Und wir brauchen sie doch

Vor einem Jahr veröffentlichte die "Harvard Business Review" einen mittlerweile berüchtigten Artikel mit der Überschrift "IT Doesn't Matter".

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Von
  • Bob Metcalfe
Inhaltsverzeichnis

Vor einem Jahr veröffentlichte die "Harvard Business Review" einen mittlerweile berüchtigten Artikel mit der Überschrift "IT Doesn't Matter". Sein Autor Nicholas G. Carr, damals Geschäftsführender Redakteur bei dem Magazin, behauptete, dass Informationstechnologie mittlerweile nicht mehr dazu geeignet ist, Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. IT-Manager bezeichnete Carr als ungeduldig, verschwenderisch und dem ständigen Hype um den so genannten strategischen Wert von IT verfallen.

Die "Harvard Business Review" hat 243000 extrem einflussreiche Leser. Wenn also in einem ihrer Artikel steht, dass IT unwichtig ist, dann wird eine ziemliche Menge von wichtigen FĂĽhrungspersonen das glauben. Und wenn sie das tun, dann werden sie ihre Unternehmen - und die ganze Volkswirtschaft - gegen die Wand fahren.

Mittlerweile haben viele Autoren Carrs Artikel auseinander genommen - es waren so viele, dass ich mich ein bisschen fühle wie der neunte Ehemann von Elisabeth Taylor: Ich weiß, was ich zu tun habe, aber wie mache ich das auf interessante Weise? Aber Carrs Thesen wollen einfach nicht verschwinden. Und jetzt hat er sie auch noch in einem Buch mit dem Namen "Does IT Matter?" erweitert. Das Fragezeichen im Titel lässt auf ein gewisses Zurückrudern schließen, aber Carrs Aussage hat sich nicht wesentlich verändert. Sie muss noch mal auseinander genommen werden.

Weil ich kein Abonnent der auf toten Bäumen gedruckten Ausgabe bin, habe ich Carrs Artikel für sieben Dollar bei Amazon.com gekauft. Innerhalb von Minuten habe ich ihn als .pdf-Datei erhalten. Carrs neues Buch wird ebenfalls bei Amazon angeboten - ganz klar das Ergebnis einer Unternehmensstrategie, die Informationstechnologie einsetzt. Wir stellen fest: Für Harvard selbst scheint IT wichtig zu sein.

Carr selbst hat eine Website, nicholascarr.com. FĂĽr ihn scheint IT ebenfalls wichtig zu sein.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: IT ist fĂĽr jeden wichtig.

Wie wichtig IT ist, habe ich Frank Gens gefragt, einen Vizepräsidenten bei dem Technologie-Marktforschungsriesen IDC (eine Offenlegung: IDC gehört IDG, und ich bin im Aufsichtsrat dieses Unternehmens). IDC schätzt, dass im Jahr 2003 weltweit 1,9 Billionen Dollar in Informationstechnologie inklusive Telekommunikation investiert wurden; in diesem Jahr sollen es, trotz Carr, zwei Billionen werden.

Laut einer IDC-Untersuchung verbringen Führungskräfte aus dem Nicht-IT-Bereich 20 Prozent ihrer Zeit damit, über IT nachzudenken. Verschwenden die ihre Zeit? Wieder Carr zum Trotz sagen 60 Prozent von ihnen, dass die strategische Bedeutung von IT zunimmt; nur zwei Prozent sagen das Gegenteil. Carr mag einwenden, dass diese Leute mit ihren Harvard-MBAs dumm sind oder fehlgeleitet, aber 55 Prozent von ihnen glauben, dass ihre Unternehmen verstärkt Informationstechnologie einsetzen sollten. 43 Prozent finden, dass der Grad des Einsatzes genau richtig ist; nur zwei Prozent gaben an, dass IT weniger stark verwendet werden sollte.