Strom aus dem Ozean
Meeereswellen könnten schon bald zur verlässlichen Energiequelle werden.
- John Gartner
Die Wellen des Ozeans stellen eine verlässliche Energiequelle dar, die sich leicht nutzen ließe, ohne dass dies große Auswirkungen auf die Umwelt hätte. Dennoch verfolgt die US-Regierung diese erneuerbare Energiequelle bislang nicht. Dabei zeigen jüngste Fortschritte bei der Technologie, dass die Wellenkraft demnächst durchaus mit anderen erneuerbaren Energien konkurrieren könnte -- und das mit relativ geringen Investitionen.
Bei den Wellenenergie-Systemen werden Objekte auf der Wasseroberfläche platziert, die dann durch das Auf und Ab der Wellen Energie produzieren. Die Wellen bewegen dabei beispielsweise Bojen oder Zylinder, über die dann wiederum Generatoren angetrieben werden. Die Elektrizität fließt anschließend über Unterseekabel an eine Station an der Küste.
Verschiedene Firmen wie Ocean Power Delivery, AquaEnergy Group und Ocean Power Technology haben Prototypen entwickelt, die laut Angaben der Unternehmen inzwischen soweit sind, entlang den US-Küsten aufgestellt zu werden. Die mögliche Energieausbeute kann dabei sogar deutlich über dem liegen, was man von konkurrierenden "sauberen" Verfahren wie Sonne, Wind oder Wasserkraft kennt. Das geht aus einer aktuellen Studie des Electric Power Research Institute (EPRI) hervor, einer Forschungseinrichtung der US-Energiekonzerne.
Laut der Untersuchung, die im Januar 2005 erschien, liegt die gesamte Wellenkraft an den Küsten der USA bei ungefähr 2100 Terrawattstunden pro Jahr -- zehnmal soviel Energie, wie derzeit in dem Land durch Wasserkraft erzeugt wird. Außerdem entsprechen 2100 Terrawattstunden pro Jahr ungefähr dem Gesamtoutput aller US-Kohlekraftwerke. Wellenkraft-Systeme könnten zudem mit kleinerer und günstigerer Ausrüstung betrieben werden, als dies bei Sonnen- und Wind-Energiesystemen der Fall ist, berichtet Roger Bedard, der die EPRI-Studie durchführte.
Die Wellenkraft sei unter jenen Systemen, die der Umwelt am wenigsten schadeten. Außerdem sei sie weniger sichtbar als Offshore-Windparks. Die benötigte Fläche sei kleiner und auch der Einfluss auf die Meeresbewohner geringer. Laut Bedard benötigt die Wellenkraft außerdem geringere Investitionen, weil die heranzuschaffende Ausrüstung wesentlich leichter sei, als die bei Offshore-Windparks. Allerdings habe die Privatwirtschaft bislang mit Investitionen gezögert, weil die Kosten für eine Demonstrationsanlage hoch seien und es Jahre dauern könne, bis man überhaupt eine Genehmigung der Regierung erhalte.