Shell-Studie: Deutsche Jugendliche vorsichtig im Internet

Deutschlands Jugendliche und junge Erwachsene verbringen, laut Shell-Studie, zwar mehr Zeit im Internet – blauäugig sind dort aber die wenigsten unterwegs. Vor allem das Vertrauen in Facebook ist gering.

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Youtube & Co. erklären Jugendlichen Politik

(Bild: dpa, Kay Herschelmann)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Antonia Lange
  • dpa
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Jugendliche in Deutschland sehen soziale Netzwerke wie Facebook zunehmend kritisch, nutzen sie aber trotzdem weiter. Das ist das Ergebnis der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Shell Jugendstudie. Für die Erhebung werden seit 1953 alle drei bis fünf Jahre rund 2500 Jugendliche befragt.

Demnach gaben 72 Prozent der 12- bis 25-Jährigen an, im Netz vorsichtig mit persönlichen Daten zu sein. Mehr als vier von fünf Jugendlichen und jungen Erwachsenen stimmte zudem der Aussage zu, dass "große Konzerne wie Facebook oder Google mit den Daten der Nutzer viel Geld verdienen wollen".

Insgesamt sehen Jugendliche Facebook im Hinblick auf Datenschutz aber kritisch. Nur jeder achte Jugendliche gab demzufolge an, dem Netzwerk zu vertrauen. Im Nutzungsverhalten schlägt sich das Misstrauen bisher aber kaum nieder: 57 Prozent nutzen Facebook nach eigenen Angaben sehr häufig oder häufig. Weitere 26 Prozent sind dort immerhin ab und an unterwegs.

Das hat Gründe: Zwei Fünftel gaben in der Studie an, dass "man bei sozialen Netzwerken deshalb dabei sein muss, weil man sonst nicht mitbekommt, was die anderen machen". 39 Prozent der 12- bis 25-Jährigen sagten zudem, dass es "Spaß macht, private Kontakte über das Internet zu knüpfen und zu pflegen".

Mit 99 Prozent haben der Erhebung zufolge fast alle deutschen Jugendlichen Zugang ins Internet. Dort sind sie im Schnitt mehr als 18 Stunden pro Woche unterwegs. Zum Vergleich: 2006 waren es noch weniger als zehn Stunden. Nur zum Chatten sind sie dort aber auch nicht unterwegs: 27 Prozent gaben beispielsweise an, schon einmal eine Online-Petition unterschrieben und sich so auch politisch engagiert zu haben.

"Die junge Generation befindet sich im Aufbruch. Sie ist anspruchsvoll, will mitgestalten und neue Horizonte erschließen", erklärte Studienleiter Prof. Mathias Albert von der Uni Bielefeld. Der großen Mehrheit der Jugendlichen (82 Prozent) ist es wichtig, "die Vielfalt der Menschen anzuerkennen und zu respektieren".

Das geht vor allem aus ihren Antworten zu Zuwanderung hervor: Jugendliche stehen ihnen demnach offener gegenüber und sind auch politisch stärker interessiert als noch vor einigen Jahren. 39 Prozent der 12- bis 25-Jährigen sprachen sich beispielsweise dafür aus, dass künftig genauso viele Menschen aus dem Ausland zuwandern dürfen wie bisher. 15 Prozent der Befragten befürworteten sogar mehr.

Immer mehr junge Leute entdecken auch ihr Interesse an Politik: Im Vergleich zum Tiefpunkt 2002 mit 30 Prozent bezeichneten sich zuletzt 41 Prozent als politisch interessiert. Den Forscher zufolge hat der Wandel auch damit zutun, dass die 12- bis 25-Jährigen die gesellschaftliche Lage in Deutschland wieder positiver sehen. (vbr)