Ich ist mein Avatar

DrauĂźen herrscht Ă–de, aber im Computer tobt das Leben. Mit diesem Versprechen wollen die Betreiber kĂĽnstlicher Online-Welten die Massen anlocken.

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Lesezeit: 2 Min.
Von
  • David Kushner

(Zusammenfassung aus Technology Review Nr. 8/2004)

Smileys sind tot - es leben die Avatare! Mit steigender Rechenleistung verändert sich die textbasierte Kommunikation im Internet hin zur lebensechten Interaktion in simulierten Welten. Teilnehmer dieser Welten legen sich ein digitales Alter Ego, einen so genannten Avatar zu.

Avatar ist ein Begriff aus der hinduistischen Lehre und bezeichnet dort die Inkarnation eines Gottes auf Erden. Die Avatare der Neuzeit sind Inkarnationen der Nutzer in digitalen Welten. Das Erscheinungsbild eines Avatars richtet sich ganz nach dem Belieben der User und den Bedingungen der simulierten Welt.

Die Idee künstlicher Welten ist älter als die Möglichkeit ihrer Realisierung im Sinne einer Virtual Reality. Schon Ray Bradbury und William Gibson haben sie zum Gegenstand ihrer literarischen Werke gemacht. Aber erst seit kurzem besitzen Computer und Internetanschlüsse genug Kapazität, dass die Teilnahme an solcherart modellierten Welten über die Befriedigung technischer Neugier hinaus interessant wird.

Bedienen Simulationen wie EverQuest nicht nur, aber auch die klassische Rollenspielklientel, sind die virtuellen Welten von Firmen wie "There" oder "Second Life" nicht als Spiel im eigentlichen Sinne konzipiert: Sie sollen einfach als Begegnungsstätten im virtuellen Raum dienen. Die Teilnehmer dort wollen keine Drachen jagen oder mit Lara Croft die Welt retten. Sie hängen dort gemeinsam herum, kurven auf Hoverboards durch die Gegend und stylen sich ihrem virtuellen Geldbeutel entsprechend. Virtuelles Geld kann durch Geschäfte oder kleine Aufgaben verdient werden.

Gerade in der wirtschaftlichen Interaktion haben diese Welten auch Schnittpunkte mit der realen Welt. Gegenstände, die in virtuellen Welten erworben werden, werden schon auf eBay oder systeminternen Tauschbörsen gehandelt, wobei ein bestimmter Prozentsatz des Umsatzes an die Betreiber geht. Doch es bleibt die Frage nach der dauerhaften Finanzierung. Bisher funktionieren die Systeme auf Abonnementsbasis. Aber auch die US Army verschafft den Unternehmen Einnahmen, indem sie die Entwicklung eigener Simulationen in Auftrag gibt.

Es bleibt die Frage, ob es genug Interessenten fĂĽr ein zweites Leben im digitalen Raum gibt, denn der Vorteil digitaler, textbasierter Kommunikation ist eben Schnelligkeit und Einfachheit. (sma)