„Nolans Atari war das Beste“

Allan Alcorn, Entwickler-Legende und Erfinder des Computerspiels "Pong", über die wilden Siebziger und das Business von heute.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Frank Magdans

Jemanden wie ihn zu treffen, das ist etwas ganz Besonderes – vor allem dann, wenn man seit den siebziger Jahren ein Faible für Games hat. Denn schließlich hat Allan E. Alcorn etwas geschaffen, das der Computer- und Videospielgeschichte den gewissen Kick gegeben hat: Im Auftrag von Atari-Gründer Nolan Bushnell hat er 1972 „Pong“ entwickelt. Daraufhin hat er am VCS, dem Video Computer System, mitgearbeitet. Technology Review sprach mit Alcorn über die wilden Siebziger und das Business von heute.

Technology Review: Mister Alcorn, spielen Sie heute noch hin und wieder „Pong“?

Allan E. Alcorn: Nein, nur sehr, sehr selten. Aber auf meinem Mac habe ich Dashboard-Items von „Pong“. Eines, von Projekt K3, ist richtig gut. Auf der Oberfläche ist ein Bild meines Originalprototyps zu sehen.

TR: Interessieren Sie sich eigentlich noch für Games?

Alcorn: Ja, aber nicht in demselben Maß wie früher. Ich vergleiche es so: Papa mag kleine Hundebabys, doch wenn sie ausgewachsen sind, dann sind sie wie alle anderen. Ich mag es, neue Sachen ins Rollen zu bringen. Das ist es, was ich mein ganzes Leben lang tue. Videogames waren das erste, und damit wurde ich auch sehr glücklich. Aber es macht mir weitaus mehr Spaß, mich der Herausforderung zu stellen, eine neue Technologie auf den Markt zu bringen. Nach Atari habe ich eine Waren- und Spielautomatenfirma gegründet. Das war 1994. Zuvor war ich bei Apple. Zwischen 1986 und 1991 habe ich mit dem begonnen, was einmal QuickTime werden sollte. Außerdem habe ich an der Entwicklung von MPEG mitgewirkt. Mir liegt es, alte Geschäftswege aufzubrechen und neue Pfade einzuschlagen.

TR: Nun war es ja für Sie in der Zeit, nachdem Warner Atari gekauft hatte und Bushnell gegangen war, auch nicht gerade einfach. Sie haben damals an einer Konsole namens Cosmos gearbeitet, doch niemand schenkte Ihrer Entwicklung Vertrauen…

Alcorn: Oh ja, lassen Sie mich von vorne anfangen. (Er stöhnt und holt tief Luft.) In meinem Leben gibt es vier Ataris: Nolans Atari, was eigentlich jeder hätte miterleben müssen. Dann gab es Ray Kassars Atari bei Warner – weniger spaßig. Dann gehörte Atari Jack Tramiel. Nun gibt es ein ganz neues Atari. Und es sind völlig unterschiedliche Firmen. Sie haben alle denselben Namen und profitieren von unserem Erbe. Nun, Nolans Atari war das Beste. Wir waren alle jung, hatten Spaß…

TR: … und feierten wilde Parties…

Alcorn: Oh yeah. (lacht) Bei Warners Atari stand ich irgendwann alleine da. Alle waren weg, all die Oldtimer. Atari war mein Baby – ein großes Baby, aber immer noch meins. Mir war es zuerst nicht klar. Was ich erlebte, war, dass eine Innovation gestoppt wurde. Um frei zu sein und um neue Ideen zu verwirklichen, muss man es riskieren, Fehler zu machen. Sehr, sehr viele große Firmen können das nicht. Sie sind nicht in der Lage, innovativ zu sein. Denn wenn sie versagen, sind sie raus aus dem Geschäft.

TR: Also nicht Ihre Welt?

Alcorn: Im heutigen Videogame-Business zu bestehen, das stelle ich mir sehr kompliziert vor. Das ist gar kein Vergleich zu früher. Allein die Produktionskosten! Das VCS war nach einem Jahr fertig, ein Game innerhalb von drei Monaten. Sollte es ein Flopp sein, dann hätten wir zehntausend Dollar verloren. Das hätte niemanden gejuckt. Und was kostet ein Titel heute? Millionen. Es ist ein völlig anderes Geschäft – eines, mit dem ich bestimmt sehr schlecht zurechtkommen würde. Wenn ich über die E3 laufe und sehe, was da alles angeboten wird – unglaublich! Natürlich erstaunt es mich, was alles aus einem so simplen Ansatz geworden ist. Aber es steht doch sogar mehr auf dem Spiel, als wenn man einen Film drehen will. Früher war das alles einfacher, denn ich war der einzige, der da war. (lacht laut)

TR: Und heutige Teams bestehen oftmals aus über hundert Leuten. Das aktuelle „Sims“-Team sogar aus rund dreihundert!

Alcorn: Yeah, der blanke Wahnsinn! (lacht herzlich) Damals war es aber auch deswegen viel einfacher, weil der Kunde nichts Besonderes erwartete. Versuch heute mal jemanden mit „Pong“ zu locken, der lacht dich aus.

TR: Was sich damals in den Bars und Spielhallen rund um die „Pong“-Automaten abspielte, lässt sich das als ein soziales Phänomen beschreiben, wie es heute bei „World of Warcraft“ oder „Second Life“ stattfindet, oder?

Alcorn: Wenn ich sehe, mit wem überall auf der Welt mein Sohn über das Internet in Kontakt kommt, dann fällt mir sofort wieder „Pong“ ein. Auch das war eine Sache des Miteinanders. In den Vergnügungszentren war einfach was los. Ich würde sagen, dass die Virtual-Life-Games lediglich ein Multiplikator dessen sind.

TR: Und was halten Sie von den aktuellen Konsolen von Microsoft, Nintendo und Sony?

Alcorn: Was Sony an Technik in die PS3 gepackt, das finde ich schon beachtlich, faszinierend. Konsolen haben schon immer den PC-Markt gepusht. Da ist mehr Power drin als in einem Computer. Das ist die größte Herausforderung, immer ans Äußerste zu gehen. (nbo)