Rückschlag für neuartige Netz-Batterie

Viele Start-ups arbeiten an neuen Konzepten für bezahlbare Stromspeicherung im Großmaßstab. Eines der wichtigsten von ihnen musste jetzt eine Enttäuschung wegstecken – gibt aber noch längst nicht auf.

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Von
  • Richard Martin

Viele Start-ups arbeiten an neuen Konzepten für bezahlbare Stromspeicherung im Großmaßstab. Eines der wichtigsten von ihnen musste jetzt eine Enttäuschung wegstecken – gibt aber noch längst nicht auf.

Eines der viel versprechendsten Start-ups für neue Arten der Stromspeicherung im Großmaßstab hat enttäuschende Testergebnisse für seine Technologie bekanntgegeben. Als Reaktion darauf will Ambri, beheimatet im US-Bundesstaat Massachusetts, ein Viertel seiner Belegschaft entlassen und hat den Marktstart seiner Technologie auf einen unbekannten Zeitpunkt verschoben.

Laut dem CEO Phil Giudice liegt das Problem an den Siegeln, mit denen Ambri seine flüssigen Elektroden verschließt. Die Flüssigmetall-Batterien des Unternehmens sind in Stahlkanistern untergebracht, die mit Materialien, die viele Jahre halten, luftdicht verschlossen werden müssen. Die letzten Jahre über hat das 2011 gegründete Unternehmen an dem Thema Versiegelung gearbeitet. Anfang 2015 waren seine Forscher optimistisch, eine Lösung gefunden zu haben. Bei Tests in diesem Sommer jedoch zeigte sich, dass die Siegel nicht so leistungsfähig sind wie erhofft. Jetzt, so Giudice, heißt es zurück ins Labor.

"Wir beschäftigen uns mit einer Lösung in Form von Plan B oder Plan C", sagt Giudice. "Und wir sind zuversichtlich, dass sie sehr gut funktionieren werden. Es sieht viel versprechend aus."

Ambri ist eines von einer ganzen Reihe von Start-ups, die an neuartigen Batterien als Nachfolger für Lihium-Ionen-Akkus arbeiten – insbesondere zur Speicherung und Netzintegration von Strom aus unsteten erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne. Lithium-Ionen-Batterien haben zwar in den letzten Jahren hinsichtlich Lebensdauer wie Kosten deutliche Fortschritte gemacht. Doch sie sind immer noch nicht billig oder haltbar genug, um Energiespeicherung im Versorger-Maßstab zu ermöglichen. Investoren finanzieren mehrere neue Konzepte, die diese Rolle übernehmen könnten, darunter Flow-Batterien und Polymer- oder Salzwasser-Elektrolyte. Unternehmen wie Ambri, Aquion oder Seeo machen zwar Fortschritte, doch noch ist es keinem von ihnen gelungen, eine neue Batterie zu kommerzialisieren.

Die Technologie für das System von Ambri wurde ursprünglich am MIT von dem Materialwissenschaftler Donald Sadoway entwickelt, der heute CTO des Unternehmens ist. Als Elektroden verwendet es zwei flüssige Metalle, getrennt von einem Elektrolyten aus flüssigem Salz. Zu den Finanziers zählen Bill Gates, Khosla Ventures und der französische Ölkonzern Total. Nach den ursprünglichen Plänen sollten Produktion und die Auslieferung von Prototypen bis Ende 2015 oder Anfang 2016 beginnen. Diese Zeitplanung wurde jetzt aufgegeben, was noch einmal zeigt, wie schwierig es ist, eine exotische Batterie-Technologie im erforderlichen Maßstab zu produzieren. Laut Giudice reicht das vorhandene Geld noch für mindestens zwei Jahre, was genügen solle, um bis zu ersten Produkten zu kommen. Das allerdings hänge davon ab, "dass wir die Siegel dazu bringen, dass sie so funktionieren, wie wir es brauchen".

Eine weitere Herausforderung für alle Start-ups im Bereich neuartiger Batterien: Bei Lithium-Ionen-Akkus, die den Markt für Elektroautos und Stromspeicherung in Wohnhäusern derzeit fast für sich allein haben, steigt die Leistung immer weiter; gleichzeitig fallen die Preise, allein in den vergangenen Jahren um etwa 50 Prozent. "Wenn der Rückgang der Preise anhält, könnte der kommerzielle und industrielle Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien zur Energiespeicherung in den nächsten drei bis fünf Jahren wirtschaftlich sinnvoll werden", heißt es in einem neuen Bericht von Moody's Investor Service.

Giudice lässt sich davon nicht beeindrucken. Lithium-Ionen-Batterien hätten den Markt für Energiespeicherung vergrößert und dabei Blei-Säure- und Natrium-Schwefel-Batterien verdrängt – "und unsere Technologie wird den Markt noch weiter wachsen lassen", sagt er. Gegenüber den verbesserten Lithium-Ionen-Batterien, die derzeit verfügbar seien, werde sie sehr gut positioniert sein.

(sma)