Stark reizend
Umweltschützer, Manager und Behörden - die geplanten neuen Regelungen sind von allen Seiten unter Beschuss. Doch vielleicht kommt ohnehin noch alles ganz anders als erwartet
- Beatrice Lugger
(Zusammenfassung aus Technology Review Nr. 7/2004)
Mit einem neuen Regelwerk zur Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien, genannt REACH, will die EU ihr Chemikalienrecht ab 2006 vollständig umbauen. Die Hersteller selbst sollen zukünftig Informationen über das Verhalten ihrer Produkte in der Umwelt und deren Verträglichkeit für Menschen und Tiere liefern.
Dabei soll jede Verbindung entlang der gesamten Produktionskette verfolgt und auf ihre Sicherheit in der Anwendung überprüft, besonders gefährliche Chemikalien durch Alternativen ersetzt werden. Bisher unterlagen solchen Auflagen nur Stoffe, die nach 1981 neu auf den europäischen Markt gekommen sind: ganze 3267 Substanzen. Über 100.000 Chemikalien aber waren schon vor diesem Stichjahr im Gebrauch und sind es bis heute.
Die Neubewertung der Chemikalien kostet Zeit, Geld und das Leben von Millionen Versuchstieren. Außerdem streiten Experten darüber, wie man am besten die Gefahren einschätzt, die für Mensch und Umwelt von einer Chemikalie ausgehen.
Der jüngste Vorschlag zu REACH vom Oktober 2003 wird bereits von allen Seiten fundamental kritisiert. Industrie, Parteien, Ämter, Umwelt-, Verbraucher- und Tierschützer - alle haben von ihrem jeweiligen Standpunkt aus etwas an dem Regelwerk auszusetzen. Ein Vertreter der Chemiebranche geht ohnehin davon aus, dass "die Beratung komplett neu aufgerollt wird", wenn im Oktober das neue EU-Parlament samt der Vertreter aus den neuen Mitgliedsstaaten zum Zuge kommt. (sma)