Kommunen fördern E-Commerce für Tante-Emma-Läden
Der scheinbar grenzenlose Fortschritt des E-Commerce hat auch seine Schattenseiten: Immer mehr kleinere Einzelhändler bangen um ihre Zukunft. Die Städte und Gemeinden schaffen nun gemeinsame "virtuell-lokale" Marktplätze.
Vorbei sind offenbar die Zeiten, in denen man sich noch selbst bewegen musste, um irgendetwas zu kaufen. Jeder Internet-Vertraute kann mittlerweile von zu Hause aus bequem seine Bankgeschäfte erledigen, den nächsten Urlaub buchen und sogar Milch einkaufen – alles per Mausklick. Doch der scheinbar grenzenlose Fortschritt hat auch seine Schattenseiten: Immer mehr kleinere Einzelhändler bangen um ihre Zukunft.
"Uns treibt die Sorge, dass der Einzelhändler vor Ort die Auswirkungen des Onlinehandels in den nächsten Jahren zu spüren bekommt", sagte Hans Eveslage, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Und es scheint, als ob das Internet- Shopping seinen größten Boom noch vor sich hat. Im Moment liegt der Gesamtumsatz im Jahr 2000 bei bundesweit 8,6 Milliarden Mark. Schon im nächsten Jahr soll er sich mehr als verdreifachen, sagen die Experten.
Eveslage befürchtet, dass gerade die örtlichen Geschäfte große Probleme bekommen, im virtuellen Konzert mitzuspielen – denn wer denkt schon beim Online-Einkauf als erstes an den Tante-Emma-Laden um die Ecke. Hier scheinen die Internet-Angebote der großen Konzerne attraktiver. "Wir müssen die Kleinbetriebe und deren Marketing-Aktivitäten zusammen mit der Gemeinde bündeln. Das ist die einzige Chance, um die Einkaufskraft vor Ort zu stärken", sagt Thorsten Bullerdiek, Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes.
Der Verbund hat nun zusammen mit örtlichen Banken, Einzelhändlern, Versicherungen und anderen einen "virtuell-lokalen Marktplatz" geschaffen. Die Adresse ist die jeweilige Stadt oder Gemeinde mit der Endung "4U.de". Dieses Leitsystem soll sich irgendwann durch ganz Deutschland ziehen. In Niedersachsen sind seit August schon rund 70 Gemeinden dabei, weitere sollen folgen. Träger der Initiative ist der Gemeindebund Niedersachsen, in denen Städte- und Gemeindebund und der Städtetag sehr eng zusammenarbeiten.
"Es handelt sich hier natürlich um einen langwierigen Prozess, deshalb können wir nach so wenigen Wochen noch nicht sagen, ob und wie gut es ankommt", gibt Bullerdiek zu bedenken. Genau hier liegt ein weiteres Problem: Der Werbeaufwand, um www.gemeinde4U.de ins Bewusstsein der Menschen zu bringen, ist groß. Doch mit diesem neuen Angebot können Menschen in ihrer Region in den ihnen bekannten Geschäften rund um die Uhr einkaufen. So können beispielsweise auch Reklamationen schneller und persönlicher geklärt werden. "Wir können nur abwarten und sehen, wie es angenommen wird. Aber wer hier nichts macht, ist in jedem Fall raus", meinte Bullerdiek. (Michael Kück, dpa) (jk)