Stichwort: Intelligent Design

Die Verfechter von ID wollen die Evolutionstheorie nicht mit Theologie, sondern mit wissenschaftlichen Argumenten erschĂĽttern. Was ist wirklich dran an ihren Argumenten?

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Von
  • Thomas Vasek

In der kommenden Ausgabe (TR 01/2006) werden wir der Diskussion um "Intelligent Design" einen ausführlichen Artikel widmen. Um die aktuellen Ereignisse jedoch einordnen zu können, bringen wir hier jedoch bereits vorab eine Zusammenfassung des geplanten Textes:

Intelligent Design (ID) ist eine religiös motivierte Denkschule, die sich dem Kampf gegen die gottlosen Welterklärungsmodelle der modernen Naturwissenschaft verschrieben hat. Die Verfechter von ID wollen die Evolutionstheorie nicht mit Theologie, sondern mit wissenschaftlichen Argumenten erschüttern. Die Kernidee ist simpel: Das Leben in all seiner Komplexität, vom Vogelflug bis zum menschlichen Auge, könne nicht durch evolutionäre Mechanismen allein entstanden sein.

Unter Evolution versteht man seit Darwin den Vorgang, durch den sich alles Lebendige nach und nach entwickelt hat und weiterhin entwickelt – gemeinsame Abstammung, genetische Variation, Eliminierung der weniger geeigneten Lebewesen durch natürliche Selektion. Die meisten Biologen sehen Darwins Theorie heute als bewiesen an. Im Unterschied zu physikalischen Gesetzen kann man diese historische Evolution, die sich über einen Zeitraum von hundert Millionen Jahren vollzogen hat, jedoch nicht einfach im Experiment beobachten. Zwangsläufig gibt es etwa bei den Fossilfunden Lücken.

Die ID-Verfechter stellen zumeist nicht in Abrede, dass "Mikroevolution" auf der Ebene der biologischen Art stattgefunden hat – sie bestreiten jedoch energisch, dass sich die übergeordnete "Makroevolution" so abgespielt hat, wie es die Darwin'sche Theorie nahe legt. Hochkomplexe Strukturen wie das menschliche Auge lassen sich demnach etwa aus zufallsabhängigen evolutionären Prozessen nicht hinreichend erklären, sondern eben nur durch intelligentes Handeln. Einer der Wortführer der ID-Bewegung, der Mathematiker und Theologe William Dembski behauptet, dass sich in biologischen Strukturen eine Art Signatur dieser Intelligenz nachweisen lässt – eine "spezifizierte Komplexität".

Biologisch Vorgänge lassen sich jedoch nicht ohne weiteres Wahrscheinlichkeiten zuordnen, es gibt keine wiederholten Beobachtungen wie beim mehrfachen Kopf-oder-Zahl-Wurf einer Münze - schon deshalb sehen manche Dembskis Mathematik-Spiele als pseudowissenschaftlichen Unsinn. Seine Kritiker verweisen zudem die sattsam bekannten Bibel-Codes: Dabei geht es um die Behauptung, die Bibel enthalte verschlüsselte Botschaften, etwa Vorhersagen von historischen Ereignissen. Auf den ersten Blick ist das Phänomen verblüffend, da solche Treffer extrem unwahrscheinlich wirken. Inzwischen gibt es für sie jedoch eine wissenschaftliche Erklärung: Aus jedem hinreichend langen Text lassen sich beliebige Muster herauslesen – es kommt nur darauf an, wie und wonach man sucht.

Zudem haben haben Biologen und Informatiker gezeigt, dass evolutionäre Algorithmen ohne externe Intelligenz auskommen. Auch das Verhalten selbstorganisierender Systeme in der Natur, etwa von Ameisenschwärmen, deutet darauf hin, dass komplexe Strukturen ohne jegliches intelligentes Design entstehen können. Noch grundlegender ist jedoch der Einwand, ID sei schlicht unwissenschaftlich, unter anderem, weil sie nicht auf falsifizierbaren Hypothesen beruhen. Unter diesem Gesichtspunkt mag auch die Evolution als wissenschaftliche Theorie Schwächen haben - ihre größte Stärke ist allerdings die Einfachheit ihrer Prinzipien, die mit allen bislang bekannten biologischen Fakten in Einklang steht: Evolution ist eben ungleich plausibler als "Intelligent Design".

"Nach den FuĂźabdrĂĽcken Gottes zu suchen ist nicht notwendigerweise unwissenschaftlich", schreiben die Physiker Mark Perakh und Matt Young in "Why Intelligent Design Fails", einem Sammelband, in dem sich Wissenschaftler verschiedener Disziplinen mit den zentralen Argumenten der ID-Bewegung auseinander setzen: "Unwissenschaftlich ist es nur, ĂĽber die Antwort vorneweg zu entscheiden und nach Gott mit der Absicht zu suchen, ein positives Ergebnis zu erhalten."

Von Thomas Vasek (wst)