Neues Newton-Betriebssystem 2.0

Bevor Apple im nächsten Frühjahr weitere Newton-Produkte vorstellt, kommen erst einmal Besitzer des MessagePad 120 in den Genuß von einer deutlich effizienteren Handschrifterkennung und verbesserten Anwendungsprogrammen.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 4 Min.

Das MessagePad 100 ist endgültig 'out': nur die gesockelten 4-MByte-ROMs im 120er lassen sich mit vertretbarem Aufwand durch die insgesamt 8 MByte großen Chips ersetzen, die das neue Betriebssystem enthalten. Ab Januar 96 wird das Apple Update Center in München Geräte innerhalb von 2 Tagen aufrüsten. Vorher bekommt man das Newton Backup Utility und ein passendes Kabel zugeschickt, um sich alle Daten auf den Mac oder Windows-PC zu sichern; alles ist im Update-Preis von etwa 200 Mark inbegriffen.

Jetzt die schlechte Nachricht: etwa die Hälfte aller Newton-Anwendungen wird unter dem neuen Betriebssystem nicht mehr funktionieren. In Apples Liste der betroffenen Produkte finden sich auch von Starcore herausgegebene Programme wie das Newton Connection Kit, die Newton Utilities oder Notion (Besprechungen in 'Handarbeit', c't 6/95). Natürlich kündigt derzeit fast jeder Hersteller angepaßte Versionen an.

Zuallererst will das Newton-OS 2.0 die eingebaute Handschrifterkennung verbessern. Dazu hat Apple die Software des russischen Herstellers Paragraph verbessert und auf 93 000 (vorher 17 000) Wörter erweitert. Hinzu kommt eine neu entwickelte Buchstabenerkennung namens 'Rosetta', die beliebige Zeichenketten erkennt, wenn sie aus Einzelbuchstaben zusammengesetzt werden. Damit hat sie den Vorteil, daß sie nicht trainiert werden muß, aber auch den Nachteil, daß sie nicht lernt - gegebenenfalls also auch nicht besser wird. Offensichtlich reagiert Apple auf den immensen Erfolg des kommerziellen Programms 'Graffiti'.

Auch andere Produkte, die bisher von Unzulänglichkeiten der Newton-Software lebten, werden demnächst arbeitslos - zum Beispiel 'Action Names': das Format von Eintragungen im neuen Adreßbuch ist endlich frei definierbar, so daß man beliebig viele Telefonnummern und Mailadressen erfassen kann. Bezüge oder Vererbungen fehlen aber nach wie vor - Firmenanschriften können also noch immer nicht auf Einträge verschiedener Mitarbeiter mit eigenen Telefonnummern und anderen persönlichen Daten verweisen.

Auch Terminkalender und Notizbuch haben Feinschliff erfahren. So muß man sich jetzt Listen und Gliederungen nicht mehr durch Software von Drittanbietern nachrüsten. Und wer sich mit der Geste für eine neue Notiz (Horizontale Linie über das Display) nie so recht anfreunden konnte, findet nun auch einen zusätzlichen Button für diesen Zweck in der Statuszeile. Elektronische Tinte - Handschrifteingaben bei abgeschalteter Texterkennung - behandelt das Newton-OS künftig fast wie echten Text, sie kann genauso umbrochen und mit Text gemischt werden, und sie taucht nun endlich auch in den Über-sichten auf. In elektronischer Tinte vermag Newton allerdings 'naturgemäß' nicht zu suchen.

In Übersichtslisten darf man künftig auch mehrere Dokumente zusammenfassen, um sie von einer Aktion wie etwa Drucken, Faxen oder Beamen (Datenübertragung via Infrarot) bearbeiten zu lassen. Die gesamte Oberfläche des Betriebssystems wurde überarbeitet. Neben weiteren Icons, der Schriftart 'Casual' und neuen Sounds für Ereignisse ist die wesentliche Neuerung, daß man das Display zwischen Hoch- und Querformat umschalten kann, um das Gerät zu drehen. Gerade an dieser Stelle versagen viele alte Anwendungsprogramme.

Version 2.0 kommt endlich mit TCP/IP-Stack inklusive PPP sowie eWorld-Client und kann sogar Faxe empfangen. Das neue 'Connection Utility' beherrscht den selektiven Abgleich von bestimmten Daten - etwa nur Adressen oder nur Termine im Gegensatz zum bisherigen Abgleich aller Daten und vermag auch Daten mit anderen Anwendungen auszutauschen (Im- und Export). Über den seriellen Port nimmt das Newton-OS-2.0 sogar Daten von einer externen Tastatur entgegen; bisher hatte Apple Anfragen in diese Richtung immer mit Verweis auf die New-ton-Produktphilosophie vehement zurückgewiesen. Leider krankt auch das neue Betriebssystem noch an einem zu kleinen Heap. Diesen Flaschenhals wußten die Entwickler offenbar nicht zu weiten. Um noch vor der Upgrade-Orgie möglichst viele MessagePads 120 - mit alten ROMs - abzusetzen, hat Apple soeben dessen Preis um 200 Mark gesenkt.(se) (ha)