GEgen Siemens
Beide Konzerne haben eine lange und stolze Erfinder-Tradition, und beide haben dem jeweils anderen mehr oder weniger öffentlich den Kampf angesagt. Welches Modell hat mehr Zukunft?
- Tobias HĂĽrter
(Zusammenfassung aus Technology Review Nr. 3/2004)
Dicke Luft zwischen zwei der größten Industriekonzerne der Welt: General Electric will in Europa wachsen und macht damit Siemens den Heimatmarkt streitig. Jeffrey Immelt, der neue Chef des US-Konzerns, setzt auf technologische Stärke. Er hat seinen Forschern sechs langfristige "Advanced Technology"-Programme verordnet. Dem Konkurrenten Siemens setzt er ein Forschungszentrum direkt vor die Haustür in München.
Leitet Immelt einen ernsthaften strategischen Schwenk ein, oder betreibt er nur eine PR-Kampagne? Von beidem etwas: Einerseits ist er zum Handeln gezwungen, denn der Konzern, der sich so gern auf Thomas Edison beruft, hat seinen Erfindergeist lange vernachlässigt. Andererseits macht Siemens vor, wie man zukunftsträchtige Forschung ohne viel Trubel betreibt. Welcher der Konzerne in welchem Bereich führt, hängt von vielen Faktoren ab: von der Tradition der Unternehmen, von internen Synergie-Effekten, von staatlichen Zuschüssen - und manchmal von Zufallsentdeckungen.
Aber zwischen Siemens und GE geht es um mehr als bloße Technologie. Zwei konträre Unternehmenskulturen prallen aufeinander. In Siemens ist immer noch der einstige deutsche Familienbetrieb zu erkennen, während GE durch und durch ein Managerunternehmen ist, das aggressiv seine Wachstumschancen sucht. (sma)