Künstliche Intelligenz
Das wird zumindest helfen, bessere Computer zu bauen - ob es je intelligente Maschinen mit eigenem Bewusstsein geben wird, ist allerdings heftig umstritten.
Wenn Marvin Minsky, der große alte Mann der künstlichen Intelligenz (KI), über den Zustand seines Fachgebietes spricht, klingt das nicht gerade nach einer Erfolgsgeschichte. Nein, von menschlicher Intelligenz seien Computer noch weit entfernt, sagt er: "Es gibt noch immer kein Programm, das nach einem Blick in ein Zimmer sagen kann, da sitzt ein Mensch, da steht ein Glas Wasser auf dem Tisch. Kein Computer kann auch nur einfache Geschichten verstehen." Dass gerade die Dinge, die Menschen leicht fallen, Computern bis heute so hartnäckige Probleme bereiten - das hatten Minsky und seine Mitstreiter John McCarthy und Claude Shannon wohl nicht erwartet, als sie 1956 am Dartmouth College im US-Bundesstaat New Hampshire mit einem Workshop zur "Untersuchung der künstlichen Intelligenz" eine neue Forschungsdisziplin begründeten. Damals erschien alles ganz einfach und klar. Die Forscher waren zuversichtlich, "dass jeder Aspekt des Lernens oder jeder anderen Eigenschaft der Intelligenz im Prinzip so genau beschrieben werden kann, dass er mit einer Maschine simuliert werden kann", wie es im Förderantrag des Workshops an die Rockefeller-Stiftung hieß. Das ist so nicht gelungen, und aus dem revolutionären Projekt von einst ist ein halbes Jahrhundert später eine normale Wissenschaft geworden. "Inzwischen hat sich die KI in starker Weise ausdifferenziert", stellt Bernhard Nebel, Professor für künstliche Intelligenz an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, fest. "Hand in Hand mit der Ausdifferenzierung nach Teilfeldern hat auch eine Ausdifferenzierung der Methoden und Forschungsfragen stattgefunden. Und obwohl solch eine Spezialisierung sinnvoll ist, gerät dabei natürlich das große Ganze aus dem Blickfeld."
Das große Ganze - das ist die immer noch ungeklärte Frage, wie Intelligenz eigentlich zustande kommt, wie der menschliche Geist funktioniert. Die KI-Forscher, die diese Frage noch umtreibt, setzen inzwischen darauf, Denkprozesse am Computer zu simulieren. Einige halten handelsübliche Rechner für diesen Zweck für ausreichend, andere bauen in Superrechnern oder neuartiger Hardware natürliche Gehirnstrukturen minutiös bis hinunter auf die Ebene chemischer Prozesse der Nervenzellen nach. Die ferne Hoffnung: Irgendwann könnte der Haufen Silizium-Neuronen von selbst zu denken beginnen (siehe "Der dritte Weg" ab Seite 69). Solche Halbleiterhirne bauen auf den neuesten Erkenntnissen aus Neurowissenschaften und kognitiver Psychologie auf. Zwar haben die mittlerweile Licht in die biochemischen Vorgänge am einzelnen Neuron gebracht und dank bildgebender Verfahren festgestellt, dass sich Farbe, Form und Bewegung eines Objekts vor dem Auge im visuellen Kortex in drei getrenn- ten Erregungsmustern widerspiegeln. Lückenlos erklärt sind die Gehirnprozesse beim Denken jedoch längst noch nicht. Rätselhaft bleibt etwa, wie Gehirn und Geist imstande sind, die verschiedenen Erregungsmuster korrekt aufeinander zu beziehen, wenn ein Mensch gleichzeitig mehrere verschiedenfarbige und unterschiedlich geformte Objekte sieht.... (kd)