Völker, hört die Signale
Wer braucht noch ein Global Positioning System? Viele, behauptet die Europäische Union, und bereitet ihr Konkurrenz-Angebot zum US-GPS vor. Experten - und selbst Beteiligte - sehen darin wenig Sinn
- Nils Schiffhauer
(Zusammenfassung aus Technology Review Nr. 11/2003)
Die Europäische Union (EU) arbeitet an einem Satelliten-System, das Nutzern die genaue Bestimmung ihrer Position an fast jedem Ort der Erde ermöglicht. Zur Begründung werden vor allem technische und wirtschaftliche Argumente genannt. So soll Galileo genauer arbeiten als sein Vorbild, das weit verbreitete amerikanische Global Positioning System (GPS).
Allerdings sind Experten der Ansicht, dass dies die Ausgaben von 3,6 Milliarden Euro nicht rechtfertigt - unter anderem deshalb, weil GPS ständig verbessert wird. Bezweifelt wird auch die Aussage, dass Galileo wirtschaftlich rentabel ist: Das setzt voraus, dass dieser kommerziell angelegte Dienst gegenüber dem kostenlosen GPS entscheidende Vorteile hat.
Tatsächlich dürfte bei der Entscheidung für Galileo eher eine Mischung aus europäischer Eitelkeit, Förderung der eigenen Raumfahrt-Industrie und Sorge vor dem weiteren Ausbau der US-Vormachtstellung den Ausschlag gegeben haben. In dieses Bild passt die Tatsache, dass China Galileo jetzt mit angeblich mehr als 200 Millionen Euro unterstützen will. Die erhoffte Beteiligung europäischer Unternehmen dagegen macht Probleme: Die deutschen Automobil-Hersteller etwa wollen "keine müde Mark" beisteuern. (sma)