zugängen ausstatten, die auch mit einfachsten Endgeräten abrufbar sind.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Brittany Sauser

Freedom Mail (Blog) nennt sich ein neuer Push-Mail-Service, der ab Ende Mai zunächst in einem französischen Testmarkt starten soll. Der Konkurrent für Blackberry & Co. lässt sich laut Angaben des Betreibers auch auf einfachsten Endgeräten nutzen, Smartphones sind nicht notwendig.

Hinter dem Dienst steht SetNet, eine Silicon-Valley-Firma, die 1993 von Nick Fodor gegründet wurde. Bislang hatte sie ihre Dienste nur Serviceprovidern angeboten. Ein werbefinanziertes Angebot soll künftig auch Endkunden ansprechen. Nach dem Start in Frankreich soll der Dienst in einigen Monaten auch in den USA angeboten werden, um schließlich weltweit nutzbar zu sein: "Freedom Mail ist für all diejenigen gedacht, die täglich mit E-Mail umgehen, aber keinen Blackberry besitzen", meint Programmierer Fodor, der SetNet als CEO vorsteht.

Aktuell bedeutet ein E-Mail-Zugang über das Handy zumeist die Bindung an einen Serviceprovider, der monatliche Gebühren verlangt. Ebenfalls häufig Pflicht sind Smartphones mit eigenen E-Mail-Clients. Freedom Mail benötigt hingegen nur einen Browser, der auf den meisten neueren Handys enthalten ist.

Das Unternehmen verspricht sich auch deshalb Kunden, weil die großen Push-Mail-Dienstleister RIM (Blackberry) und Microsoft aktuell in Patentstreitigkeiten verwickelt sind. So meint der kleinere Push-Mail-Anbieter Visto, drahtlose E-Mail-Lösungen und die gesamte E-Mail-Synchronisation erfunden zu haben. Fodor selbst arbeitet bereits seit den frühen Neunzigerjahren an einem "Push"-E-Mail-Dienst. Eine Synchronisationssoftware für den Online-Dienst Compuserve schrieb er laut eigenen Angaben bereits 1993. SetNet hofft deshalb, rechtlichem Ärger aus dem Weg gehen zu können, weil die verwendete Technologien deutlich vor der Patentierung durch Visto im Jahre 1999 entstanden sind.

"Das zentrale Element des Visto-Patents ist ein intelligenter Caching-Mechanismus, den SetNet aber bereits seit 10 Jahren benutzt. Das Patent ist somit nicht gerechtfertigt, weil wir die Technik lange vor Visto nutzten", meitn Fodor. Ăśberhaupt ginge es bei der Klagewelle nur um die globale Dominierung des Pushmail-Marktes.

Freedom Mail sieht sich hier als Kundenretter und setzt auf eine Kombination bestehender E-Mail-Services mit dem Handy - so werden Yahoo Mail, Hotmail und Gmail unterstützt. Der Abonnent muss seinen Mobilfunkanbieter nicht verwenden, wenn er das nicht möchte - stattdessen schickt er nur seine E-Mail-Adresse an eine für jedes Land spezifische Nummer. Ist die Adresse einmal bestätigt, schickt Freedom Mail eine SMS mit einem Bookmark als Text. Dieser Bookmark ist eine URL, die sich wiederum im Handy-Browser aufrufen lässt. Jedes Mal, wenn ein Benutzer seine E-Mails lesen möchte, klickt er diesen an.

Werbung wird immer dann angehängt, wenn ein Nutzer E-Mails verschickt, nicht aber beim Lesen. Die Reklame soll auf den Nutzer passen, der dazu zuvor ein Profil ausfüllen muss. Außerdem sind Anzeigen nach Schlüsselworten möglich. Wer größere Anzeigen akzeptiert erhält zusätzlich Zugriff auf Premium-Funktionen.

"Freedom Mail mag eine gute Idee sein, aber der Dienst wird es schwer haben, sich durchzusetzen", meint Ken Dulaney, Mobile Computing-Experte beim IT-Marktforschungsunternehmen Gartner. Es fehle ein groĂźer Desktop-E-Mail-Name im Hintergrund: "Die Firma ist noch unbekannt." Zudem wĂĽrden die Mobilfunkprovider dem Anbieter wohl kaum helfen.

Ein weiterer Pushmail-Anbieter ist unterdessen ebenfalls dabei, einen kostenlosen Dienst aufzubauen: Emoze. Die israelische Firma gibt seinen Nutzern entweder eine spezielle PC-Software zur Handy-Anbindung oder bietet einen eigenen Zentralserver an. Dann muss man aber einen mobilen Client installieren und dem Unternehmen seine Outlook Web Access-Passwörter übergeben (sie werden allerdings nur im Handy gespeichert). Eine kostenpflichtige Firmenversion ist ebenfalls geplant.

Noch ist unklar, ob sich die neuen Anbieter durchsetzen können. Marktchancen sind laut Gartner-Mann Dulaney aber durchaus gegeben: "Der Drahtlos-Markt ist sehr aktiv und für die Netzbetreiber ergibt sich die Chance, mit dem Datenverkehr Geld zu verdienen." Bald würden alle Nutzer E-Mail vom Handy aus nutzen, wie sie dies heute mit Sprachdiensten täten. (bsc)