Den Chip neu erfinden
Stanley Williams sieht meistens ganz entspannt aus, aber der Eindruck täuscht. Mit hochkarätige Kollegen arbeitet er an einer völlig neuen Art von Computerchips
- Claire Tristram
- Michael Fitzgerald
Statt Silizium bilden vielleicht organische Moleküle das Herzstück der ultraschnellen Rechner von morgen. Forscher in den Laboren des Computerherstellers HP im kalifornischen Palo Alto arbeiten zurzeit mit Hochdruck an winzigen molekularen Schaltelementen. Solche Nanoschalter könnten zum Beispiel aus einem einzigen Rotaxan-Molekül bestehen, das zwischen zwei feinen Titandrähten sitzt und seinen elektrischen Widerstand ändert, sobald eine Spannung an die Drähte angelegt wird.
Immer kleinere Strukturen auf herkömmliche Siliziumchips zu ätzen erfordert enorme Investitionen in die entsprechende Lithografietechnik. Chips mit molekularen Schaltern ließen sich dagegen ohne aufwendige Lithografieverfahren herstellen. Ein Schaltkreis mit zehn Milliarden logischen Schaltelementen fände auf der Fläche eines Salzkorns Platz; die Packungsdichte der Transistoren läge folglich um ein Tausendfaches höher als bei heutigen Rechnern. Die neuartigen Geräte könnten deshalb sekundenschnell tausende von Webseiten durchsuchen, hoch genaue Wettervorhersagen machen und möglicherweise sogar die menschliche Intelligenz besser nachahmen als herkömmliche Computer.
Mit 12,5 Millionen Dollar unterstĂĽtzt die amerikanische Defense Advanced Research Projects Agency in den kommenden vier Jahren HP bei seiner Suche nach einer geeigneten molekularen Rechnerarchitektur. Wann die ersten MolekĂĽlschalter marktreif sein werden, ist allerdings noch offen. (sma)