Über allen Wipfeln schwebt der Satellit
3 Billionen Bäume gibt es auf der Welt. Während die scheinbar grüne Bilanz nicht über die kontinuierliche Roderung hinwegtäuschen sollte, ist am Ergebnis auch das angewandte Verfahren interessant.
3 Billionen Bäume gibt es auf der Welt. Während die scheinbar grüne Bilanz nicht über die kontinuierliche Roderung hinwegtäuschen sollte, ist am Ergebnis auch das angewandte Verfahren interessant.
Auf meiner morgendlichen Zugstrecke stelle ich immer wieder fest, wie grün Deutschland doch eigentlich ist. Zwischen Feldern und Orten stehen Wäldchen und Wälder. Und dabei liegt Niedersachsen eher im mittleren Bereich beim Anteil der Waldflächen nach Bundesländern. Insgesamt ist ein Drittel von Deutschland, 11,4 Millionen Hektar, mit Wald bedeckt. Wie es mit dem Rest der Welt aussieht, haben Forscher der Universität Yale berechnet.
Die Zahl von 3 Billionen weltweit verteilten Bäumen konnte man in zahlreichen Medien lesen. Unstrittig ist: Die Summe ist enorm. Zumal in einer vorherigen Schätzung von 400 Milliarden ausgegangen war. Tatsächlich sind es aber achtmal so viele. Jeder Mensch könnte damit durch sein eigenes kleines Wäldchen von 422 Bäumen schlendern. Vergleiche der einnehmenden Fläche mit der Größe von Fußballfeldern erspare ich Ihnen an dieser Stelle.
Ebenso interessant wie das Ergebnis der globalen Waldinventur finde ich aber das angewandte Verfahren. Der Studienleiter Thomas Crowther und seine Kollegen haben ein kombiniertes Verfahren eingesetzt. Sie nutzten nicht ausschließlich Satellitenbilder, wie in der Schätzung. Denn diese Fernerkundungsmethode lieferte nur wenig Einblick in Größen wie Populationszahlen, Dichte und Holzaufkommen. Daher haben die Forscher auch knapp 430.000 Messstellen am Boden aus über 50 Ländern einbezogen. Sie gaben besseren Aufschluss über die Baumdichte. Daraus wurde ein Vorhersage-Modell für die bewaldeten Gebiete gestrickt. Die Grundlage bildete ein Geographisches Informationssystem (GIS), das die Daten über die Baumdichte mit den geographisch verorteten Informationen zu Klima, Topographie, Vegetation und landwirtschaftlicher Nutzung zusammenbrachte. Mithilfe dieser Angaben konnten die Forscher die Angaben aus den Satellitendaten bezüglich der Baumdichte präzisieren.
Anwendungen wie diese zeigen die Leistungsfähigkeit, die aus dem Zusammenspiel von groß-skalierter Erdbeobachtung durch Satelliten – hier sei auch auf das EU-Projekt Copernicus verwiesen – und lokalen Erhebungen vor Ort entsteht. Gerade dieses schlichte Prinzip birgt jedes Mal auf's Neue wichtige Erkenntnisse für die Forschungslandschaft. (jle)