Nach Landung: Rekord-Kosmonaut Padalka träumt von 1000 Tagen im All

Drei Raumfahrer haben wieder festen Boden unter den Füßen. Problemlos landet ihre Kapsel in Kasachstan. Russlands Raumfahrtchef Komarow begrüßt persönlich einen neuen Rekordhalter. Dessen Weg führt von der Schwerelosigkeit zunächst zum Friseur.

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Die Landung der Sojus-Kapsel

Die Landung der Sojus-Kapsel

(Bild: ESA–Stephane Corvaja, 2015)

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  • dpa

Mit seinem jüngsten Aufenthalt auf der ISS hat der russische Raumfahrer Gennadi Padalka insgesamt 878 Tage und 11,5 Stunden im All verbracht – mehr als jeder andere Mensch zuvor. Die Sojus-Kapsel mit ihm und zwei weiteren Besatzungsmitgliedern der Internationalen Raumstation ISS setzte am Samstag wie geplant in der früheren Sowjetrepublik Kasachstan auf, wie die Flugleitzentrale bei Moskau mitteilte. Für seinen Rekord benötigte Padalka seit 1998 fünf Raumflüge. Bei der nun beendeten Mission arbeitete der 57-Jährige seit März auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde.

Padalka kam aber nicht nur mit einem Rekord zurück – sondern auch mit längeren Haaren. Als einer von wenigen Raumfahrern lässt er sich auf der ISS niemals die Frisur stutzen. "Suchen Sie darin kein Geheimnis. Ich mag es eben nicht", sagte der Kosmonaut. Vom Leben in der Schwerelosigkeit hat er längst nicht genug: "Wer im Kosmos war, möchte wieder dorthin. Ich hoffe sehr, ich darf noch einmal starten und bekomme die 1000 Tage voll." Auf der Raumstation arbeiten nun noch sechs Raumfahrer: drei Russen, zwei US-Amerikaner und ein Japaner.

Mit Padalka waren der Däne Andreas Mogensen und der Kasache Aidyn Aimbetow zurückgekehrt. Beide verbrachten je zehn Tage auf dem Außenposten der Menschheit. Rund dreieinhalb Stunden nach dem Abdocken von der ISS war die Sojus am Samstag gegen 2.52 Uhr MESZ (6.52 Uhr Ortszeit) zu Boden gegangen. Ein Bergungsteam half den Raumfahrern aus der engen Kapsel zu Klappsesseln, von wo sie in die Kameras winkten. Russlands Raumfahrtchef Igor Komarow gratulierte Padalka am Landeort rund 146 Kilometer südöstlich der Stadt Scheskasgan und überreichte ihm der Tradition gemäß einen Apfel, Symbol für die Erde.

Der Kosmonaut, der einen Teil seines Wehrdienstes in der damaligen DDR ableistete, überbietet den bisherigen Rekordhalter Sergej Krikaljow um 75 Tage. Raumfahrer mit dem längsten Non-Stop-Flug bleibt der Russe Waleri Poljakow mit 437 Tagen (1994/95).

Mogensen flog von Kasachstan nach Köln, wo er von Europas deutschem Raumfahrtchef Jan Wörner begrüßt wurde. Der erste Däne im All hatte unter anderem Lego-Spielfiguren zur ISS gebracht. Zudem schaffte er es in einem spektakulären wissenschaftlichen Versuch, von der Raumstation aus einen Roboter auf der Erde zu bewegen. Aimbetow hatte bei seinem Flug ins All auch Spezialitäten seiner Heimat im Gepäck, zum Beispiel Stutenmilch. Der Kasache war für die britische Sängerin Sarah Brightman eingesprungen. Die Sopranistin ("Time To Say Goodbye") wollte als zahlende Weltraumtouristin zur ISS fliegen, sagte jedoch während der Ausbildung aus privaten Gründen ab. (mho)