Systems 95: Online-Provider komplett vertreten

In München deckten die neuen und alten Provider ihre jüngsten Trümpfe im Online-Poker auf.

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Von
  • Jürgen Fey
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CompuServe, der nach America Online (4 Millionen Kunden) mit rund zehn Prozent Abstand auf die zweite Position abgerutschte Oldie im Online-Busineß, kündigte eine Reihe zusätzlicher Dienste und Tools an. In der grafisch überarbeiteten Oberfläche WinCIM 2.0 ist der WWW-Browser samt Internet-EMail-Funktion direkt integriert. Jeder CompuServe-User kann zum Jahreswechsel mit Hilfe des Home Page Wizard sowie des Publishing Wizards im WWW über eine eigene Home Page (max. 1 MByte groß) Präsenz zeigen. Das Paket ‘Internet in a Box for Kids’ besteht aus einem WWW-Browser, einem News-Reader, der Online- Community ‘FreeZone’ für Kinder, ferner Tools für ftp, Telnet, Gopher und Archie sowie einem einfachen EMail-Client. Zum Schutz der Kinder filtert der Surfwatch-Dienst, einmal von den Eltern konfiguriert, beispielsweise jugendgefährdende Informationen aus.

Nachdem die interne Übertragungskapazität auf rund 30 MBit/s versechsfacht wurde, will CompuServe neben den analogen Kanälen nun auch verstärkt ISDN-Zugänge einrichten. Außerdem sollen endlich Internet- Zugänge über lokale Provider in Deutschland, Frankreich und Großbritannien die Zentrale in den USA entlasten. Zusätzliche Einnahmen verspricht sich der Online-Dienst von der Einführung des Sponsoring, also im Angebot eingeklinkter Werbung.

Der Start des gemeinsam von Bertelsmann und America Online angebotenen Dienstes ist in Deutschland noch für dieses Jahr geplant. Kurz darauf möchte man den Betrieb auch in Frankreich und Großbritannien aufnehmen. Im Gespräch ist eine Tarifstruktur, die für eine Grundgebühr von 9,85 US-Dollar monatlich insgesamt fünf Online-Stunden einschließt. Nachdem die Zugänge derzeit analog mit bis zu 28.000 Bit/s erreichbar sind, soll in der ersten Jahreshälfte des nächsten Jahres der Support von ISDN hinzukommen. Derzeit arbeitet man an einem neuen Komprimierungsverfahren für Videosignale, das eine schnelle Preview erlaubt. Audiodaten sollen zudem in Echtzeit übemittelt werden können.

Europe Onlines ursprüngliche Pläne, trotz des Ausstiegs von Matra Hachette und Pearson noch in diesem Jahr zu starten, wurden durch den Rückzieher des Axel Springer Verlags gebremst: wenn überhaupt, wird es erst im kommenden Jahr losgehen. Gerade wurde die von AT&T übernommene Interchange-Umgebung eingedeutscht, so daß zumindest die Testphase beginnen kann. Die deutsche Redakion kann auf die Mitarbeit des Gründungsmitglieds Burda zurückgreifen. Sie möchte abgegrenzte Zielgruppen (Angler etc.) mit Hilfe eigenständiger ‘Special Interest Groups’, vergleichbar mit den Newsgruppen des Internet, an sich binden.

Noch keine Fahrt aufgenommen hat eWorld, der Online-Dienst von Apple, der mittelfristig den Applelink- Dienst ablösen soll. In den kommenden Monaten plant Apple, in Deutschland bis zu 35 POPs aufzubauen. Der Internet Connection Kit, bestehend aus einem Netscape-Browser, ftp, News, dem Claris EMailer, einem Realaudio- und Quicktime-VR-Player sowie Telnet soll dem Apple-User den Zugang zum Internet erleichtern. Die Kosten bewegen sich mit der monatlichen Grundgebühr von 8.95 US-Dollar sowie dem gleichen Betrag für jede Online-Stunde weit oberhalb der Konkurrenztarife. Aus dem Internet ist eWorld für 2,95 US-Dollar erreichbar.

In den nächsten sechs bis zwölf Monaten möchte Microsoft die MSN-spezifischen Tools (Blackbird) Internet- fähig machen. Danach soll es möglich sein, Blackbird-Applikationen ohne den Umweg MSN direkt über das Internet anzubieten. Der Software-Gigant verfolgt mit diesem Schritt zwei Ziele: Zum einen soll Windows NT damit als Internet-Serverplattform zu neuen Ehren kommen, und zum anderen versucht man auch an den Content-Providern mitzuverdienen, die das Internet nicht zugunsten MSN aufgeben wollen.

Noch nicht offiziell, aber schon heiß diskutiert sind die Bestrebungen des Kommunikationsanbieters VIAG Interkom, der im nächsten Jahr über das auf Unternehmen zugeschnittene Angebot hinaus zusammen mit einem Verlagsunternehmen sowie den Partnern MCI und British Telecom einen weiteren Online-Dienst aufbauen will. Parallel hierzu will man potentielle Leitungsinhaber wie die Deutsche Bahn AG oder weitere Stromversorger mit ins Boot nehmen, um mit einem eigenen bundesweiten Netz möglichst unabhängig von anzumietenden Leitungen der Telekom zu sein. (ad) (ad)