Warum Google Jaiku kaufte

Die große Suchmaschine hat einmal mehr bei einem Start-up zugeschlagen: Diesmal übernahm sie eine "Microblogging"-Plattform mit Geschäftssitz Finnland.

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Von
  • Kate Greene

Vor wenigen Wochen kündigte Google an, das finnische Start-up Jaiku zu übernehmen. Der Dienst ermöglicht es seinen Nutzern, Freunden und Bekannten per Web oder Handy Informationen über den aktuellen Aufenthaltsort und ihre Aktivitäten zu hinterlassen – genannt wird dieser Ansatz auch gerne "Microblogging".

Die genauen Bedingungen des Deals wurden einmal mehr nicht veröffentlicht, doch der Kauf hat seine Wichtigkeit, egal wie tief Google tatsächlich in die Tasche griff. Er passt gut in die Strategie eines neuartigen Betriebssystems für Handys, an dem Google Gerüchten zufolge seit mehreren Jahren bastelt. Schließlich war Jaiku ursprünglich als Handy-Software gestartet und einer der Gründer der Firma, Jyri Engeström, arbeitete länger als Produktmanager beim Mobilfunkriesen Nokia.

Während Google regelmäßig jeden Kommentar zu seinen Handy-Aktivitäten ablehnt, spricht das Vorgehen der Suchmaschine in den letzten Monaten durchaus eine deutliche Sprache. Das Unternehmen kündigte unter anderem an, für ein großes Frequenzspektrum zu bieten, das 2008 in den USA versteigert werden soll, kaufte das Mobilsoftware-Start-up Android aus Palo Alto und ließ sein Management einige interessante öffentliche Statements machen, die unter anderem betonten, dass Google vorhabe, künftig die Bedienbarkeit von Handys zu verbessern. Im Zusammenhang mit Jaiku verwies man jedoch allein auf eine einzige, offizielle Pressemitteilung. Man habe keine konkreten Pläne im Mobilbereich anzukündiguen, freue sich aber schon darauf, "die nächste Runde der Web- und Handy-Technologie prägen" zu können.

Der Jaiku-Kauf signalisiert auch, dass das Microblogging-Phänomen mehr ist als nur eine vorübergehende Modeerscheinung. Jaiku, Twitter, Pownce, Plazes und sogar soziale Netzwerke wie Facebook ermöglichen es den Nutzern schon seit längerem, ihren Freunden (und auch, falls gewollt, dem Rest der Welt) mitzuteilen, was sie gerade tun und wo sie sich befinden. Die Dienste unterscheiden sich jeweils leicht, doch die Grundidee ist die gleiche: Freunde, Familie und interessierte Fremde sollen eine einfache Möglichkeit erhalten, über die eigene Person auf dem Laufenden zu bleiben. Jaiku und Twitter ähneln sich dabei besonders stark. Jaiku hat zwar nicht so viele Nutzer wie Marktführer Twitter, doch die Firma bietet auch noch einige Extrafunktionen, die der Konkurrenz fehlen, etwa herunterladbare Software für die Nokia-Handy-Plattform S60. Mit dem Programmkönnen die Nutzer ihr Jaiku-Profil vom Telefon aus aktualisieren und die Kontaktliste des Handys durchstöbern, um festzulegen, wer die Nachrichten-"Updates" erhalten soll.

Biz Stone, Mitbegründer von Twitter, glaubt, dass Jaikus Erfahrung im Bereich mobiles Messaging Google künftig helfen könne: "Diese Jungs kennen sich im Handy-Sektor wirklich aus und das passt wahrscheinlich gut zu dem, was bei Google offenbar köchelt." Ob Google auch an Twitter Interesse gezeigt habe, will Stone indes nicht sagen. Geld hat das Unternehmen zunächst genug: Im Juli erhielt Twitter ein frisches Investment in Höhe von 5 Millionen Dollar, das hauptsächlich in die Infrastruktur fließen soll, um mit der wachsenden Nutzerlast besser umgehen zu können.

Google sagt noch nicht, was man mit Jaiku vorhat. Experten spekulieren aber, dass der Kauf den Dienst breiter bekannt machen könnte – auch profitieren die Finnen sicher von Googles technischer Expertise und großer Serverplattform, während Twitter regelmäßig mit Ausfällen zu kämpfen hat. Gründer Stone glaubt aber auch, dass Google mit Jaiku schlicht strategisch vorgegangen sein könnte, um einen "Haufen talentierter Leute" für andere Projekte zu finden.

Obwohl Googles Kauf als Angriff auf Twitter gewertet werden kann, gibt sich Stone gelassen: "Jede Bewegung in diesem Markt, sei es nun eine neue, von Twitter inspirierte Firma oder der Aufkauf einer solchen durch ein größeres Unternehmen, bringt uns alle voran." Es zeige, dass Microblogging wesentlich größer sei, als man auch bei Twitter anfänglich angenommen habe.

Jaiku wird zunächst weiterhin seine Nutzerbasis mit Kurznachrichten versorgen – diese User können außerdem weitere Freunde auf die Plattform einladen. Doch ganz neu bei Jaiku einsteigen kann man zunächst nicht mehr – die Registrierung ist vorerst geschlossen. In den kommenden Monaten will Google nun neue Produkte auf den Markt bringen, die auf Jaikus Technologie aufbauen. Die bestehenden Jaiku-Nutzer dürften die ersten sein, die diese testen können. (bsc)