Touchpad als Tastatur, Klavier, Leinwand und mehr
Mit einem druckempfindlichen Touchpad will das Start-up Senel neue Möglichkeiten der Computerbedienung schaffen. Und die Nutzer sollen auch selbst zusätzliche Anwendungen programmieren können.
- Rachel Metz
Mit einem druckempfindlichen Touchpad will das Start-up Senel neue Möglichkeiten der Computerbedienung schaffen. Und die Nutzer sollen auch selbst zusätzliche Anwendungen programmieren können.
Das Start-up Sensel entwickelt ein Touchpad von der Größe eines kleinen Tablet-Computers, das auf Drücken und Berühren reagiert. Es soll ebenso gut als Drumcomputer, als Standard-Tastatur, als Leinwand zum Malen und als alles mögliche andere dienen können.
Das Gerät namens Sensel Morph nutzt eine andere Technologie als die kapazitiven Sensoren, die in den meisten Smartphones und Tablets leitfähige Objekte wie Finger oder Spezialstifte erkennen: Unter der Oberfläche befindet sich ein Raster aus 20.000 winzigen Drucksensoren, die nicht nur Berührungen an sich, sondern auch die Stärke des Drucks durch Finger, Pinsel oder Stifte registrieren. Mit austauschbaren Auflagen, die per Magnet befestigt werden, lässt sich dem Morph das Aussehen einer Klaviertastatur oder eines Drumcomputers geben. Software im Gerät sorgt dafür, dass Berührungen (laut dem Unternehmen bis zu 16 gleichzeitig) automatisch passend zur gewählten Schnittstellen-Auflage interpretiert werden.
GroĂźe Bandbreite an BerĂĽhrungen erfassen
"Das ermöglicht verschiedenste reichhaltige Interaktionen. Wir können zum Beispiel mit einem Pinsel darauf malen und dabei den Druck des Pinsels erfassen", sagt Sensel-Mitgründer und CEO Ilya Rosenberg. Mit Touchco hat er bereits früher einmal ein Unternehmen für druckempfindliche Touchscreens mitgegründet, das dann an Amazon verkauft wurde.
Die Sensoren im Morph messen Intensität, Position und Form jedes Kontakts mit Fingern oder Gegenständen. Über den Sensoren befindet sich eine von Sensel entwickelte Polymerschicht, die dabei hilft, eine große Bandbreite an Berührungen zu erfassen, erklärt Rosenberg. Dadurch müssen Nutzer nicht besonders fest drücken, damit die Sensoren mehr Druck registrieren. Der Anschluss des Geräts an Computer oder Tablets erfolgt über USB-Kabel oder drahtlos über Bluetooth.
Sensel verfügt über eine Anschubfinanzierung und hat bereits eine Handvoll seiner schicken Morph-Touchpads gebaut. Um mehr Geld zu bekommen und das Produkt auf den Massenmarkt zu bringen, hat das Unternehmen Ende August zusätzlich eine Crowdsourcing-Kampagne bei Kickstarter gestartet. Unterstützer bezahlen jeweils 249 Dollar für ein Morph einschließlich einiger Auflagen (einige wenige Geräte sollen anfangs für 199 Dollar verkauft werden); Ziel der Kampagne sind 60.000 Dollar, das es mit aktuell knapp 330.000 Dollar bereits erreicht hat. Anfangs soll das Gerät eine Auswahl von grundlegenden Computer-Schnittstellen wie Trackpads, Qwertz-Tastaturen und MIDI-Instrumente emulieren können.
Touchpad soll auch offene Schnittstelle bieten
Einen Morph-Sensor zu berühren, ist nicht das Gleiche wie das Drücken eines Knopfes – man spürt kein Nachgeben, wenn man mit einem Finger oder Werkzeug darauftippt. Angeschlossen an einen Laptop, lässt sich jedoch erkennen, wie empfindlich das Gerät ist: Wenn man eine fast leere Wasserflasche darauf legt, ist die darin herumschwappende Flüssigkeit sofort als gelber Klecks zu sehen, der sich auf dem Bildschirm hin- und herbewegt.
Normale Anwender davon zu überzeugen, dass sie ein Morph brauchen, dürfte nicht einfach werden. Sensel geht jedoch davon aus, dass das Gerät attraktiv für unterschiedliche Nutzer ist, die genaueste Steuermöglichkeiten brauchen, weil sie an Animationen, Videospielen oder Musik arbeiten. Außerdem hofft Rosenberg darauf, dass die Nutzer auf eigene Ideen kommen werden: Über eine offene Schnittstelle sollen sie selbst neue Anwendungsmöglichkeiten programmieren, die dann mit anderen geteilt werden können. (sma)