Duell der FuĂźball-Simulationen: PES 2016 gegen FIFA 16
Die neue Bundesliga-Saison hat begonnen, die Champions League läuft auch und nun ringen Electronic Arts und Konami um die Krone der Fußballsimulationen. FIFA 16 oder Pro Evolution Soccer 2016 – wer geht dieses Jahr als Sieger vom Platz?
Es ist mal wieder so weit: Das Duell der ständigen Rivalen um die Krone der Fußball-Simulationen steht an. Der ewige Außenseiter Pro Evolution Soccer (PES) fordert den Titelverteidiger FIFA zum Rematch. Sowohl PES 2016 als auch FIFA 16 sind erschienen und Fußballfans auf der ganzen Welt fragen sich: Welches Spiel soll ich kaufen?
TL;DR – Was soll ich denn nun kaufen?
Beide Spiele bauen auf Altbekanntem auf und bringen, abgesehen vom Frauenfußball bei FIFA, nicht viel bahnbrechendes Neues. Außerdem sehen beide Spiele auf dem PC nicht so gut aus, wie sie eigentlich könnten, wenn man sie mit der PS4-Version vergleicht (die Screenshots in unseren Bilderstrecken wurden mit jeweils maximalen Einstellungen auf einem leistungsfähigen Rechner mit einer Radeon R6 Nano erzeugt). Trotzdem gilt: Wer spektakulär aussehende, kurzweilige Matches haben will greift zu PES. Alle anderen sind mit FIFA besser bedient.
Pro Evolution Soccer 2016 (35 Bilder)

Der Herausforderer: Pro Evolution Soccer 2016
Mit Metal Gear Solid V hat Konami bewiesen, was die selbst entwickelte Fox Engine leisten kann. PES 2016 nutzt ebenfalls diese Engine und vermag ein Fußballspiel wunderschön in Szene zu setzen – jedenfalls wenn man sich das Spiel auf der Playstation 4 anschaut. Die PC-Portierung ist eine etwas aufgemotzte Variante der PS3-Version des Spiels. Anhand der Texturen und Beleuchtungseffekte kann man erahnen, wie wunderschön dieses Spiel geworden wäre, wenn die Entwickler das volle Potential der Engine genutzt hätten. Stattdessen enttäuscht die PC-Variante selbst die Besitzer von High-End-Rechnern mit Grafik, die den Werbevideos der PS4-Version nicht gerecht wird.
Schade eigentlich, denn die Steuerung bei PES ist um einiges wuppiger als beim Konkurrenten der FIFA-Serie. Der gesteuerte Spieler scheint geradezu zu erraten, was die Hand am Gamepad vorhat. Pässe, Flanken und Fouls sind spektakulär und jeder Ballwechsel befeuert erneut die Spielfreude. Dank der intuitiven Steuerung macht ein PES-Match von der ersten Minute bis in die Verlängerung einfach nur Spaß. Das Ganze ist so gut inszeniert, dass man fast über den notorischen Mangel an lizenzierten Vereinen hinwegsehen könnte. Aus den deutschen Ligen sind nur die Mannschaften dabei, die momentan in der Champions League antreten.
Somit bietet Pro Evolution Soccer 2016 zwar kurzweiligen, spektakulären Event-Fußball, außerhalb von Champions-League-Matches drückt der Lizenzmangel allerdings stark auf die Langzeitmotivation.
FIFA 16 (35 Bilder)

Der Titelverteidiger: FIFA 16
Mit der neuesten FIFA-Version hält sich Electronic Arts an ein erprobtes Rezept: Umfassende Lizenzen aller wichtigen Ligen und Teams sowie die schönsten Stadien werden durch ausgefeilte Online-Modi und eine über Jahre durchoptimierte Ball-Physik ergänzt. So sehr man auch einem Außenseiter wie Pro Evolution Soccer auch die Daumen drückt, auch mit der diesjährigen Auflage hat PES gegen die FIFA-Serie kaum eine Chance.
Zu den Neuerungen bei FIFA 16 gehört die Einführung von Frauenmannschaften – zum ersten Mal in einer der großen Fußballsimulationen. Spielbar sind 12 Nationalteams, darunter der Rekord-Weltmeister USA und die Frauenauswahl des DFB. Die Frauenmannschaften bringen frischen Wind in die ansonsten konservative FIFA-Reihe. Frauen-Matches spielen sich einen Tick langsamer als Länderspiele bei den Männern, dafür scheinen die Spielerinnen dynamischer im Antritt als ihre männlichen Kollegen. Die Abbildungen der Spielerinnen sind detailgetreu und gut animiert, allerdings haben die EA-Entwickler den Körperbau einiger von ihnen etwas filigraner umgesetzt als in Wirklichkeit. Bei der sonstigen Detailtreue des Spiels erscheint das fragwürdig, schließlich werden ihre männlichen Kollegen auch nicht beschönigt.
Eben jene Detailtreue von FIFA ist es auch, mit der das Spiel über einige Nachteile der eigenen Engine hinauswächst. PES sieht auf der PS4 im Direktvergleich besser aus, aber nach mehreren Stunden Spielzeit fällt auf, dass FIFA 16 diesen Vorsprung durch viele Kleinigkeiten wett macht. Fliegende Grashalme in Replays, liebevoll nachgebaute Stadien und beeindruckende Wettereffekte gehören ebenso dazu wie gelungene Nachbildungen der Sportler. Kleine Eigenheiten der großen Stars sind in Animationen liebevoll nachgebildet und Transfer-Updates der Kommentatoren, welche auf echten Transfers in den Ligen beruhen, erhöhen den Realismus weiter.
Trotz aller Stars und Lizenzen konzentriert sich FIFA 16 beim Spielgefühl auf die alltäglichen Dinge wie Spielaufbau und Positionsfußball. Sensationen sind seltener als bei PES, was auch daran liegt, dass die Torhüter bei FIFA viel intelligenter sind. Selbst ein hart erkämpftes 0:0 kann in so manchem Ligaspiel am Ende Glücksgefühle auslösen. Bei PES ist zwar ein einzelnes Match viel spaßiger, dafür lockt FIFA mit hunderten Stunden Abwechslung. (fab)