Hollywood in 3D
Gleich mehrere Anbieter kämpfen um die Zukunft der Dreidimensionalität in den zunehmend digitalisierten Kinosälen der Welt.
- Kate Greene
Obwohl sie schon sehr alt ist: Wirklich durchsetzen konnte sich die 3D-Technologie im Kino bislang nicht. Das könnte sich nun ändern. Mehrere US-Firmen arbeiten an Geräten für plastische Bilder, die sich in digitale Projektionssysteme integrieren lassen, die aktuell in immer mehr Lichtspielhäusern Einzug halten. Die Umstellung auf Digitaltechnik auf Festplattenbasis könnte die Dreidimensionalität aus Hollywood somit wiederbeleben.
Zu den führenden Herstellern gehört RealD aus Beverly Hills. Laut Forschungschef Matt Cowan funktioniert die moderne 3D-Technik nicht anders als das vor 100 Jahre erstmals angewandte Verfahren: Zwei Versionen eines Films aus leicht verschiedenen Blickwinkeln werden gleichzeitig projiziert – die eine für das rechte, die andere für das linke Auge.
Dazu setzte man zunächst auf so genannte Anaglyphenbilder: Die eine Filmvariante wurde Rot und die andere Blau (manchmal auch Grün) gefärbt. Rote und blaue Brillengläser filtern dann die richtige Version für jedes Auge aus, wodurch ein plastischer Effekt entsteht.
Heutige 3D-Verfahren separieren die Aufnahmen etwas moderner. RealD setzt auf spezielle Linsen im Filmprojektor, die das Licht polarisieren – die Ausrichtung der Lichtwellen wird unterschiedlich für das rechte und linke Auge angepasst. Sie werden dann von einer speziellen Leinwand reflektiert, die mit einer silbernen Farbschicht überzogen ist. Die Zuschauer tragen auch hier spezielle Brillen, um das Licht für jedes Auge zu separieren. Das Problem: Es kommt manchmal vor, dass einige Bilder von beiden Augen gesehen werden – es entsteht der so genannte Geistereffekt. RealD verwendet deshalb eine Spezialsoftware, die solche Bilder kompensieren kann.
3D kann aber auch anders funktionieren. Eine weitere Technologie setzt auf so genannte Shutter-Brillen. Dabei schickt der Projektor Bilder nacheinander für das linke und das rechte Auge auf die Leinwand, die hierzu nicht mit einer speziellen Farbschicht überzogen sein muss. Ein mitgesendetes Infrarotsignal, das von den Brillen gelesen wird, sorgt für die Synchronisation. Howard Lukk, Vizepräsident für den Bereich Technologie bei den Walt Disney Studios in Burbank, mag an dieser Methode, dass sie Geistereffekte weitgehend ausschließt. Allerdings benötigen Shutter-Brillen eine optoelektronische Einheit samt Batterien, was sie deutlich teurer als normale 3D-Brillen macht. Durch diese Kosten, die bei rund 50 Dollar pro Stück liegen, können Kinos keine Wegwerfbrillen anbieten. Also müssen sie jedes Mal wieder eingesammelt und gereinigt werden, was noch mehr Geld kostet.
Ein drittes 3D-System wird derzeit Dolby entwickelt – dem Technologieunternehmen, das man vor allem aus dem Surround Sound-Bereich kennt. Dort setzt man auf eine Erfindung des Ulmer Unternehmens Infitec. Dabei separiert ein Farbrad in einem Digitalprojektor die Rot-, Blau- und Grün-Anteile im Licht und sorgt dann dafür, dass die kürzeren Wellenlängen an ein Auge gehen, während die längeren an das andere geschickt werden. Auch hier trägt das Publikum spezielle Brillen, die die Farben für jedes Auge herausfiltern, doch die Filmfarben müssen nicht so wie bei Anaglypenbildern verändert werden. Obwohl das System keine spezielle Leinwand benötigt, ist es noch recht teuer: Die Brillen sind bislang nicht preisgünstig herzustellen, wie Dave Schnuelle, bei Dolby für 3D zuständiger Manager, erklärt. Das ganze System befinde sich aber noch in Entwicklung.
Fazit: Jeder der neuen 3D-Ansätze hat Vor- und Nachteile. Disney-Mann Lukk mag am Dolby-System, dass sich ganz normale Leinwände verwenden lassen: "Es gibt Zuschauer, die mögen die Silberschicht bei RealD nicht." Hauptproblem bleibt aber auch hier die Lichtreflektion über den ganzen Bereich, damit auch Zuseher am Rande der Sitzreihen noch etwas vom 3D-Effekt mitbekommen. (bsc)