Als Archäogamer virtuelle Welten erkunden
Andrew Reinhard ist Archäologe, seine Leidenschaft sind Computerspiele. Als "Archäogamer" will er beides miteinander vereinen.
In Spielen wie "The Elder Scrolls" können virtuelle Kulturen mit ihren Kulturgütern erforscht werden.
(Bild: Andrew Reinhard / Screenshot Elder Scrolls Online)
Viele Menschen begreifen die virtuellen Landschaften und Kulturen in Computerspielen wie "World of Warcraft" oder "The Elder Scrolls" als so natürlich wie ihre reale Umgebung. Auch für den Archäologen Andrew Reinhard haben die Gaming-Welten einen hohen Stellenwert. Er gehört mit seinem Weblog Archaeogaming.com zu einer kleinen Gruppe, die sich als "Archäogamer" bezeichnen. Sie haben ihr Untersuchungsfeld von realen Ausgrabungsstätten auf die Umgebungen in Computerspielen ausgedehnt. "Der Archäogamer ist immer noch ein Wissenschaftler, aber er hat sein steiniges Feld gegen einen Platz vor einem Bildschirm eingetauscht", erklärt Reinhard im Interview mit der Online-Ausgabe der Technology Review.
Gegenstand der Forschung sind die Kulturen und Kulturgüter und wie das damit verbundene Wissen sich entwickelt und von der Community aufgegriffen wird. Es wird aber auch untersucht, wie die Archäologie und Archäologen in Computerspielen durch die Spiele-Entwickler dargestellt werden. Ebenso könne man, laut Reinhard, die Spiele und die Hardware selbst als Artefakte erforschen. Dies sei etwa der Fall bei der sogenannten Atari-Ausgrabung gewesen. Reinhard war 2013 Mitglied des Archäologen-Teams, das hunderte Exemplare des sagenumwobenen Spiels "E.T. the Extra-Terrestrial" auf einer Müllkippe in New Mexico entdeckte.
(Bild:Â Andrew Reinhard)
Momente wie diese sind für den Archäologen besonders spannend. Aber ihn faszinieren ebenso die prozeduralen Spiele, in denen ein Code ganze Landschaften und Kulturen erschaffen kann. Die Methoden und Forschungsfragen der Archäologie der realen Welt möchte er darauf anwenden. "Letztlich ist das eine Vorbereitung auf von Maschinen erstellten Kulturen, in denen noch nicht einmal die Entwickler wissen, wie die Dinge sich entstehen werden", sagt Reinhard. Er erwartet nun die Veröffentlichung des Spiels "No Man's Sky", das das Potenzial der von Computern kreierten Umgebungen zeigen soll.
Das vollständige Interview lesen Sie bei Technology Review Online:
(jle)