Die nächste Internet-Blase?

Etwa 2400 Kilometer entfernt von Neuseeland, liegt die Insel Niue, mit rund 2000 Einwohnern eine der kleinsten Nationen der Welt.

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Von
  • Christian Just
  • Sascha Mattke

19. Breitengrad südlich, 169. Längengrad westlich: Hier, etwa 2400 Kilometer entfernt von Neuseeland, liegt die Insel Niue, mit rund 2000 Einwohnern eine der kleinsten Nationen der Welt. Zu bieten hat sie Kokospalmen, Felsgrotten, einen eigenen Premierminister - und dank der Initiative der Internet User's Society - Niue (IUSN) seit 1999 kostenlosen Internet-Zugang für alle Bewohner. Lange war das Insel-Surfen - wenn überhaupt - nur mit Modem-Geschwindigkeit möglich, weil Feuchtigkeit und Salz den Kupferkabeln zusetzen und weil häufige Gewitter reihenweise Modems killten. Außerdem geriet das Telefonnetz von Telecom Niue an seine Grenzen: Weil ständig Internet-Nutzer in der Leitung hingen, hörten andere Insulaner häufig nur Besetzt-Zeichen.

Aber sie ist relativ teuer und braucht ordentliche Kupferstrecken - als praktikabel erwies sie sich nur für die Anbindung von wenigen Gebäuden in der Hauptstadt Alofi. Auch über Powerline – Internet über Stromleitungen - dachte St. Clair nach. Aber diese Technik macht auf längeren Strecken Probleme. Was blieb, war Luft: In diesem Sommer hat die IUSN damit begonnen, auf Niue Zugangspunkte für drahtloses Internet einzurichten. Alle Einwohner der Insel und auch die Touristen im Yachthafen sollen so schnellen Internet-Zugang bekommen.

Hinter der eleganten Lösung des Problems verbirgt sich die Funk-Standardfamilie 802.11, auch bekannt unter dem weniger kryptischen Namen WLAN. Sie dient dazu, einen oder mehrere Computer statt mit Ethernet- Kabeln drahtlos mit einer Basisstation zu vernetzen, die wiederum auf konventionelle Weise ans Internet angeschlossen sein kann. Die Idee ist schlicht - und doch sorgt sie nach jahrelanger Durststrecke in der Informationstechnologie- Branche endlich wieder für Kaufregung und weckt kühnste Erwartungen. Die Absatzzahlen von WLAN-Chips steigen steil an, allerorten kämpfen Start-ups und etablierte Anbieter um die besten Standorte für so genannte Hotspots – Plätze in der Öffentlichkeit, wo bezahlter Internet-Zugang via WLAN angeboten wird. Wagniskapital-Geber verdienen plötzlich wieder Geld.

Quasi aus dem Nichts ist ein neuer Industriezweig entstanden, der weiteres stürmisches Wachstum verspricht: Im Jahr 2002 wurden 20 Millionen WLANChips verkauft, in diesem Jahr sollen es schon 33 Millionen, bis 2007 gar an die 110 Millionen jährlich sein, glauben Marktforscher. Mobilfunk-Firmen versprechen das mobile Internet seit Jahren – geliefert haben sie es nicht. Stattdessen kommt es von selbst, sozusagen durch die Hintertür, und wächst mit jedem neuen WLAN-Nutzer. Schon ist von der nächsten großen Vernetzungswelle nach dem World Wide Web die Rede. Wenn, wie mehrere Experten voraussagen, bald fast jedes Laptop mit WLAN-Technik ausgeliefert wird, und sich diese Geräte auch ohne aufwendige Infrastruktur vernetzen lassen, wer braucht dann überhaupt noch die Telecoms mit ihren Glasfaser-Kabeln und UMTS-Mobilfunkmasten?

Wie zu besten Internet-Zeiten – einst gab es allein in Deutschland um die 1000 Zugangs-Provider - will jeder dabei sein. Schon jetzt sind die besten Hotspot-Standorte in Deutschland fast komplett vergeben, sagt Georg Stanossek vom Infodienst Portel. de: "Derzeit verfolgen die Hotspot-Anbieter vor allem die Strategie, sich die besten Plätze für das zukünftige Business zu sichern. Geld verdient damit noch niemand."

Die schnelle Landnahme weckt Erinnerungen an den Internet-Hype der späten 90er Jahre, als Geschäfte mit dem World Wide Web mühelosen Reichtum versprachen. Auch damals versuchten Unternehmen, sich möglichst schnell auf dem neuen Markt zu positionieren, selbst wenn das hohe Verluste brachte; die meisten sind gescheitert. Und so gibt es heute bereits erste Stimmen, die vor einer ähnlichen Blase im WLAN-Bereich warnen.

Dabei ist dieses Mal einiges anders: So haben nicht freche Start-ups, sondern gestandene Mobilfunker die meisten Hotspots unter Vertrag: T-Mobile hat sich laut einer Umfrage von Portel.de für die Technology Review mehr als 500 Top-Standorte gesichert und betreibt derzeit 29 davon, Vodafone folgt mit 400 reservierten und 14 aktiven Hotspots. Mit einer Einkaufstour im März hat sich Swisscom, in Deutschland mit der Tochter debitel aktiv, den dritten Hotspot-Platz gesichert: 180 von 350 vereinbarten Standorten sind bereits im Live-Betrieb.

Dass WLAN - öffentlich, zu Hause oder im Unternehmen - echte Vorteile bringt, steht außer Frage. Die nötigen Basisstationen, genannt WLAN-Router, gibt es inzwischen ab 100 Euro. Einen davon an die feste Internet-Verbindung geklemmt und das Laptop mit einer WLAN-Karte für etwa 40 Euro aufgerüstet, ein paar Einstellungen vorgenommen, und schon kann das kabellose Surfen im Haus, im Garten, im Café oder im Büro beginnen. Die Reichweite beträgt ohne Tricks rund um den Router etwa 30 Meter in Gebäuden, im Freien bis zu mehreren hundert Metern. Die Geschwindigkeit ist selbst bei den älteren 802.11-Varianten mit brutto elf Megabit pro Sekunde so hoch, dass sogar extra schnelle DSL-Zugänge ins Internet sie nicht ausreizen - auch wenn die tatsächliche WLAN-Datenrate nur etwa die Hälfte des Bruttowerts erreicht.

Deshalb ersetzen freudig immer mehr Privatleute und Unternehmen ihre Netzwerk-Kabel durch eine WLANLösung. Und solange die öffentlichen Hotspots noch kostenlos waren, erfreuten auch sie sich großer Beliebtheit. Ben Schwan, IT-Experte aus Berlin, erinnert sich gerne an den freien Internet-Zugang in der Kaffee-Kette Starbucks. Er selbst nutzte ihn regelmäßig, und "es waren immer zwei, drei User mit Laptop da, zu jeder Tageszeit."

Trotzdem lässt sich schon heute absehen, dass auf die große Begeisterung wie im Internet-Hype wohl zunächst einmal tiefe Enttäuschung folgen wird. Und dann dürfte, wieder nach dem bekannten Muster, die Erkenntnis folgen, dass alles doch nicht so schlimm ist. Hunderte E-Commerce-Firmen sind Pleite gegangen, Tausende an ehrgeizigen Projekten gescheitert, Milliarden an Investitionen wurden im Boom in unausgereifte Vorhaben gesteckt. Und doch ist Internet-Technologie heute aus Unternehmen und Privathaushalten kaum mehr wegzudenken, und manche Neugründungen aus der Boom-Zeit haben sich inzwischen doch als nachhaltig profitabel erwiesen.

"Das Geld, das in öffentliche WLANZugänge gesteckt wird, ist größtenteils verloren", warnt jedenfalls Lars Godell von der Unternehmensberatung Forrester Research - just dem Haus, das in den späten 90er Jahren und Anfang des neuen Jahrtausends mit mutigen Prognosen den überbordenden Wachstumshoffnungen Nahrung gegeben hat.

Im Fall von WLAN-Hotspots, sagt Godell, sei die Zahlungsbereitschaft der Nutzer schlicht viel zu niedrig im Vergleich zu den Kosten, die der Anbieter wieder hereinspielen muss. Erste Ergebnisse aus der Praxis scheinen das zu bestätigen. Starbucks, für das WLAN-Projekt verbandelt mit T-Mobile, will für den drahtlosen Zugang inzwischen Geld sehen. Folge: Ben Schwan liest seine E-Mails wieder zu Hause. Auch andere mobile Surfer, sagt er, lassen sich kaum noch blicken. Immerhin kostet die Stunde Internet- Zugang zum Kaffee 7,95 Euro, drei Stunden 15,95 Euro und ein ganzer Tag mit 24 Stunden 24,95 Euro.

Eine Beispielrechnung des Branchendienstes WLAN-Report zeigt, wie schwer sich selbst in den USA mit dem Hotspot-Modell Geld verdienen lässt. Der Dienst beruft sich auf Angaben aus dem Unternehmen, wonach Starbucks derzeit in jeder Filiale pro Woche durchschnittlich zehn Verbindungen an den zahlenden Nutzer bringt. Das entspreche zu den aktuellen Tarifen einem Wochenumsatz von 150 Dollar. Die Kosten für Hardware, Wartung und die Internet-Anbindung dagegen lägen bei 500 bis 2000 Dollar pro Monat und Filiale. Dass WLAN-Surfer dafür im Schnitt länger bleiben und 20 Prozent mehr für Getränke und Essen ausgeben, klingt da wie ein schwacher Trost.

Erschwerend kommt hinzu, dass es kostenlose Alternativen gibt. Wer auch immer sein Haus oder Büro mit einem WLAN-Router ausgerüstet hat, kann ihn offen für Dritte lassen - wer in den Funkbereich kommt, darf die fremde Infrastruktur dann als Gast einfach mitnutzen. Ebenfalls ohne Bezahlung - und demzufolge meist auch ohne lästige Anmeldung - lassen sich die WLAN-Hotspots mehrerer Initiativen nutzen. Hamburg-Hotspot.de etwa listet 39 freie Zugangspunkte in der Hansestadt auf - vom Szene-Café in der Sternschanze über eine Anwaltskanzlei und einen Computerladen bis zum feinen Raffles- Hotel Vier Jahreszeiten.

Solche "Community"-Netze entstehen an vielen Orten auf der Welt, und die Vision der ehrenamtlichen Betreiber ist klar: Sie hoffen auf ein neues, besseres Internet. Jeder Teilnehmer könnte seinen Access Point für die anderen öffnen und unterwegs im Gegenzug deren WLAN-Zugang mitnutzen. Anfangs müssten die WLANs noch an konventionellen Internet- Anschlüssen hängen, doch je mehr Leute mitmachen, desto unabhängiger würde das Gemeinschaftsnetz von den Fest- und Mobilfunknetzen der Telecoms. Ein drahtloses Internet nach dem Muster von Nutzer-zu-Nutzer-Tauschbörsen würde entstehen. Bereits heute gibt es Software, die Daten nicht nur von Basisstation zu Basisstation, sondern auch von WLAN-Karte zu WLAN-Karte schickt. Die Reichweite des neuen Netzes wird dadurch weiter vergrößert.

"Es geht um das organische Internet. Die Wiedergeburt des Internet. Das Internet, wie es sein sollte - frei von den Beschränkungen durch kommerzielle Überlegungen und Umsatzstrategien; frei von "Gewinn ist wichtiger als Leistung"; betrieben von den Nutzern für die Nutzer", heißt es euphorisch auf der Webseite von CommunityWireless.org. WLAN-Technologie, so hoffen die Idealisten dahinter offenbar, wird im zweiten Anlauf das möglich machen, was sie sich schon vom drahtgebundenen Internet versprochen hatten: Eine vernetzte Gemeinschaft von einander Wohlgesonnenen, die nicht auf die Versorgung durch Schlipsträger angewiesen ist und weltweit zu niedrigsten Kosten miteinander kommuniziert.

Doch wie weit lässt sich die Vernetzung mit WLAN wirklich treiben? Können sich wirklich bald ganze Städte über schnellen, draht- und kostenlosen WLANZugang zum Internet freuen? Ist es gar eine flächendeckende Alternative zu Datendiensten über UMTS-Mobilfunk?

Im Prinzip ja, aber in der Praxis niemals, sagt der Funk-Experte Professor Jochen Schiller von der Freien Universität Berlin. Trotz der niedrigen Komponenten- Preise wären die Kosten für ein bundesweites Netz nach seinen Berechnungen um den Faktor zehn höher als beim modernen Mobilfunk: "Bei UMTS benötigen Sie in der Stadt im Durchschnitt alle 500 Meter eine Basisstation, bei WLAN je nach Bebauung mindestens alle 30 Meter - und das auch noch pro Stockwerk." Der relativ hohe Energiebedarf der WLAN-Stationen, sagt Schiller, würde darauf hinauslaufen, dass für ihre Stromversorgung allein in Deutschland rechnerisch zwei neue Atomkraftwerke nötig wären.

Der Grund für die Einschränkungen liegt in der Geschichte von WLAN. Im Jahr 1990 begann eine Reihe von Unternehmen, sich für drahtlose Vernetzung zu interessieren - von Registrierkassen. "Es ging darum, die aufwendigen Kabelinstallationen zu ersetzen", sagt Bruce Tuch, der damals bei NCR/Lucent in den Niederlanden die Entwicklung leitete. 1991 kamen die ersten Produkte als WaveLAN auf den Markt, zu Preisen um 1000 Dollar je Einsteckkarte. Weil auch moderne Kassen eine Art Computer sind, war die Übertragung der Technik in die PC-Welt relativ unproblematisch. 1997 lag der erste Standard der 802.11-Gruppe vor - aber mit einer Bandbreite von maximal zwei Megabit pro Sekunde war er schon damals zu langsam für den Einsatz in Bürocomputer- Netzen. Vor kurzem verabschiedete das zuständige Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) den neuesten Standard 802.11g, der auf 54 Megabit pro Sekunde kommt. Noch dominiert aber 802.11b aus dem Jahr 1999 mit seinen elf Megabit pro Sekunde.

Beschränkte Reichweite und hoher Stromverbrauch - selbst diese Schwächen von WLAN ändern nichts daran, dass die Technologie in mancher Hinsicht UMTS-Diensten das Wasser abgraben kann. So hatten die Mobilfunker zunächst vor, an stark frequentierten Orten so genannte "Picozellen" einzurichten. In deren Funkbereich sollte UMTS als Premiumservice für Geschäftskunden tatsächlich so viel Bandbreite bieten, wie anfangs flächendeckend versprochen worden war - zwei Megabit pro Sekunde, genug für Video- Telefonie und schnelle Daten-Downloads. Dieses Vorhaben dürfte sich durch das Aufkommen von WLANHotspots, die jeder ohne Anmeldung und Lizenz betreiben darf, praktisch erledigt haben. Hotspot-Experte Nicholas McQuire von Pyramid Research: "Es kann keinen Zweifel darüber geben, dass WLAN einige der erwarteten Umsätze mit UMTS auffressen wird."

Ihre hektische Hotspot-Aktivität zeigt: Noch bauen die Mobilfunker darauf, dass sie selbst es sein werden, bei denen ein Großteil der WLAN-Einnahmen landet. Doch dass sie das Geld wirklich statt in die eine einfach in die andere Tasche stecken können, ist nicht ausgemacht.

Denn zum einen machen sich einige Aktivisten einen Spaß daraus, ihnen das Geschäft zu vermasseln. So parkte der Bostoner Berater Michael Oh im vergangenen September eine unauffällige Limousine gegenüber der Starbucks- Filiale in der Innenstadt. In dem Kaffeehaus wird drahtloser Internet-Zugang für bis zu 2,50 Dollar je 15 Minuten angeboten. Doch auch Ohs Auto enthielt volles WLAN-Equipment - und jeder Starbucks-Besucher konnte das Internet statt über den bezahlten Dienst im Innern über Ohs kostenlosen Service vor der Tür benutzen.

Zum anderen müssen sich die UMTS-Lizenzinhaber auch mit kommerziellen Konkurrenten außerhalb der Mobilfunk-Branche auseinander setzen. Denn die brauchen bei der Preisgestaltung nicht auf Vereinbarkeit mit ihren anderen Diensten zu achten. Wenn aber etwa E-Plus einen günstigen WLANPreis – vielleicht einen Euro pro Stunde – bieten würde, dürften sich Kunden schon fragen, warum sie im aktuellen XL-Tarif für Datenabruf per Handy 50 Euro für 50 Megabyte zahlen sollen. Die gleiche Datenmenge ließe sich über WLAN in wenigen Minuten abrufen – und das würde dann eben nur einen Euro kosten.

Andersherum könnten günstige WLAN-Tarife von Neueinsteigern auch die Datenpreise im Mobilfunk unter Druck bringen. Den Markt teilen sich bislang die vier Mobilfunker T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 - wenig genug, damit kein Preiskampf in Gang kommt, zumal alle vier für jeweils mehr als acht Milliarden Euro UMTS-Lizenzen gekauft haben und deshalb ein vitales Interesse an hohen Preisen haben. "Mit den Kosten lassen sich die WLANPreise in Deutschland jedenfalls nicht rechtfertigen", sagte Angela Champness vom WLAN-Ausrüster Proxim Corporation aus den USA im Juli auf einer Telecom-Konferenz in Bonn.

Das Geschäftsmodell der Hotspot- Anbieter wackelt also an allen Ecken und Enden. Auch die vielen neuen Internet- Portale zum Thema WLAN werden wohl früher oder später merken, dass interessante Inhalte allein das Überleben nicht sichern. Und erinnert sich noch jemand an den Spruch, dass beim Goldrausch vor allem die Schaufel-Verkäufer reich wurden? Im Internet-Hype sollten das Netz-Ausrüster wie Juniper Networks sein - einige von den kleineren leben immerhin noch, der Börsenkurs von Marktführer Cisco hat sich seit dem Frühjahr 2000 fast geviertelt. WLAN-Chips sollen die neuen Schaufeln sein. Aber die 802.11-Familie ist nun mal ein Standard, die Produktion der Chips keine Hexerei - das heißt, dass sie schnell zur Massenware werden. Die Preise sinken schon jetzt rapide.

Doch auch beim neuen WLAN-Hype dürfte sich nach der ersten Enttäuschung herausstellen, dass dahinter ein echtes Geschäft steckt - wenn auch vielleicht ganz anders und womöglich viel kleiner als zunächst erhofft. Die Technologie löst, nicht nur auf felsigen Inseln, Probleme und macht die Nutzer glücklich. "Der Internet-Zugang per WLAN ist für mich so selbstverständlich geworden, dass ich bei auswärtigen Terminen regelmäßig enttäuscht bin, wenn ich nach dem Hochfahren des Notebooks nicht ins Internet komme", sagt etwa Hendrik Bunke, Dozent an der fast flächendeckend mit WLAN versorgten Universität Bremen.

Und im Rahmen des ursprünglichen Einsatzzwecks in Unternehmen - und sogar darüber hinaus im Freien - hat sich WLAN-Technologie längst bewährt. So wird im Zentralen Eisenbahnbetrieb der Vattenfall Europe Mining & Generation in der ostdeutschen Lausitz die Logistik über ein 25 Quadratkilometer umfassendes Funknetz koordiniert; jeder Lokführer und jede Rangierabteilung bekommt Aufträge und Standorte drahtlos auf die Bildschirme von tragbaren Mini-PCs. An der Universitätsklinik Regensburg werden Patientenakten von einer zentralen Datenbank per WLAN auf Taschencomputer der Ärzte gefunkt. Die Mediziner können die Daten noch während der Visite aktualisieren. Weil Luft ein inhärent unsicheres Medium ist und die eingebaute WLAN-Sicherheit nicht über jeden Zweifel erhaben ist, wird das System zweifach zusätzlich gesichert: Zum einen sind die sensiblen Dokumente selbst verschlüsselt. Zum anderen sorgt Firewall-Software dafür, dass Hacker sich nicht einfach mit ihrem WLAN-Laptop am zentralen Server anmelden und dort Daten abrufen oder gar verändern können.

"Ich bin mir sicher, dass im WLAN-Bereich noch ziemlich viele gute Ideen auf den Tisch kommen werden, die auch für Investoren interessant sind. Das Geschäft für neue Dienstleistungen rund um drahtlose Netze fängt ja jetzt erst an", sagt Kurt Müller von der Venture- Capital-Gesellschaft Target Partners. Er gehört zu den Leuten, die mit WLAN bereits Geld verdient haben - wenn auch womöglich nur durch einen gut getimten Ausstieg: Target Partners hatte den Münchner Hotspot- Betreiber WLAN AG mitfinanziert, der in diesem März für eine ungenannte Summe, aber laut Müller mit Gewinn, an Swisscom verkauft wurde.

Ursprünglich war WLAN nicht für all die kühnen Ideen vorgesehen, die jetzt kursieren - nicht für flächendeckende Versorgung, nicht einmal speziell für tragbare Geräte. Aber es ist eine preiswerte, offene und begeistert aufgenommene Technologie - und könnte sich tatsächlich zumindest als der erste Schritt auf dem Weg zu Größerem erweisen. (sma)