Gläserne Mutanten
Münchner Wissenschaftler arbeiten an einem Mammutprojekt: Sie züchten systematisch tausende mutierte Mäuse, um deren Ergbut komplett zu verstehen. Und nein, sie sind keine herzlosen Tierquäler
- Sascha Karberg
(Zusammenfassung aus Technology Review Nr. 6/2004)
Seit 2002 kennen die Forscher die Sequenz des Erbguts der Maus, das menschliche Genom ist seit 2000 grob entziffert. Etwa 30 000 Gene haben die Forscher jeweils ausgemacht - nach vorläufigen Schätzungen zumindest.
Aber nur vereinzelt kennen die Genetiker die Funktionen, die ein einzelnes Gen im Organismus hat. Jetzt gilt es, die Funktion des Erbguts zu entschlüsseln. Dazu müssen Wissenschaftler nacheinander alle Gene mutieren, um aus den Defekten im Erbgut auf die natürliche Funktion zu schließen. Mit Gentechnik, Chemikalien und Bestrahlung verändern Genetiker weltweit das Erbgut ihrer Versuchstiere.
In der Deutschen Mausklinik in Neuherberg bei München suchen Forscher systematisch nach dem Sinn der Gene. Über 30 000 Mausmutanten haben sie bereits mit dem Ziel untersucht, darunter Tiere zu finden, deren Krankheitsbild demjenigen menschlicher Erkrankungen ähnelt.
Die Mausklinik nutzt dazu ein standardisiertes Verfahren, das 200 Parameter erfasst und das innere mit dem äußeren Erscheinungsbild einer mutanten Maus (den Phänotyp) mit dem normaler Labormäuse vergleicht. Mini-Röntgenapparate, Mini-Knochenmessgeräte, Blutanalysegeräte, die mit Minimalmengen arbeiten, Computertomographen für Mäuse - für die "systematische Phänotypisierung" benutzen die Forscher Instrumente, die denen in Krankenhäusern für Menschen nicht nachstehen. (sma)