Hollywoods neue Gesichter

Der maskierte Mann im rot-blauen Anzug reitet auf einer durch die Innenstadt rasenden Hochbahn, und er hat Probleme.

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Von
  • Gregory T. Huang
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Foto: Sony Pictures Imageworks

Der maskierte Mann im rot-blauen Anzug reitet auf einer durch die Innenstadt rasenden Hochbahn, und er hat Probleme. Nicht nur muss er sich gegen einen verrückten Wissenschaftler wehren, der ihn mit Roboter-Tentakeln töten will - er will obendrein die Passagiere im Zug retten. Der Superheld Peter Parker, besser bekannt als Spider-Man, erledigt solche Jobs notfalls an einem Tag - aber für ein Spitzenteam von Computergrafik-Experten bedeutete das monatelange Arbeit.

Millionen Kinogänger ließen sich in diesem Sommer von der Actionsequenz aus dem Film "Spider-Man 2" begeistern. Betrachtet man den Bösewicht Doctor Octopus (gespielt von Alfred Molina) genauer, dann sieht man ihn schreien und wahnsinnig grinsen, während er sich auf dem Zug vorwärts kämpft. Später in der Szene verliert Spider-Man (Tobey Maguire) seine Maske, als er sich gegen den Zug stemmt und ihn quietschend zum Stehen bringt. Die ganze Zeit über wirken seine wilden Gesichtsausdrücke vollkommen realistisch. Doch was auf der Leinwand zu sehen ist, sind nur Schöpfungen eines Computers bei Sony Pictures Imageworks in Kalifornien.

"Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir wirklich alles mit Computern generieren können - vom zersplitterten Glas im Zug bis hin zu den Gebäuden, Schienen und Personen", sagt Mark Sagar, einer der Computergrafik-Verantwortlichen für "Spider-Man 2" und Experte für digitale menschliche Gesichter. Er deutet auf die Szene mit dem Zug auf seinem Bildschirm. "Achten Sie darauf, was die Kamera macht. Zuerst folgt sie schnell dem Zug, dann filmt sie die Darsteller von unten, dann von vorn und schließlich aus der Totalen. Wie wollen Sie so was mit einer echten Kamera hinbekommen?"

Fotorealistische digitale Gesichter, die auf der Leinwand oder als Standbild wie echt aussehen, gehören zu den letzten Herausforderungen im Bereich der Computergrafik. Bis vor kurzem noch wirkten sie bei näherem Hinsehen künstlich; deshalb verwendete man sie nur in schnell wechselnden Szenen oder im Hintergrund. Das Problem liegt darin, dass wir eine sehr ausgeprägte Vorstellung davon haben, wie ein menschliches Gesicht auszusehen hat - es ist viel einfacher, das Publikum mit einem computergenerierten Dinosaurier zu täuschen als mit einem digitalen Menschen. Aber Fortschritte in der Berechnung von Haut und in der Beleuchtung digitaler Szenen sowie die Analyse von Aufnahmen echter Darsteller als Referenz haben dazu geführt, dass Künstler und Programmierer mittlerweile die volle Kontrolle über Oberflächen und Bewegungen in einem digitalen Gesicht haben.