Systems 95: DFÜ auf Sparflamme

Ruhig war es, nahe der Wies'n. Die Kommunikationsbranche präsentierte überwiegend bekannte Produkte: Software im 32-Bit-Gewand, Hardware mit erweitertem Funktionsumfang - Neuheiten suchte man hingegen vergeblich.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Kai Brauer
Inhaltsverzeichnis

Nachdem das Internet von jedermann für wenig Geld zu erreichen ist und dadurch auch den Modemherstellern zu Absatzsteigerungen verholfen hat, versucht man jetzt, das Netz auf digitalem Weg für neue Gewinne einzuspannen: Sogenannte Kompaktpakete für den Internet-Start enthalten ein Potpourri an Applikationen - vom Browser über ftp und Telnet bis hin zu EMail. AVM kündigt für Dezember 95 das Programm ISDN Internet Pro an, das mit einem 32-Bit-VxD-Treiber für TCP/IP und PPP für ungefähr 200 Mark in den Handel kommen soll. RVS und Creatix Polymedia entwickeln zur Zeit vergleichbare Applikationen. Mit der Markteinführung ist jedoch nicht vor Anfang 96 zu rechnen.

Abseits alter 16-Bit-DOS- und Windows-Software versprechen die Hersteller vor allem für neue 32-Bit-Appliktionen einen Gewinn für den Anwender. Auf der 32-Bit- Welle offeriert dann auch Softklone, München, die neue Version von Remotely Possible/32, ein Fernsteuerungsprogramm für Windows 95 und Windows NT. Die Version 1.0 stellten wir bereits in [1] vor. Die wesentlichen Neuerungen: Drucken im Hintergrund, Remote Control über verschiedene Schnittstellen wie LAN, WAN und TCP/IP sowie mehrfache Host- und Viewer-Verbindungen. Für 295 Mark wird das Produkt angeboten. Besitzer der Vorversion erhalten 30 Prozent Rabatt.

Auch Fritz!, das integrierte ISDN-Kommunikationspaket für Fax, Dateitransfer, Btx und Mailbox-Zugang [2], ist als 32-Bit-Applikation auf dem Markt. Fritz!32 basiert auf der Applikationsschnittstelle CAPI 2.0 sowie den AVM-eigenen VxD-Treibern für Windows 95. Insbesondere das Terminalprogramm wartet mit Neuerungen auf: So kann man im Chat-Mode miteinander 'plaudern' sowie über das Clipboard eingehende Terminalzeichen kopieren und anderen Applikationen zur Verfügung stellen sowie die Fenstergröße ändern. Die Software kostet 300 Mark. Registrierte Benutzer von Fritz! erhalten die neue Version zum Upgrade-Preis von 95 Mark. Die bereits im Mai vorgestellte miroConnect 34 Wave [3] vertreibt Miro aus Braunschweig jetzt unter den Namen miroConnect 34 Office. Neu an der Multifunktionskarte mit Modem- und Soundfunktion ist der jetzt verfügbare Treiber für den V.34-Modus, den Anwender bei der Wave-Version vergeblich suchten, sowie eine bunte Mischung aus Anwendungsprogrammen.

Zeigten einige Hersteller den Besuchern nur Altbekanntes, erweiterte G. Diehl ISDN aus Leonberg die Angebotspalette gleich um zwei aktive Plug&Play-ISA-Adapter für den digitalen Betrieb, die Übertragungsraten von maximal 64 kBit/s erlauben. Auch kann die DIVA PRO über den 33-MIPS-DSP 2181 der Firma Integrate Device Technology analoge Modemverbindungen bis 14 400 Bit/s (V.32bis) aufbauen. Voraussichtlich im zweiten Quartal 1996 steht ein V.34-Treiber (max. 28 800 Bit/s) für Highspeed-Verbindungen auf dem Diehl-Server kostenlos bereit. Die Faxkommunikation verläuft in Sende- und Empfangsrichtung mit maximal 9600 Bit/s (V.29). Analoge Mailboxen lassen sich ausschließlich mit dem V.110 Format (max. 38 400 Bit/s) erreichen. Über die Audio- und Handset-Schnittstelle kann man auch eine Freisprecheinrichtung betreiben. Der Adapter-Maestra ist mit zwei analogen 33-MIPS-DSPs und einer 16-MIPS-RISC- CPU 3041 von IDT ausgestattet und für 2130 Mark erhältlich, verfügt jedoch über keine Audio- und Handset-Schnittstelle. Alle anderen Leistungsmerkmale entsprechen der DIVA PRO, die 970 Mark kostet.

Auch die Firma ELSA in Aachen offerierte einen Hybrid-ISDN-Adapter namens MicroLink ISDN/TLV.34. Die ISDN-Karte verfügt über einen Rockwell-Chip, der analoge Verbindungen bis maximal 28 800 Bit/s beherrscht. Auf digitaler Seite stehen Übertragungsraten bis 128 kBit/s durch B-Kanalbündelung bereit. Die Datenkompression nach V.42bis ist für den analogen und digitalen Betrieb ausgelegt, allerdings im ISDN nur zu seinesgleichen, da V.42bis dort nicht standardisiert ist. Der Faxversand und -empfang geht mit Geschwindigkeiten bis 14 400 Bit/s vonstatten. Ein umfangreiches Kommunikationspaket gehört zum Lieferumfang. Der Adaper soll ab dem ersten Quartal 1996 für 1200 Mark verfügbar sein.

DEC in Stuttgart offeriert die FaxBox für Windows. Der Fax-Server bedient eine unbegrenzte Anzahl von Benutzern und dient der Verarbeitung großer Aufkommen von Faxübertragungen. Über das API (Application Programming Interface) läßt sich das System an spezifische Datenbankanwendungen anpassen und auch in heterogenen Netzwerken, wie PC-LAN und Unix-Umgebungen, einsetzen. Als Fax-Gateway stehen eine analoge oder eine ISDN-fähige Version zur Wahl. Die Faxkommunikation verläuft in beiden Fällen analog, gemäß Gruppe 3, mit einer maximalen Übertragungsgeschwindigkeit von 14 400 Bit/s, Datenkompression und Fehlerkorrektur. Beim analogen Empfang erfolgt die automatische Adressierung über DTMF-Routing (Dial Tone Multi Frequency), bei der ISDN-Version durch Auswertung der Durchwahlnummern. FaxBox für Windows wird für 8600 Mark angeboten.

Vertraut man dem Abschlußbericht der Systems 95, so war die Messe mit steigenden Besucherzahlen und einer rundum positiven Resonanz der Hersteller ein voller Erfolg - für den Anwender hingegen gab es im Bereich der Datenfernübertragung nichts Neues. (br)

[1] Kai Brauer, Fernbedienung, c't 4/95, Seite 80

[2] Kai Brauer, Rundumversorgung, c't 8/95, Seite 72

[3] Dusan Zivadinovic, Ulrich Hilgefort, Moderner Mehrkampf, c't 5/95, Seite 168 (br)