Alles anders, alles neu

Der Mann wirkt wie ein Elixier gegen Weltschmerz - sobald sein Name fällt, kommen Manager großer Konzerne ins Schwärmen.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 1 Min.
Von
  • Holger FuĂź

Der Chemieprofessor und Öko-Visionär Michael Braungart propagiert eine neue industrielle Revolution - und sucht nach neuen Wegen im Umweltschutz. Das Konzept der Öko-Effizienz, das auf sparsamen Umgang mit umweltschädlichen Substanzen setzt, hält Braungart für unzureichend, da es das System selbst nicht verändert.

Braungart fordert stattdessen eine Orientierung am neuen Leitbild Öko-Effektivität. Er plädiert für das Denken in Kreisläufen nach dem Vorbild der Natur. Öko-Effektivität bedeutet demnach, ungiftige Materialien in geschlossenen Kreisläufen zirkulieren zu lassen. Braungart vertritt die Idee des "Dienstleistungsprodukts": Danach sollen die Verbraucher ihre Produkte nicht mehr kaufen, sondern Erzeugnisse aus biologisch wertvollen Materialien als Service in Anspruch nehmen.

Zusammen mit großen Industrieunternehmen arbeitet Braungart an der praktischen Umsetzung seiner ehrgeizigen Visionen. Für den Nahrungsmittel- und Kosmetikkonzern Unilever entwickelte er etwa ein Duschgel aus hochwertigen Inhaltsstoffen. Für einen Teppichbodenhersteller erfand er einen neuartigen Zweikomponenten-Teppich. Zu seinen Erfindungen zählt auch eine Hightech-Kunstfaser aus biologisch kreislauffähigen, kompostierbaren Materialien.

1978 gründete Braungart die "Grüne Aktion Zukunft", einen Vorläufer der Partei "Die Grünen". 1985 wurde er Abteilungsleiter Chemie bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Seit 1987 betreibt Braungart in Hamburg seine Firma EPEA (Environment Protection Encouragement Agency), die auch Büros oder Kooperationen in London, Moskau, São Paulo und New York unterhält. (sma)