IBMs Entscheidung für Lotus läßt StarDivision kalt
Nach der 5 Milliarden DM teuren Lotus-Übernahme rückt IBM deren SmartSuite-Paket zu Lasten des kürzlich lizenzierten StarOffice in das Zentrum der Zukunftsplanungen. StarOffice behauptet sich indes und will nicht ins Hintertreffen geraten.
- Jürgen Fey
Die Ankündigung zur CeBIT hatte für Wirbel gesorgt: IBM will die Technologie der Hamburger Firma StarDivision übernehmen. Aus dem Sourcecode, glänzend geeignet, unterschiedliche Plattformen zu bedienen, entstehe bis zum Herbst ein Office-Paket, das dem des Giganten Microsoft Paroli bieten könnte.
Doch mit der Übernahme von Lotus scheinen sich die Präferenzen verändert zu haben: IBM will den Markennamen Lotus fortführen und beabsichtigt, eigene Produktfamilien wie IBM Workgroup schrittweise in die neue Lotus-Palette zu migrieren.
Marko Börries, Geschäftsführer der Hamburger StarDivision, gibt sich c't gegenüber gelassen. Er weiß um den Wert seines StarOffice und wohl auch, daß die Lotus-Produkte noch intensiver herbstlicher Reife bedürfen. Die Zusammenarbeit mit IBM, so Börries, sei sehr gut. Die Entwicklung habe ihn nicht überrascht. "Wenn eine Firma, die der IBM gehört, unsere Technologie einsetzen will, müssen die bestehenden Verträge erweitert werden." Die endgültige Version von StarOffice soll im September erscheinen, nach Möglichkeit zeitgleich mit Microsofts Office. Fassungen in einem Dutzend Sprachen sollen dann unter Windows 95, OS/2, Windows NT und Windows 3.1 auf dem Markt erscheinen.
StarDivision kalkuliert einen Paketpreis von 498 DM für die komplette Suite (ohne Datenbank, aber mit entsprechenden Zugriffsoptionen), Cross-Updates auf die entsprechenden Microsoft- und WordPerfect-Produkte gibt's zum Kampfpreis von 298 DM. Zum Vergleich: Microsofts Office liegt in der Anschaffung bei etwa 1500 DM, allein die Updates sollen mindestens 630 DM kosten. So wird das Star-Ship voraussichtlich unter IBMs Flagge in Deutschland, Österreich und der Schweiz segeln.
Die Blume pflücken
Innerhalb der noch immer vom Mainframe beeinflußten IBM-Infrastruktur soll Lotus Notes als zentrales Bindeglied innerhalb einer heterogenen Systemumgebung dienen. Dementsprechend forciert IBM den Einsatz von Notes-Client- und Serverpaketen innerhalb einer kommunikationszentrischen Umgebung für EMail-, Messaging- und Groupware-Applikationen.
Mit Hilfe des Notes-API sollen Brücken zu den Datenbanken DB2 und CICS sowie MQ (Message Queueing) entstehen. So sind bereits die ersten Applikationen verfügbar, die Notes als Frontend einer auf DB2 basierenden Datenbank nutzten. Die neue an der Programmiersprache Basic orientierte Programmierumgebung der kommenden Version Notes 4.0 (Lotus Script) dient nach IBM-Wünschen auch als Brücke zu den MQ-Services.
Mit cc:Mail als Standard-Mail-Applikation, der Lotus-Datenbank Approach sowie dem Organizer konnten sich drei weitere Lotus-Produkte gegen die entsprechende IBM-Konkurrenz, etwa aus dem Portfolio des IBM-Workgroup-Paketes (UltiMail sowie die aufgegebenen Produkte zu Visual DB2 und "Time and Place"), durchsetzen.
Pikantes am Rande: Anfang August offerierte Lotus seinen Kunden ein großherziges Angebot: Lotus, laut Pressemitteilung eine "hunderprozentige Tochter der IBM", offeriert für alle nach dem 20. Juni gekauften Desktop-Pakete die kostenlose Migration zu OS/2 -- oder Windows 95. (Jürgen Fey) (jf)