Fujitsu startet Verkauf von Dienstleistungsroboter
Kurz nachdem Mitsubishi Heavy Industries der Verkaufsstart seines Heim-Roboters "Wakamaru" angekündigt hat, beginnt der japanische Elektronikhersteller Fujitsu mit dem Verkauf seines maschinellen Bürogehilfen "Enon".
- Martin Kölling
In Japan rücken Roboter in Heim und Büros vor. Kurz nachdem Mitsubishi Heavy Industries der Verkaufsstart seines Heim-Roboters "Wakamaru" (TR 2005/4, S. 14) angekündigt hat, beginnt der japanische Elektronikhersteller Fujitsu mit dem Verkauf seines maschinellen Bürogehilfen "Enon". Der 1,30 Meter große, zwei-armige Gesell soll in Büros, Kaufhäusern, Flughäfen und anderen öffentlichen Plätzen Menschen beraten, Gäste führen, Objekte transportieren und Sicherheitspatrouillen durchführen.
Enon, kurz für "exciting nova on network", wird zunächst nur in Japan verkauft. Dort kommt er offenbar trotz seines hohen Kaufpreises an. Allein die Hardware kostet mindestens sechs Millionen Yen (44000 Euro), dazu addiert sich noch die vom Kunden gewünschte Software. "Wir erwarten, bis Ende März 2006 30 Roboter zu verkaufen", sagt Firmensprecherin Amy Ishida zu TR aktuell, "und das ist ein konservatives Ziel. Die Nachfrage ist groß."
Mit dem frühen Beginn der Roboter-Vermarktung wollen Japans Firmen einen riesigen Zukunftsmarkt besetzen. Bis 2010 soll sich der Markt für die Maschinenwesen gegenüber der Jahrtausendwende auf 21 Mrd. Euro verneunfachen, sagt die Vereinigung der japanischen Roboterindustrie voraus. Das größte Wachstumspotenzial wittern die Firmen bei Unterhaltungs- und Dienstleistungsrobotern. Denn in den rapide alternden, kinderarmen Industriegesellschaften können sie viele Hilfsarbeiten übernehmen und die Lebensstile der Menschen bereichern.
Massiv vom Staat gefördert wetteifern etwa 70 universitäre und 30 firmeneigene Projekte, die Kunstwesen zur Marktreife zu entwickeln. Darunter sind solch illustre Namen wie der Unterhaltungs- und Elektronikkonzern Sony und die Autobauer Toyota und Honda. In Japan sind ihre Roboter bereits im Alltag verankert. Sony bespielsweise verkauft bereits seit Jahren den Roboterhund Aibo und lässt seinen zweibeinigen Spielkameraden Qrio in Kinderprogrammen auftreten. Honda wirbt in Fernsehspots und Plakaten mit seinem zweibeinigen Humanoiden Asimo für sich.
Anders als Sony konzentriert sich Fujitsu auf Dienstleistungsroboter. Vor einem Jahr präsentierte die Firma den von Fujitsu Laboratories und Fujitsu Frontech entwickelten ersten Prototypen. Aus Sicherheitsgründen setzte das Unternehmen sein Produkt von Beginn an auf Räder und nicht wie Honda auf Beine. "Zweibeinige Roboter sind zwar mobiler, aber weniger stabil", erklärt Ishida. Seither wurde Enon eingeschrumpft, auf 50 Kilo abgespeckt und mit vielen Features ausgestattet, um sich frei und sicher unter Menschen bewegen zu können. Fujitsu verspricht, dass er sich in einer festgelegten Umgebung mit bis zu drei Stundenkilometern selbstständig bewegen kann. Dazu erfasst Enon mit sechs Weitwinkel- Kameras die Umgebung und gleicht die Informationen mit einer einprogrammierten Karte ab. Daher braucht er zur Navigation keine Wegmarken auf dem Fussboden wie viele andere Roboter. Gleichzeitig nimmt er mit den Kameras und drei Ultraschall- und drei Annäherungssensoren Menschen und Objekte wahr und weicht ihnen aus.
Zur Kommunikation mit seinen Schöpfern dienen Spracherkennungs- und -Syntheseprogramme für Japanisch sowie ein berührungsempfindliches Display. Leuchtdioden im Augen- und Mundbereich simulieren menschliche Mimik, um Enon freundlicher erscheinen zu lassen. Angeschlossen an ein Wireless-LAN kann er Informationen weiterleiten.
Im Gegensatz zu dem Heim-Roboter Wakamaru kann Enon den Menschen richtig zu Hand gehen und mit jedem seiner zwei-Finger-Greifer bis zu 500 Gramm schwere Gegenstände heben. Schwerere Objekte haben in einem kleinen Stauraum Platz. Die maximale Zuladung beträgt zehn Kilogramm. Ein Nickel-Metallhydrid-Akku speichert Enons Energie. Zum Auftanken muss er nicht einmal mehr an die Steckdose angeschlossen werden, das geschieht durch Induktion. Ein großer roter Notknopf unter dem Display lädt Kinder zum Abschalten des Dienstboten ein.
Einen Vertrieb Enons im Ausland schließt Fujitsu nicht aus. "Nach dem wir in Japan Erfahrungen im alltäglichen Einsatz gesammelt haben, werden wir eine Ausweitung der Vermarktung überlegen", sagt Ishida. Angedacht sind schon Sprachprogramme in Englisch, Koreanisch und Chinesisch.
Von Martin Kölling (wst)