Sogwirkung
Eine Flut neuer Hardware schwappt ĂĽber den Kommunikationsmarkt.
Erfreuliches für den Mac-Anwender: Neben den bekannten NuBus- und PCI-Karten gibt es seit der CeBIT SPIGA, einen ISDN-Adapter für den GeoPort. Die von der Pariser Firma SAGEM stammende Erweiterung kommt schon mit einem 68020er Mac aus, bietet Geschwindigkeiten bis zu 128 kBit/s, enthält neben anderem einen PPP-Treiber für die Internet-Anbindung und soll weniger als 900 Mark kosten.
Auch die Konkurrenz im PC-Low-Cost-Bereich nimmt zu. Zu den etablierten Billiganbietern wie AVM und ELSA gesellt sich nun Diehl ISDN mit seiner Steckkarte Piccola (kostet knapp 440 Mark). Bemerkenswert: Windows NT findet zunehmend Unterstützung, beispielsweise durch AVM, Digi International, Diehl ISDN oder HST. Es sind sogar PCMCIA-Lösungen zu haben: die DSP-basierte Diva/PCM für 1700 Mark von Diehl ISDN sowie die passive Karte Saphir II von HST für 1150 Mark. Die eigentliche Überraschung sind aber die unter vorgehaltener Hand zugegebenen `Studien' für die Linux-Unterstützung (HST und ELSA).
Nicht überraschend, mehrt sich auch die Zahl der externen ISDN-Adapter. Neben bekannten Namen wie EEH, ELSA, Stollmann und Sedlbauer sind auch manche eingefleischte Modem- Spezialisten wie Hayes, Motorola und ZyXEL in diesen Bereich ausgeschwärmt - und aus Fernost melden sich die ISDN-Newcomer Cameo und E-Tech. Die Preise liegen zum Teil weit unter 1000 Mark. Hayes Ultra ISDN 64K kostet zum Beispiel 780 Mark. Mit Courier-I-Modem, Diva Pro sowie Niccy 3009 Hybrid betreten drei neue ISA-Steckkarten von US Robotics, Diehl ISDN sowie Dr. Neuhaus die Bühne. Alle drei beherrschen sowohl die analoge als auch die digitale Kommunikation. Courier-I-Modem wird im Sommer auch als externe Version für den Anschluß über die serielle Schnittstelle erhältlich sein. Telelinks Cardline Twin ist dagegen eine Hybrid-Lösung für den PCMCIA-Slot. Sie läßt sich wahlweise an analogen oder an ISDN-Anschlüssen betreiben. Die LAN-Kopplung auf ISDN-Basis wird allmählich günstiger. Während sich Bintec und D-Link der 2000-Mark-Grenze nähern, hat sie Motorola mit dem Vanguard 311 schon unterschritten (kostet etwa 1850 Mark, bietet IP und IPX mit bis zu 128 kBit/s).
Der Modem-Markt verzeichnet dagegen trotz des davongeeilten ISDN-Zugs nach wie vor ein wachsendes Angebot. DBTEL aus Taiwan ist zum Beispiel ein neuer Mitspieler, der noch einen Distributor für seine V.34-Geräte sucht. Hayes sowie ELSA - mit dem MicroLink 28.8DSVD/PC - demonstrierten dagegen die kostensparende simultane Übertragung von Daten und Sprache mittels DSVD und herkömmlichen V.34-Modems. Die autarken Faxempfänger, die also ohne PC Faxe empfangen und auf Wunsch ausdrucken können, haben Zuwachs bekommen. SpiderMan - eigentlich ein Faxmodem mit zusätzlichem Speicher - gibt es nun auch für den Macintosh, während ICO nun neben SaferFax auch MemoFax parat hat (256 KByte RAM, 199 Mark). In Kürze soll Telejet SaferFax auch mit integriertem Faxmodem zu bekommen sein. Ein kleines Highlight: Die in Taiwan ansässige Firma 3J Technology stellte Modems für die Westentasche vor. In den zigarettenschachtelgroßen Winzlingen steckt eine Huckepack-Platine, die leistungsmäßig den `Großen' in nichts nachsteht. Es gibt sie als 14 400er oder als 28 800er Variante, Faxfunktionen inklusive.
Drahtlos
Noch sind es nur vielversprechende Ansätze und `wachsende Märkte', doch schon heute ist klar: Die Kommunikation wird zunehmend drahtlos. Ein spektakuläres Beispiel sind zwei ähnliche Verfahren, die Internet-Daten per Satellit zum Empfänger befördern. Hatte vor der CeBIT noch die Rodgauer Firma Incosys aufgetrumpft, so gesellte sich mit Eutelsat ein weiterer Anbieter dazu. Das Prinzip: Über ein herkömmliches Modem wählt der Endkunde seinen Internet-Provider an und bahnt sich mittels eines gewöhnlichen Browsers seinen Weg durch das Web. Als Rückkanal dient dagegen eine 400 kBit/s schnelle Satellitenverbindung. Öffentliche Zugänge zu dem von Eutelsat aufgebauten DirecPC-Dienst soll es ab September zunächst in Darmstadt geben. Nur 35 Mark monatlich soll das Angebot nach aktuellen Plänen kosten, wobei derzeit ein Volumen im zweistelligen MByte-Bereich im Preis enthalten sein soll. Für den Empfang genügt eine herkömmliche Satellitenschüssel, die man auch weiterhin für den Fernsehempfang nutzen kann. Im PC nehmen sowohl bei der Incosys- als auch bei der Eutelsat-Lösung spezielle ISA- Karten die Daten entgegen und reichen sie zum IP-Stack hinauf. Derzeit bietet die Eutelsat- Lösung Treibersupport für Windows 3.x, 95 und NT sowie für OS/2. Inklusive Software, Karte und Satellitenschüssel soll das System für 2200 Mark zu haben sein, ein Modem gehört nicht zum Lieferumfang. Eine PCI-Ausführung der Karte will Eutelsat im Sommer dieses Jahres parat haben.
Der Drahtlostechnik für Kurzstrecken, DECT, gelang auf der CeBIT der Durchbruch (Digital European Cordless Telephony). Ob DeTeWe, Panasonic, Philips oder Ericsson, sie bieten im wesentlichen digitale Drahtlos-Telefone, aber auch Telekommunikationsanlagen für ISDN (Hagenuk) an. Darüber hinaus stellte Ericsson eine proprietäre Variante der DECT-basierten Datenübertragung für geschlossene Netze vor (Speed: 32 kBit/s). Sobald verfügbar, wollen jedoch alle DECT-Anbieter, Ericsson eingeschlossen, den von der ETSI für 1997 geplanten Standard GAP (Generic Access Profile) unterstützen, der auch Querverbindungen ins ISDN und sogar `wireless ISDN' erlauben wird.
Die spektakulärste Neuheit verzeichnet der GSM-Bereich mit dem Communicator 9000 von Nokia - mehr zu dem Internet-Handy für die D-Netze steht auf Seite 75. Nicht überraschend, steigen immer mehr Hersteller auf die Datenübertragung im D- und E- Netz ein und bieten eigene GSM-Adapter in PCMCIA-Bauweise an; neben Nokia und Siemens nun auch Sony und Panasonic. Wer sich das recht teure Zubehör ersparen will (um die 1000 Mark), kann auf das Dr. Neuhaus Handy RD 435 mit integrierter Datenkommunikation zurückgreifen. Es wird konventionell über die serielle Schnittstelle an beliebigen Computern angeschlossen. Die Entwicklung stammt von der französischen Muttergesellschaft SAGEM und kostet ohne Karte etwa 1000 Mark.
Auch die speziell für die paketweise Datenübertragung konzipierten Funknetze Modacom und Mobitex erfahren langsam mehr Beachtung. So präsentierten Dr. Neuhaus mit dem Mobycom 4017 und ELSA mit ELSAwireless M/P je eine Lösung (ELSA wird Mobitex allerdings erst im Verlauf des Jahres unterstützen). Insgesamt verheißt die rege Entwicklung der Kommunikationshardware gute Aussichten - gerade für die alternativen Telefonnetzbetreiber. Zwar werden sie erst ab 1998 öffentliche Netze anbieten, doch ob RWE Telliance, Thyssen Telecom, Viag Interkom oder Vebacom, alle versprühten auf der CeBIT Selbstbewußtsein und präsentieren ihre Pläne offensiv. Zwei der verlockenden Beispiele: Viag Interkom wird mit Apple auf Internet-Pfaden wandeln (Projekt Vivaldi) und die Vebacom stellte mit ihrem Pilotprojekt InfoCity NRW das Potential der eigenen Glasfaser-Infrastruktur unter Beweis.
Schon gibt es auch die ersten Geräte, die automatisch den jeweils günstigsten Netzanbieter wählen können (okay, in den USA ist das ein alter Hut). Derzeit gibt es den `Selbstwähler' ausschließlich für geschlossene Netze (Corporate Networks), doch sobald Bedarf besteht, soll man den ISDN-Dialer von ComTel auch für öffentliche Netze einsetzen können, um in Abhängigkeit von Entfernung und Tageszeit die Leitungen des billigsten Anbieters zu verwenden. (dz) (dz)