Aus die Maus

Endlich habe ich die Kontrolle ĂĽber das Wetter.

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Lesezeit: 13 Min.
Von
  • David Kushner
Inhaltsverzeichnis

Foto: Timothy Archibald

Ich stehe vor einem grĂĽnen Hintergrund in einem fensterlosen Studio beim Technologie-Unternehmen Cybernet Systems. Eine Digitalkamera filmt mich und schickt die Bilder in Echtzeit auf einen Fernsehmonitor, auf dem eine typische Wetterberichtszene aus den Abendnachrichten zu sehen ist. Und da stehe ich, vor einer Karte des Mittleren Westens. Ich strecke meinen Arm aus und drehe meine Hand ĂĽber der Markierung fĂĽr Detroit, und schon wird ein Bild der Stadt aufgebaut. Tja, es sieht nach einem regnerischen Tag aus, Leute.

Willkommen bei GestureStorm, einem von Cybernet entwickelten Software-System, mit dem Fernseh-Wetterfrösche die Karten für ihre Vorhersagen mit einfachen Handbewegungen steuern können - ohne Drähte, ohne Knöpfe. Eine Geste zaubert Regentropfen auf den Bildschirm, eine andere erzeugt einen Tornado. Und wenn es nach einer ganzen Menge von Leuten geht, ist das erst der Anfang: Technologie zur Gesten-Erkennung könnte die Fernbedienung dieses Jahrtausends werden - ein natürliches, befreiendes Mittel zur Interaktion mit all den digitalen Geräten, die uns umgeben. Denken Sie nur an "Minority Report”: In diesem Film steht Tom Cruise vor einem futuristischen Display, und winkend und zeigend navigiert er sich durch eine Reihe von Bildern und Dokumenten. Einst pure Science-Fiction, halten solche Möglichkeiten jetzt Einzug in die reale Welt.

Als erster Fernsehsender setzte WKMG aus Orlando im US-Bundesstaat Florida das im vergangenen Dezember vorgestellte Cybernet-System ein. Im Juli 2003 brachte Sony Computer Entertainment EyeToy auf den Markt, ein Zusatzgerät zur Spielekonsole Playstation 2, das mit Hilfe von Software und einer einfachen Digitalkamera den Spieler als Videobild in die Szenerie integriert. Es ist sogar möglich, das Spiel so zu steuern: Statt den Gegner via Joystick auszuschalten, versetzt man ihm einfach vor der Kamera einen Karateschlag. Noch in diesem Jahr wollen außerdem zwei Unternehmen virtuelle Tastaturen zur Bedienung von Taschencomputern und sogar Auto-Elektronik mittels Gesten auf den Markt bringen. Wenn es nach Cybernet-Gründer Charles Cohen geht, ist die Zeit jetzt reif.

Ich erzeuge ein paar Sturmwolken über Detroit und verstehe, was er meint. Allerdings: Wettermann spielen ist die eine Sache, Gesten-Erkennung auf andere Bereiche im täglichen Leben anzuwenden die andere - das mussten auch Cohen und andere Pioniere in diesem Bereich schon feststellen. "Ich weiß noch nicht, was die Killerapplikation dafür werden wird”, räumt er ein.

Vielleicht kann ein vierjähriges Kind am besten zeigen, wie die Killerapplikation aussehen könnte. Um das zu probieren, schließe ich an meine Playstation ein EyeToy an. Intuitiv zu bedienen, spaßig und körperlich, steht das unauffällige Teil für das Versprechen von Geräten zur Gesten-Erkennung - und dieses Versprechen ist Freiheit, Freiheit von Controllern mit 14 Knöpfen, von Tastaturen, Mäusen und Kabeln. "Alle sind sich darüber einig, dass Tastaturen nicht unbedingt die optimale Schnittstelle darstellen”, sagt Joe Laszlo von der Technologie-Marktforschungsfirma Jupiter Research.