Schnee: Geheimnisse der weißen Pracht
Manche finden eine Schneedecke im Winter einfach nur schön. Andere untersuchen sie genauestens.
- Michelle Delio
Wenn sich jemand mit Schnee auskennt, dann Matthew Sturm. Als Polarforscher und Wissenschaftler am Cold Regions Research and Engineering Laboratory des US-Army-Ingenieurskorps hat Sturm große Teile seines Lebens damit verbracht, das schöne und doch oft störende winterliche Weiß zu verstehen.
Studienmaterial gibt es reichlich. Schnee bedeckt in einem typischen Winter mehr als die Hälfte der nördlichen Hemisphäre und hält wenige Wochen bis zu 8 Monate lang die Stellung. Will man ihn wie Sturm ernsthaft erforschen, ist das wesentlich komplizierter als der übliche Winter-Zeitvertreib, das Wachsen und Schmelzen der Schneehaufen zu beobachten.
Die Aufgabe von Sturms Labor liegt darin, Wissen über die kalten Regionen zu gewinnen und es für das Militär umzusetzen. Diese Forschung umfasst das Testen von Material und Einsätzen auf verschneiten Kampfplätzen ebenso wie die Beschäftigung mit den Auswirkungen von Kälte auf Bauten im militärischen und auch im zivilen Bereich. Derzeit interessiert sich das Militär zwar eher für Kämpfe in der Wüste als im Schnee. Aber die Army-Ingenieure forschen trotzdem weiter daran, welche Einflüsse Schnee auf die Umwelt hat.
Das ist durchaus keine leichte Aufgabe, denn Schnee ist alles andere als einfach nur gefrorenes Wasser. Vielmehr handelt es sich um komplexes geschichtetes Material, das direkt und unmittelbar auf das Erdklima einwirkt, sagt Sturm.
"Ich wäre schon seit Jahren arbeitslos, wenn die Schneedecke eine ebene, homogene Schicht mit leicht zu erfassenden Eigenschaften wäre", sagt Sturm. "Schauen Sie nach dem nächsten Schneefall einfach mal in Ihren Garten: Schneewehen an einer Stelle, eine dünne Decke an einer anderen. Und dort, wo der Boden wärmer ist, schmilzt der Schnee. Diese Unterschiede können die entscheidenden Wechselwirkungen mit dem Schnee und die Veränderungen von Wärme, Wasser und Licht steuern."
Laut Sturm müssen Wissenschaftler diese Ungleichmäßigkeiten verstehen und auf realistische Weise mit ihnen arbeiten können. Ansonsten seien ihre Vorhersagen fehlerhaft -- und die reichen von Aussagen über die Auswirkungen von Schnee auf das globale Ökosystem bis hin zu Vorschlägen für Bauvorschriften, damit Dächer unter der weißen Last nicht zusammenbrechen.
Was die meisten Leute von einem Wintertag zum nächsten interessiert, ist allerdings eher das Wetter und ob es schneien wird -- und wenn ja, wie viel. Aber genau das bereitet den Wetterfröschen Albträume, sagt John Cannon, Meteorologe am amerikanischen National Weather Service: Schnee fällt in schmalen geografischen Streifen -- oft sind sie kleiner als die Raster selbst der fortschrittlichsten Vorhersagemethoden. Und schon ein Temperaturabfall von weniger als einem Grad kann dafür sorgen, dass statt des erwarteten Regens Schnee die Erde erreicht.