Digitale Videorekorder: Das Drama um Tivo

In den USA ist "Tivo" längst zum Synonym für leicht bedienbare digitale Videorekorder, mit denen man TV-Programme unterbrechen und zeitversetzt sehen kann, geworden. Doch die Zukunft des Unternehmens ist ungewiss.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Eric Hellweg
Inhaltsverzeichnis

Für Tivo, den im kalifornischen Alviso sitzenden Spezialisten für digitale Videorekorder, dürften die letzten paar Wochen mit die schlimmsten seit seinem Bestehen gewesen sein. Innerhalb von knapp 14 Tagen traten der Vorstandschef und der Präsident des Unternehmens zurück, und der Kurs der Tivo-Aktien fiel um volle 20 Prozent.

Manche sehen bereits das Ende des Unternehmens voraus: "Wer kauft Tivo zum Schrottwert?", fragte beispielsweise Kevin Werbach, Wirtschaftsprofessor an der Wharton School und Technologieanalyst, in seinem Weblog.

Aus rein finanzieller Perspektive betrachtet wäre es allerdings zu früh, einen Nachruf auf Tivo zu schreiben. Im vergangenen Quartal verfügte das Unternehmen noch über 88,5 Millionen Dollar an Barbeständen, während der Schuldenstand nur 7,3 Millionen Dollar betrug.

Am vergangenen Freitag musste das Unternehmen allerdings mitteilen, dass eine groß angelegte Werbekampagne, die die Abonnentenzahl im Weihnachtsgeschäft steigern sollte, nur unterdurchschnittliche Resultate lieferte. 50 Millionen Dollar gab Tivo für Werbung aus, außerdem wurde der Preis des Gerätes auf 99 Dollar gesenkt. Zum Must-Have-Geschenk unterm Weihnachtsbaum wurde sein digitaler Videorekorder trotzdem nicht. Stattdessen konnte Tivo nur seine alte Vorhersage von 200.000 bis 270.000 Neuabonnenten bestätigen -- für viele eine große Enttäuschung.

Die Tivo-Investoren reagierten allerdings positiv - die Aktie stieg nach Bekanntgabe der Zahlen etwas. Wahrscheinlich war ein noch schlechteres Ergebnis erwartet worden. Und tatsächlich sind selbst Analysten, die an Tivos Überleben glauben, recht vorsichtig mit Prognosen.

"Viele denken, dass Tivo grade dabei ist, von 100 auf 0 zu gelangen", sagt Daniel Ernst, ein Analyst bei Hudson Square Research. "Ich würde die Firma aber noch nicht abschreiben." Er erwarte, dass Tivo im laufenden Quartal um lediglich "20 Basispunkte" zulegen kann, was einem Marktanteilsgewinn von 39,2 auf 39,4 Prozent gleichkäme. Die Rakete der 50-Millionen-Dollar-Werbekampagne zündete also nicht.

Andere Beobachter sehen nur eine Zukunft für die Tivo-Technologie. Die Zukunft des Unternehmens selbst sehen sie wesentlich schwärzer. "Wenn Tivo verschwindet, hätte das keinen Einfluss auf den Gesamtmarkt", sagt Michael Paxton, Analyst beim Marktforscher InStat/MDR. "Andere Firmen haben die Technik längst aufgegriffen. Außerdem existieren genügend andere Programmführer mit den gleichen Funktionen -- und bessere Geschäftsmodelle."