Gestaute Energie
Sie ist regenerativ und effizient, kann aber auch ganze Regionen und Ökosysteme zerstören
- Roland Wengenmayr
Wasser ist ein vielseitiges Element. Es löscht nicht nur den Durst, sondern hilft auch, den Energiehunger der Menschheit zu stillen. Schon seit dem späten 19. Jahrhundert sorgt Wasser für Strom. Heute liefert es knapp 18 Prozent der weltweit erzeugten elektrischen Energie und liegt damit fast gleichauf mit der Kernkraft. Wasserkraft ist die einzige erneuerbare Energiequelle, die nennenswert zur Versorgung der Erdbevölkerung beiträgt. Sonne, Wind, Erdwärme und Biomasse zusammen dümpeln dagegen noch bei rund zwei Prozent.
Die Wasserkraft erzielt gleichzeitig Traumnoten in der Effizienz. Ihre Turbinen und Generatoren können bis zu neunzig Prozent der Energie, die im fließenden Wasser steckt, in elektrischen Strom umwandeln. Zum Vergleich: Leichtwasser-Reaktoren veredeln gerade mal ein Drittel der Kernenergie in Strom, der Rest ist Abwärme; Kohlekraftwerke schaffen gut 40 Prozent Wirkungsgrad, ein modernes Erdgas-Kombikraftwerk knapp 60 Prozent. In großem Stil eingesetzt, fordert Wasserkraft jedoch auch einen hohen Preis, denn sie kann ganze Landstriche, Ökosysteme und soziale Strukturen verändern. 45 000 Großstaudämme zählte die "Weltkommission für Staudämme" (WCD) im Jahr 2000. Jeder zweite Damm dient der Energieerzeugung. Die WCD schätzt, dass für den Bau weltweit 40 bis 80 Millionen Menschen vertrieben oder zwangsumgesiedelt wurden.
Nichtregierungsorganisationen wie das International Rivers Network prangern solches Vorgehen massiv an. Sie setzten die Weltbank so unter öffentlichen Druck, dass diese sich zunehmend aus der Finanzierung großer Projekte in armen Ländern zurückzog. Inzwischen bringen jedoch neue Finanziers wieder Bewegung ins Spiel. China und Indien etwa, die Nummern eins und drei in der Staudamm-Weltrangliste, bieten sich den kapitalarmen und wasserreichen Ländern als Partner an. Das zwingt auch die Weltbank zu einer Kehrtwende, will sie nicht außen vor bleiben.
In diesem schwierigen Umfeld operiert einer der größten Mitspieler im Wasserkraft-Geschäft. Voith Siemens Hydro Power Generation hat seinen Hauptsitz auf der Schwäbischen Alb im beschaulichen Städtchen Heidenheim. Dort baute der Pionier Friedrich Voith 1870 seine ersten Wasserturbinen. Im Jahr 2000 legten der Maschinenbaukonzern Voith und Siemens ihre Wasserkraftbereiche zu einem Joint Venture zusammen, um auf dem harten Weltmarkt bestehen zu können. Fast 2300 Menschen arbeiten weltweit für das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als einer halben Milliarde Euro. Für gut ein Drittel der auf der Erde installierten Wasserkraftkapazität hat der Konzern Turbinen und Generatoren geliefert.