Der Fernseher ist ausgewachsen

Seit sie erfunden wurden, sind Fernseher immer größer geworden. Jetzt gibt es Anzeichen dafür, dass keine größeren Bildschirme mehr zu erwarten sind.

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Von
  • Eric S. Brown
Inhaltsverzeichnis

Am Vorabend der amerikanischen Baseball-World Series entschied ich mich dazu, ein bisschen "Wishful Shopping" zu betreiben und mir die neuesten High-Definition-TV-Geräte anzusehen - in der Hoffnung, auf einem solchen die ewig währende Dominanz meines Red-Sox-Teams noch ausgiebiger feiern zu können. Nach einer Stunde des Herumwanderns zwischen gigantischen Ausstellungsstücken mit Technik-Akronymen wie LCD, CRT, LCOS oder DLP darauf war ich erst einmal verwirrt. Zurück bei mir zuhause kamen mir dann zwei Fragen: Wo bekomme ich 4000 Dollar für einen Fernseher her? Und habe ich überhaupt Platz dafür?

Seitdem das Fernsehen in den frühen Fünfzigern damit begann, unsere Gehirnzellen in Beschlag zu nehmen, hat die Bildschirmgröße der TV-Geräte ständig zugenommen. Den stärksten Boom gab es im vergangenen Jahrzehnt, als die Amerikaner immer dicker und ihre Autos immer größer wurden. Jüngste Rückschläge im Markt der Riesen-Fernseher zeigen nun aber, dass die TV-Geräte offenbar ihr praktisches Größenlimit erreicht haben.

Besonders beliebt sind in den USA derzeit Rückprojektionsgeräte, in deren Inneren ein Videoprojektor arbeitet, dessen Bild über Spiegel auf die mehrschichtige Projektionsscheibe gebeamt wird. Sie sind flacher als ihre Röhrenkollegen, aber sie nehmen langsam ganze Wände eines Raumes in Beschlag. Das beschränkt dann nicht nur die Auswahl bei der Wohnzimmereinrichtung, sondern erfordert auch eine Raumtiefe, die groß genug ist, um den Fernseher noch komfortabel betrachten zu können. Besitzer eines Eigenheimes in der Vorstadt haben vielleicht einen eigenen Raum dafür übrig, aber die meisten TV-Besitzer, insbesondere außerhalb der Vereinigten Staaten, leben in engeren Verhältnissen.

All das kommt einem in den Sinn, wenn man hört, das Intel Ende Oktober offiziell Pläne begraben hat, einen eigenen LCOS-TV-Chip (LCOS steht dabei für "Liquid Crystal on Silicon") einzuführen, den das Unternehmen im Januar angekündigt hatte. Als Grund wurden zu hohe Forschungsausgaben und zu geringe mögliche Verkaufserlöse genannt. Dieser Rückzug folgt einer Ankündigung von Philips am 5. Oktober, dass auch diese Firma aus dem LCOS-Fernsehgeschäft aussteigt. Und Toshiba zog sich ebenfalls in diesem Jahr aus dem Markt zurück.

Die LCOS-Technik konkurriert im Rückpro-Markt mit Geräten, die auf der DLP-Technologie von Texas Instruments (DLP steht dabei für "Digital Light Processor") basieren. LCD-basierte Rückpro-Fernseher bieten eine günstigere Alternative, haben aber nach wie vor Probleme, die Farbe Schwarz korrekt darzustellen. So wie die LCD-Technik nutzt LCOS Flüssigkristalle, um Licht zu modulieren, DLP setzt dagegen auf sehr kleine Spiegel. Im Gegensatz zu LCDs sind LCOS-Systeme vollständig reflektiv, was eine höhere Qualität ermöglicht. Gegenüber DLP hat LCOS den Vorteil, dass die Technik noch kleinere Pixel und damit höhere Auflösungen ermöglicht. Intels Chip sollte eine echte HDTV-Auflösung mit 1920 mal 1080 Pixeln unterstützen, während DLP normalerweise auf die ein Megapixel-HDTV-Auflösung (1280 mal 768) begrenzt ist. Obwohl es keinen festgelegten Zusammenhang zwischen Auflösung und Bildschirmgröße gibt, tendieren Displays mit höherer Auflösung dazu, größer zu sein. Von Intel-basierten Fernsehern hatte man daher erwartet, dass sie sich eher in der Liga von 50 Zoll und mehr bewegen anstatt wie die meisten DLP-Systeme zwischen 40 und 50 Zoll.